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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1901-01-01 · Diplomatie und Hochfinanz in der rumänischen Judenfrage. · p. Seite 73

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1901
Issue
Diplomatie und Hochfinanz in der rumänischen Judenfrage.
Date
1901-01-01
Page
Seite 73 (sequence 5)
Language
German
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73 zu gewähren, bis auf vereinzelte Ausnahmen unausgeführt geblieben sein. Nach Angabe jüdischer Blätter gelangten in den letzten zwanzig Jahren kaum 100 Juden in den Besitz des rumänischen Bürgerrechts. Verboten ist nach dem rumänischen- Fremdenrecht ferner die Zulassung von Fremden zur Ausübung der Advokatur, des Apothekergewerbes, des Handels mit Monopolerzeugnifsen, des Schankgewerbes in -den Landgemeinden usw. Im Heere sollen angeblich jüdische Soldaten nicht befördert werden.. Früher bestand auch die Verordnung, daß der Aufenthalt von Fremden in den Landgemeinden einer Bewilligung des betreffenden Gemeindevorstandes bedarf. Diese Verordnung wurde vom Ministerium Carp am 30. Juli 1900 aufgehoben und den Juden die Niederlassung in Marktflecken, die Landgemeinden sind, bedingungslos gestattet. Auch in Dörfern ist jedem Juden, der den Militärdienst geleistet hat, -ein kleines Vermögen nachweist, ein Handwerk oder Gewerbe betreibt, durch Gemeindebeschlutz die Niederlassung zu erlauben. Diese Erlaubnis kann nur durch den Minister des Innern widerrufen werden. Die Angaben der jüdischen Blätter, insbesondere der „Frankfurter Zeitung", über die elende Lage der Juden in Rumänien, waren wieder einmal nicht zutreffende Denn ein Bericht des judenfreundlichen „Hamburger Korrespondenten" vom 1. September 1900 lautete ganz anders. Danach hat sich die Lage der rumänischen Juden günstiger gestaltet und bessert sich noch fortwährend mit den zunehmenden Naturalisationen. In gewissen Berufen sind die Juden unverhältnismätzig zahlreich vertreten, so unter den Landärzten, die 6(00 Franken Jahresgehalt beziehen, mit 21 Prozent. Am Volksschulunterricht nahmen 5,5, am Mittelschulunterricht 7,5, am Hochschulunterricht sogar 9,5 Prozent Juden teil. Im Geschäftsleben und im Groß- Handel ist das jüdische Element das vorherrschende und in einigen Landesteilen hat es den Kleinhandel und das Maklergeschäft ganz in Händen. In der Zeit von 1880 bis 1899 waren den Juden für 23 Millionen Franken öffentliche Arbeiten zugewiesen worden, das ist 42 Prozent des Gesamtwertes. In den letzten Jahren hat Rumänien für öffentliche Arbeiten erheblich weniger als früher aufwenden können, in den Jahren 1899/1900 sogar nichts, worunter die Juden ebenso wie die Christen zu leiden hatten. Die jüdische Auswanderung aus Rumänien von 1900. Die jüdische Massenauswanderung begann im April 1900. Am 19. April' verließen 126 Juden die Stadt Berlat mit der Erklärung, zu Fuß nach Hamburg wandern zu wollen, um sich nach Amerika einschiffen zu lassen. Dieser Vorgang wurde damals von den jüdischen Blättern in Pest, Wien, Berlin, Frankfurt a. M. usrm nach Kräften fruktifiziert. In einem ihrer Berichte hieß es, daß in Galatz auswandernde Juden auf die Straße geworfen worden wären, Hunger litten und ein Obdach in den Kirchhöfen hätten suchen müssen. Tatsächlich waren jene Fuß- Wanderer aus Berlat von der jüdischen Gemeinde in Galatz unter einem Zelt in den Gärten um die Synagoge untergebracht und bewirtet worden. Viel Kapital wurde damals auch aus der Thatsache geschlagen, daß diese Juden zu Fuß wanderten. In Wirklichkeit hatten sie freiwillig den Fußmarsch gewählt, um ihre Abwanderung der Kenntnis der Behörde zu entziehen, die im Interesse der jüdischem Auswanderer selbst darüber wachte, ob sie auch mit den erforderlichen Geldmitteln versehen waren. Sie erhielten in Czernowitz drei Eisenbahnwagen für die Weiter reise und vielfache Unterstützungen ihrer Glaubensgenossen, nach einer Mitteilung der „Frankfurter Zeitung" in Berlin 3000 Mark von Bleichröder und ein jeder im

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