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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1901-01-01 · Die Thätigkeit der deutschsozial-reformerischen Abgeordneten im Reichstage während der Sitzungszeit 1899/1900. · p. Seite 63

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1901
Issue
Die Thätigkeit der deutschsozial-reformerischen Abgeordneten im Reichstage während der Sitzungszeit 1899/1900.
Date
1901-01-01
Page
Seite 63 (sequence 10)
Language
German
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— 63 — müsse, und für die Bahnkanzlisten, die nicht nur zu gering bezahlt würden, sondern auch in zwei Gehaltsklassen eingeteilt seien, deren obere viele ältere Kanzlisten nicht zu erreichen vermöchten. Auch 'die Gehaltsverhältnisse der Kaserneninspektoren bemängelte er wiederum. Für Beamte, die so angestrengten Dienst verrichten müßten, daß fie kaum jemals Urlaub nehmen könnten, sei ein Höchstgehalt von 3000 Mark nicht zu hoch. Die Verhältnisse und Bedürfnisse der Handwerker und Gewerbetreibenden wurden zu wiederholten Malen zur Sprache gebracht, besonders bei Beratung der Gewerbeordnungsnovelle und verschiedener Bittschriften aus diesen Kreisen. Am 28. Februar wies Abgeordneter Raab an der Hand von Etlichem Material^) nach, wie stark der Mittelstand, das „wesentlichste Fundament für den Bestand unseres Volkes", trotz aller gegnerischen Behauptungen zurückgeht, seitdem Warenhäuser und Konsumvereine immer mehr überhand nähmen und ihnen durch ihre angeblichen Vorzüge die Kundschaft entfremdeten. Wie es sich aber in Wirklichkeit mit diesen Vorzügen verhielte, konnte er, ebenfalls mit amtlichen Ziffern^) belegen: durchschnittlich besser oder billiger seien die Waren kaum jemals, wohl aber thatsächlich vielfach teurer oder nur scheinbar billiger, weil sie in geringeren Mengen oder minderwertiger Güte geliefert würden. Derselbe Abgeordnete empfahl den zwangsweise eingeführten Neunuhrladenschluß nicht nur im Interesse der Handlungsgehilfen, sondern auch in dem der kleinen Ladeninhaber, damit sie sich ausreichende Ruhe gönnen könnten, ohne Wettbewerb fürchten zu müssen. Ohne ihn müsse auch die für Angestellte notwendige Mindestruhezeit zu einer Bevorzugung der großen Warenhäuser führen, 15) Abgeordneter Raab berief sich auf folgende Feststellungen der zuständigen Behörden: In Chemnitz steigerte sich von 1886 bis 1896 das durchschnittliche Einkommen aller steuerpflichtigen Personen um etwa 40 v. H.; dagegen sank das durchschnittliche Einkommen der kleineren Gewerbetreibenden in den Jahren von 1891 bis 1896, also während dieses Zeitraumes, von 1757 auf 1718 Mark. In Hamburg gingen von 1890 bis 1899 die Anmeldungen zu neuen Gewerbebetrieben jährlich immer mehr zurück. Im Jahre 1890 wurden noch 7055 neue Geschäfte eröffnet, 1899 nur 5465. Besonders bemerkenswert war darunter der Rückgang einzelner Geschäftszweige: 1890 bis 1898 wurden durchschnittlich 177 Galanterüwarengeschäfte eröffnet, 1899 nur noch- 108. Weißwarengeschäfte 131 und nur 71, Kolonialwarengeschäfte 197 und nur 157, Buch- und Kunsthandlungen 90 und nur 61. Ferner bestanden 1886 in Hamburg 935 Kolonialwarengeschäfte. In den Jahren bis 1898, in denen die Bevölkerung um 40 vom Hundert zunahm, stiegen sie aber nur auf 1056, also nur um 13 v. H. Dagegen stieg die Zahl der Konkurse in Hamburg bedeutend, denn 1896 betrug sie 6190, im folgenden Jahre 6358, 1899 schon 6737. 16j Der Ausschuß der Hamburger Volksvertretung, der Bürgerschaft, ließ kurz vor der Rede Raabs die Preise von 45 der gangbarsten Lebensmittel feststellen, und zwar überall in der gleichen Marke und Güte. Dabei fand sich, daß bei 16 Warenarten die Konsumvereine ebenso teuer waren wie die Gewerbetreibenden, bei nur 4 billiger, bei 25 aber teurer! Bezeichnend für die Ausdehnung der Konsumvereine, die doch angeblich nur den minder Bemittelten zugute kommen, ist die vom Abgeordneten Raab ebenfalls angeführte Thatsache, daß beispielsweise der Altonaer Konsumverein auch mit Wein handelt, aber nur in Gebinden von mindestens 20 Flaschen, und Eintrittskarten zum Theater bis zum Preise von 6 Mark verkauft.

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