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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1901-01-01 · Diplomatie und Hochfinanz in der rumänischen Judenfrage. · p. Seite 75

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1901
Issue
Diplomatie und Hochfinanz in der rumänischen Judenfrage.
Date
1901-01-01
Page
Seite 75 (sequence 7)
Language
German
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75 Meinung Europas, womöglich auch die eine oder andere Macht, zu Gunsten der Juden einen Druck auf die rumänische Regierung ausübe.. Es wird sicherlich da und dort ein Jude nicht besonders sanft von den rumänischen Behörden angefaht worden sein; ganz zweifellos aber sind die Schilderungen, wie sie im „Pester Lloyd", der „Neuen Freien Presse" und anderen Blättern von den „Leiden der armen Auswanderer" zu lesen waren, zum Teil stark übertrieben, zum Teil frei erfunden. Unser Gewährsmann hat sich einen großen Extrazug voll Auswanderer genau angesehen und dabei folgende. Eindrücke gewonnen: Die Leute boten durchaus kein ärmliches Bild und waren fast durchgängig weit besser gekleidet als der Durchschnitt der christlichen rumänischen Bevölkerung. Sie machten zahlreiche kleine Einkäufe an Getränken, Speisen. Zeitungen u. s. w. Das „Mache" in der Sache war, ging deutlich daraus hervor, daß sämtliche männlichen Insassen des Zuges eine ganz gleiche Art von Sportmützen, weiß und braun gestreift, mit einer grünen Kokarde trugen. Daß die Behörden die Leute zur Auswanderung gezwungen hätten, hat, wie bemerkt, selbst der Oberrabbiner bestritten. Dagegen ist erwiesen, daß zahlreiche Emissäre der Alliance israelite im Lande umherzogen und zur Auswanderung ermunterten. Man wollte eben von dieser Seite gerade jetzt in Rumänien eine „Judenfrage" schaffen, wo man weiß, daß Rumänien Geld braucht und Rücksicht auf die Wünsche der jüdischen Großfinanz nehmen muß. Hat doch der Pariser Rothschild bereits gedroht, aus dem Anleihe- Syndikat auszutreten, wenn das Los der Juden in Rumänien nicht gebessert würde." So erklärt es sich, daß die Alliance Israelite Universelle ihre Agitation unter den rumänischen Juden ohne genügende Vorberettungen betrieb, ohne auch nur den Auswanderern freien Durchzug durch die auswärtigen Staaten gesichert zu haben. Die rumänische Regierung konnte das Auswanderungsfieber nicht dämpfen, ihre Ratschläge blieben wirkungslos und sie mußte schließlich beträchtliche Opfer bringen, um den ausgewanderten Juden wieder die Rückwanderung zu ermöglichen. Erst als die Auswanderungsbewegung überhandnahm, suchte die Alliance Israelite Universelle wieder abzuwiegeln. Das Wiener Komitee ließ Ende Juli 1900 nach Galatz die Nachricht gelangen, daß die Mittel erschöpft seien und ersuchte die Auswanderungsbewegung wieder einzudämmen. Auswanderer, die ohne Zusttmmung des Wiener Komitees nach Wien kämen, könnten auf keine Unterstützung rechnen. Gleichzeitig erklärte das Komitee, fortan Reiseunterstützungen nur an arbeitsfähige männliche Juden verteilen zu können. Das Wiener Komitee der Alliance Israelite Universelle schien ganz den Kopf verloren zu haben, denn wenn nur die arbeitskräftigen Juden aus Rumänien auswandern, wer sollte dann für die zurückbleibenden Weiber, Kinder und Greise sorgen? Die Geister, die die Alliance Israelite Universelle gerufen hatte, konnte sie nicht mehr los werden. Für die jämmerliche Lage, in die die jüdischen Auswanderer besonders in Pest und Wien gerieten, ist allein die Alliance Israelite Universelle verantwortlich zu machen. Auf den Bahnhöfen von Pest und Wien trafen wiederholt Sonderzüge mit jüdischen Auswanderern ein, die man nicht weiter befördern wollte oder konnte. Diese Leute wurden dort von ihren Glaubensgenossen teils gewaltsam in die Wagen zurückgedrängt, die sie eben verlassen hatten, teils unter falschen Vorspiegelungen, als ginge es weiter den: Ziele zu, wieder hineingeschoben und dann trat unter lautem Geschrei und Gejammer mit seinen Insassen der Sonderzug die Rückfahrt an.

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