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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1901-01-01 · Diplomatie und Hochfinanz in der rumänischen Judenfrage. · p. Seite 72

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1901
Issue
Diplomatie und Hochfinanz in der rumänischen Judenfrage.
Date
1901-01-01
Page
Seite 72 (sequence 4)
Language
German
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72 sie über ihr Vermögen an einem Orte festbannen würde. Unendlich viel Unheil, und zwar nicht nur in Bauernkreisen, richten die Juden ferner als Winkeladvokaten an. Endlich wirken sie direkt verderblich auf den Grundbesitz da, wo es ihnen gelingt, ihn auf dem Wege des Pachtens (die Juden dürfen in Rußland keine Landgüter eigentümlich erwerben) in ihre Hände zu bekommen. Sie treiben die Wälder ab und schlagen möglichst viel Profit aus dem Boden, unbekümmert um den dadurch auf Jahrzehnte hinaus angerichteten Schaden." Unter diesen Umständen begreift man, daß die Rumänen ohne Unterschied der Partei es ablehnen, diesen fremden bedenklichen Elementen die staatsbürgerliche Gleichberechtigung einzuräumen. Als die Wiener „Neue Freie Presse" Mitte Juli 1900 den Ministerpräsidenten Carp aufrief, er möge die Emanzipation der rumänischen Juden durchführen, erlaubte sich das Wiener Börsenblatt, zwischen Bojaren und Juden in Rumänien einen Vergleich zu ziehen. Von den Bojaren, den rumänischen Junkern, behauptete das Blatt, daß sie zumeist gar nicht autochthon, sondern erst spät eingewanderten Geschlechtern entsprungen seien, während die Juden schon seit Jahrhunderten im Lande wohnten. Mit derartigen Bemerkungen sollten die jüdischen Organe etwasvorsichtiger sein; denn wirft man die Frage auf, welche Gruppen der Bevölkerung die zuletzt gekommenen und am wenigsten assimilierten sind, dann wird man zuerst überall auf die Juden selbst stoßen. Auch in dem vorliegenden Falle hatte die „Neue freie Presse" unrecht, denn die Bojaren sind altansäsfig, die Juden aber zumeist erst um die Mitte des Jahrhunderts aus Rußland eingewandert. Nach der Darstellung der „Neuen Freien Presse" sind selbstverständlich die Bojaren fanl, die Juden fleißig u. s. w. Früher behaupteten die Wiener Börsenblätter sogar, daß die ganze rumänische Bevölkerung dumm, faul und schlecht sei mit einziger Ausnahme der klugen, fleißigen und braven Juden. Für solche plumpe Argumentationen wird auch Peter Carp nur ein Achselzucken übrig gehabt haben. Die Lage der rumänische« Inden. Ausnahmegesetze gegen die Juden bestehen in Rumänien nicht, wohl aber Fremdengesetze, die sich nach der Versicherung jüdischer Blätter in erster Reihe gegen die rumänischen Juden kehren. Alle Fremden sind von dem Erwerb rumänischen Grundbesitzes ausgeschlossen. Würde heute die rumänische Regierung ein Gesetz erlassen, wonach auch Juden ländlichen Grundbesitz erwerben können, so würden, wie der „Hamburger Korrespondent" am 8. August 1900 versicherte, binnen sechs Monaten zwei Drittel aller kleinen und mittleren Güter durch Zwangsverkauf hauptsächlich in jüdische Hände geraten. Das aber wäre für Rumänien, sagt das liberale Hamburger Blatt, das Zeichen zum Ausbruch eines verzweifelten Bauernkrieges, weshalb keine Regierung einen solchen Schritt wagen könne. Nach den Angaben des Werkes „Aus dem Leben des- König Karls von Rumänien" (I, 71) besaßen schon Ende der sechziger Jahre die moldauischen Juden Hypotheken im Gesamtbeträge von vielen Millionen Dukaten und es würden ihnen fast sämtliche belasteten Güter zugefallen sein, wenn es ihnen gestattet worden wäre, Grundbesitz zu erwerben. Die Naturalisierung einheimischer Juden soll so gut wie unmöglich sein. Nun unmittelbar nach der Verfassungsrevision von 1878 erhielten rumänische Juden in größerer Anzahl das Bürgerrecht. Auch soll der Beschluß, den jüdischen Soldaten^ die im Jahre 1877/78 im rumänischen Heere kämpften, das rumänische Bürgerrecht

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