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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1901-01-01 · Die Thätigkeit der deutschsozial-reformerischen Abgeordneten im Reichstage während der Sitzungszeit 1899/1900. · p. Seite 60

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1901
Issue
Die Thätigkeit der deutschsozial-reformerischen Abgeordneten im Reichstage während der Sitzungszeit 1899/1900.
Date
1901-01-01
Page
Seite 60 (sequence 7)
Language
German
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60 Die Judenfrage konnte nur verhältnismäßig selten in die Erörterung gezogen werden. Der im vorigen Jahre in erster Lesung beratene Gesetzentwurf auf Verbot des Schlachtens ohne v orherige Betäubung (Jahrbuch 1900) kam nicht wieder auf die Tagesordnung, ebensowenig der andere Antrag unserer Fraktion auf Verbot der Einwanderung ausländischer Juden. > Den unheilvollen Einfluß einzelner „Großjuden" beleuchtete Abgeordneter von Liebermann in einer Rede zum Haushalt des Auswärtigen Amtes am 1. März. Unter Bezugnahme auf eidliche Zeugenaussagen in dem in Berlin verhandelten Prozesse Wolfs-Hirsch") kachle er zur Sprache, daß „nach einer geheimen Instruktion wichtige politische Nachrichten, die auf die Börse von Einfluß sein könnten, vor ihrer Veröffentlichung dem Hause Bleichröder vorzulegen seien" Die Folgen einer solchen ungeheuren Bevorzugung leuchteten wohl jedem ein. Die Firma Bleichröder fei doch schon dadurch im stände, jede wichtige Nachricht auf der Börse sofort für sich auszubeuten, ehe ste überhaupt jemand anderes erfahren könnte. Deshalb müffe er die eindringliche Bitte an das Auswärtige Amt stellen/ dieser Angelegenheit recht bald auf den Grund zu gehen und seine Stellung zu dem Bureau Wolff dementsprechend zu ändern. Den Einfluß des Judentums auf anderem Gebiete zeigte Abgeordneter Vielhaben bei Beratung des Fleischschaugesetzes am 8. März: Als der Gesetzentwurf bekannt wurde, blieb eine Zeitlang alles still. Da entdeckten auf einmal die Interessenten, haß es sich dabei wohl um einen Verlust an Geld handeln könnte. Und nun brach der Lärm dagegen los. Die amerikanischen Konservenfabrikanten und Fleischpacker, die fast ausnahmslos Juden sind, setzten sich mit ihren Verwandten und Stammesgenosfen, die sie in zahlreichen deutschen Großstädten hatten, in Verbindung, und gemeinsam brachten sie dann die gefügige Presse in Bewegung. So entstand urplötzlich in Nordamerika und gleichzeitig in Deutschland der gewaltige Entrüstungslärm gegen die angeblich ungeheuerliche Verteuerung des Fleisches zu Gunsten der Landwirtschaft. Gegen die wiederum in mehreren Fällen vorgekommene Aenderung jüdischer Familiennamen legte Abgeordneter von Liebermann entschiedene Verwahrung ein. Jede deutsche Familie habe ein ausschließliches Recht auf ihren guten Namen und brauche sich nicht gefallen zu lassen, daß irgend ein beliebiger Jude seinen ihm unbequemen Namen damit vertausche. Es sei also unbedingt Pflicht der maßgebenden Stellen, das endlich einmal den 'Regierungspräsidenten klar zu machen, die sich einfach darüber hinwegsetzten.12) n) Das Depeschenbureau Wolff, das auf Grund eines Vertrages mit der Regierung bei Beförderung der Depeschen stets zuerst bedient und vom Auswärtigen Amte zur Veröffentlichung halbamtlicher Nachrichten benutzt wird, hatte das Depeschenbureau Hirsch verklagt, weil es sich durch Vermittelung ungetreuer Angestellter Depeschen angeeignet hätte, die nur für Wolff bestimmt waren. Die obengenannten Aussagen wurden von zwei Zeugen abgegeben, einem Depeschen- Redakteur und dem Wölfischen Direktor Di. Mantler, der dessen wesentlichste Punkte bestätigen mußte. Die Firma Bleichröder besitzt einen erheblichen Teil der Aktien der Gesellschaft Bureau Wolff, ein Bleichröder ist auch Vorsitzender des Aufstchtsrates.; 12j Nachdem auch noch der Abgeordnete Werner den Unfug der jüdischen Namensänderungen am 14. Februar im preußischen Abgeordnetenhause zur Sprache gebracht hatte, erschien eine preußische Ministerialverordnung, die eine Aenderung des Familiennamens nur dann für zulässig erklärte, wenn ste der Minister ausdrücklich erlaubt, piie: Es wird nun abzuwarten sein, welche Grundsätze bei Behandlung jüdischer Namensänderungen im Ministerium künftighin befolgt Werdern

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