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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1901-01-01 · Diplomatie und Hochfinanz in der rumänischen Judenfrage. · p. Seite 76

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1901
Issue
Diplomatie und Hochfinanz in der rumänischen Judenfrage.
Date
1901-01-01
Page
Seite 76 (sequence 8)
Language
German
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76 Meist hatten die jüdischen Auswanderer, wie die Münchener „Allgemeine Zeitung" am 21. Juli 1900 berichtete, „keine bestimmte Beschäftigung oder Profession, nur die Minderzahl waren Handwerker. Diese Juden verlassen das Land, weil durch die Verarmung des Volkes für sie dort nichts mehr zu holen ist. Man darf nicht außer acht lassen, daß im Norden Rumäniens es Gegenden giebt, wo die Juden fünfzig Perzent der Bevölkerung ausmachen. Von dort ziehen sie dann nach dem fruchtbareren Süden, und da dieser jetzt auch im Notstand sich befindet, so gehen diese Wanderjuden über die Grenze, um in der Ferne ihre Existenz zu suchen". Die jüdischen Auswanderer waren nicht durchwegs arm; selbst die „Frankfurter Zeitung" hat eingeräumt, daß sich darunter auch bemittelte Familien befanden, die nicht aus Not auswanderten, sondern in dem Wunsche, anderwärts die bürgerliche Gleichberechtigung zu erhalten. Bemitteltere Juden suchten nach Transvaal zu kommen. Anfang Juli 1900 ging eine Gesellschaft, die sich „Agates Achaz" nannte und 150 Köpfe stark war, nach Transvaal ab. Durch Gründung von Vereinen mit bestimmten Einlagen bemühten sich die Juden, die Auswanderung nach Transvaal zu erleichtern. Die fremden Staaten gegen die jüdischen Auswanderer aus Rumänien. Als im Juli 1900 die Auswanderung rumänischer Juden größeren Umfang annahm, verständigten sich die Regierungen von Ungarn, Oesterreich und Deutschland darüber, nur solchen jüdischen Auswanderern aus Rumänien die Durchreise zu gestatten, die über den Besitz der erforderlichen Geldmittel für die Weiterreise sich ausweisen konnten. Inzwischen waren bereits über die ungarische Grenze hunderte von unbemittelten jüdischen Auswanderern gekommen und nach Pest und Wien weiterbefördert worden. Dort mußten sie Halt machen, weil ihnen die Mittel zur Weiterreise fehlten. Ein jüdischer Sonderzug solcher Auswanderer wurde in Wien angehalten und nach Pest zurückgesandt. Ende Juli hatten sich gleichwohl 2000 rumänische Juden in Wien angesammelt, zur selben Zeit etwa halb so viel in Pest. Unter den dortigen Juden wurden Sammlungen veranstaltet, so daß ein Teil der Auswanderer, mit ausreichenden Geldmitteln versehen, die Reise fortsetzen konnte, die übrigen wurden an die rumänische Grenze zurückbefördert. Am 27. Juli ordnete der ungarische Ministerpräsident drahtlich an, daß, bis nicht die Bedingungen und Modalitäten der Auswanderung aus Rumänien endgiltig sestgeftellt worden seien, zur Verhütung weiterer Verwickelungen und Schwierigkeiten, aber auch im Interesse der Auswanderer selbst, keinem einzigen Auswanderer aus Rumänien das Ueberschreiten der Grenzegestattet werde. Diese radikale Maßregel der liberalen ungarischen Regierung wurde von den Pester jüdischen Blättern heftig angegriffen. Nach ihrer Behauptung hätte dadurch der Ministerpräsident das Grundrecht der Freizügigkeit, ja sogar das „internationale Privatrecht" verletzt und die allgemeine Rechtsordnung erschüttert. Die Ministerialverordnung bedeute einen „schwarzen Fleck" in der Geschichte des ungarischen Verfaffungslebens, der schwer zu verwischen sein werde. Wenn es sich um christliche Auswanderer aus Rumänien gehandelt hätte, würden die nämlichen Blätter eine ähnliche Verordnung unbedingt gebilligt haben. Gegen die jüdische Auswanderung aus Rumänien ergriffen fast alle Staaten, die davon betroffen wurden, Ausnahmemaßregeln, nicht nur Oesterreich, Ungarn und

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