Mannheim
Compact Memory

Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1901-01-01 · Die Thätigkeit der deutschsozial-reformerischen Abgeordneten im Reichstage während der Sitzungszeit 1899/1900. · p. Seite 64

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1901
Issue
Die Thätigkeit der deutschsozial-reformerischen Abgeordneten im Reichstage während der Sitzungszeit 1899/1900.
Date
1901-01-01
Page
Seite 64 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/9038025-9038028-423319--325-185297
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

64 weil diese sie -einfach, durch Schichtwechsel unter ihren vielen Verkäufern wieder ausgleichen könnten. Die Verkehrtheit der Bäckereiverordnung hielt er am selben Tage der Regierung abermals vor. - Für die Barbiere und Friseure befürwortete er die Einführung des Ladenschlusses für die Nachmittage der Sonn- und Festtage, falls sie von zwei Dritteln der ansässigen Berufsgenossen beantragt würde, wie es deren Verbandstage wiederholt als wünschenswert bezeichnet hatten.*7) Abgeordneter Werner ersuchte bei Beratung des Reichshaushalts die Regierung, die Proviantämter anzuweisen, daß sie möglichst auch kleinere Lieferanten und Fabrikanten mit ihren Aufträgen an Tuch usw. bedenken möchten. Bei der Verhandlung über Bittschriften ginger auf den Bauschwindel näher ein. Er legte dar, wie die Bau Hand Werk er, gezwungen durch die Not der Verhältnisse, Bauarbeiten zu übernehmen, häufig durch das Vorschieben von sogenannten Strohmännern und anderen unlauteren Machenschaften um ihre Forderungen betrogen würden. Und zusammen mit Abgeordnetem Bindewald beleuchtete er am 6. März auch die anderen hauptsächlichsten Schäden, die im Bauhandwerk vorhanden sind, vor allem das fast überall herrschende Submissionswesen, das zu Schleuderpreisen, aber dafür auch zu schlechterer Arbeit und Lohndrückerei nötigte, und die unsolide und gefährliche Bauweise gewissenloser Nichtfachleute, die nur dadurch unmöglich gemacht werden könnte, daß endlich der von Fachkreisen dringend gewünschte Befähigungsnachweis eingeführt würde. Die Interessen der Landwirtschaft wurden besonders vertreten bei den Verhandlungen über das Schlachtvieh- und Fleischbeschaugesetz. Wie schon bei dessen Beratung im vorigen Jahre (Jahrbuch 1900) verfocht Abg. Viel haben auch jetzt in mehreren sehr eingehenden Reden die Forderungen der Landwirte und Fleischer. Er wies darauf hin, in welchem Umfange die amerikanischen Fabrikanten das Fleisch verfälschten und nach regelrechten Schmalzverfälschungsrezepten arbeiteten *8); wie infolgedessen sogar schon der nordamerikanische . Senat seinen Gewerbeausschuß beauftragt hätte, den Fälschungen nachzuforschen; wie Engländer und Spanier in den letzten Kriegen sich gezwungen gesehen hätten, den schlechten amerikanischen Fleisch - Proviant in ganzen Schiffsladungen über Bord zu werfen; wie außerdem auch noch nach statistischen Feststellungen 12 v. H. der amerikanischen Schweine trichinös seien.19) 17) Abgeordneter Bebel hatte einige Zeit Vorher ebenso wie auch andere Abgeordnete ein Dankschreiben vom Verbandstage der Friseure usw. erhalten, weil er für deren Sonntagsruhe int Reichstage eingetrcten war. Dieser Umstand war von der sozialdemokratischen Presse dazu benutzt worden, es so darzustellen, als ob nur Bebel ein solches Schreiben zugegangen sei, und die Absender ohne weiteres als Parteigenossen für sich in Anspruch zu nehmen. Abgeordneter Raab nahm deshalb die Gelegenheit wahr, dies gleich mit richtig zu stellen. 18) Er legte zum Beweise dafür ein Schmalzrezeptbuch vor, das Anweisungen darüber enthielt, wie auch die ekelhaftesten tierischen Substanzen noch vorteilhaft verwertet werden könnten, z. B. sogar krepierte und schon aufgedunsene Schweine, die der Vergifiungsgefahr halber nur mit Haken angefaßt werden dürften. Den von Gegnern erhobenen Einwand, dieses Buch sei schon veraltet, konnte er durch den Hinweis widerlegen, daß sein Inhalt noch' im Jahre 1898 wieder in der Fachzeitschrift „National Provisioner" veröffentlicht worden sei. 19) Als auch dies von gegnerischer Seite mit der Begründung bestritten wurde, man müßte dann doch viel mehr von Krankheiten infolge des Genusses von solchem Fleische hören, machte Abg. Vielhaben darauf aufmerksam, daß der starke Zusatz von Borax, den das amerikanische Fleisch erhalte (in Deutschland verboten!), es

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.