Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1901
- Issue
- Diplomatie und Hochfinanz in der rumänischen Judenfrage.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 77 (sequence 9)
- Language
- German
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77 Deutschland, sondern auch Holland. Alle zu Schiff in Rotterdam eintreffenden rumänischen Juden mußten sich über den Besitz von Schiffskarten zur Ueberfahrt nach Amerika ausweisen, andernfalls wurde ihnen die Landung verweigert. Selbst von Cypern suchte die englische Regierung die jüdischen Einwanderer abzuhalten, indem sie durch den englischen Konsul in Galatz erklären ließ, daß in Cypern nur solchen rumänifthen Juden die Landung gestattet wird, die sich darüber ausweisen können, daß sie über die nötigen Geldmittel zur Rückreise verfügen, falls sie in Cypern keinen Lebenserwerb finden sollten. In New-Dork wurden die Einwanderungsbeschränkungen gegenüber den Juden aufs strengste gehandhabt, indessen vorübergehend dadurch umgangen, daß die „Rumänische Hilfsgesellschaft", eine jüdische Vereinigung für mittellose Einwanderer, Bürgschaft dafür stellte, daß sie nicht der Oeffentlichkeit zur Last fallen werden. Mitte August ordnete das Schatzamt in Washington, dem die Einwanderungsbehörde in New-Uork unterstellt ist, in Europa Erhebungen über den voraussichtlichen Umfang der jüdischen Einwanderung an, um nötigenfalls strengere Maßregeln zu ergreifen. In Kanada beanstandete die Polizei Anfang August schon den ersten Trupp jüdischer Einwanderer, 350 Personen stark. Diese Leute erhielten erst Erlaubnis zu landen, nachdem die Baron Hirsch-Gesellschaft und die Dampferlinie (Elder-Dempster & Cie.) Bürgschaft übernommen hatten, daß die Einwanderer den Gemeinden nicht zur Last fallen werden. Infolge der jüdischen Einwanderung erließ die Regierung von Kanada Mitte August eine neue Verordnung, wonach Einwanderer, die ohne genügende Barmittel sind und möglicherweise dem Lande zur Last fallen können, nicht zugelassen werden dürfen. In Kanada ist die Abneigung der Bevölkerung gegen die jüdische Einwanderung sehr stark und unter den dortigen Landwirten derart, daß die jüdischen Einwanderer nur unter der Bedingung zugelassen wurden, nicht nach Westen zu gehen, d. h. die landwirtschaftlichen Bezirke zu meiden. Nach diesen Vorgängen sind die jüdischen Organe von ihrer Anpreisung Kanadas als Auswanderungsziel für rumänische Juden zurückgekommen. Die jüdische Rückwanderung. Bis Ende August 1900 waren von etwa 6000 bereits über 4000 jüdische Auswanderer wieder nach Rumänien zurückgekehrt, weil sie aus Mangel an Mitteln von verschiedenen Ländern zurückgewiesen worden waren. Damals bemühten sich die rumänischen Vertreter in Wien, Frankfurt a. Main und Rotterdam von den dortigen Behörden die Erlaubnis zum Verweilen der Juden bis zum Eintreffen der erforderlichen Gelder für die Rückreise zu erlangen. Die rumänische Regierung gewährte den jüdischen Auswanderern Hilfe und Mittel zur Rückkehr in die Heimat. Anfangs gestattete die rumänische Regierung den jüdischen Auswanderern ohne weiteres die Rückkehr. Später aber machte sie infolge einer merkwürdigen. Beobachtung Schwierigkeiten. Als Anfang August 1300 jüdische Auswanderer von der Grenzstation Verciorova den rumänischen Behörden übergeben werden sollten, wurde der Leiter des rumänischen Sicherheitsdienstes dorthin mit dem Aufträge gesandt, nur diejenigen Juden wieder einzulassen, die Nachweisen konnten, daß sie in Rumänien geboren waren. Man hatte in Erfahrung gebracht, daß sich unter diesen 1300 Rückwanderern viele ungarische Juden befanden, die die Gelegenheit benutzen wollten, sich in Rumänien niederzulassen. Es hofften demnach die ungarischen Juden, ihre Lage in Rumänien zu verbessern; nach ihrer Ansicht ging es also den Juden in Rumänien keineswegs so schlecht, wie ihre Glaubensgenossen im Westen unausgesetzt behaupteten.