Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1901
- Issue
- Aus der Kille. Innerjüdisches Gemeindeleben und damit Zusammenhängendes.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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52 bad nehmen." Der Zettel geht mit der Bescheinigung der beiden Badefrauen an Maybaum zurück. Nun erfolgt die eigentliche Aufnahme im Rabbinatsfitzungszimmer in nachstehender Form: 1. Ansprache des Rabbiners über die Hauptunterschiede zwischen Judentum und Christentum mit besonderer Hervorhebung, daß die, Pflichten gegen die Angehörigen trotz des Uebertritts dieselben bleiben. 2. Frage.' „Sind Sie bereit?" — „Dann erheben Sie sich und sprechen das Glaubensbekenntnis!" — 3: Namengebung, Segen, Glückwunsch, Ausfertigung des Scheins. ' Talmud-Uebersetzung. Eine Frage betreffs derer die Schriftgelehrten der Kille sehr' verschiedener Meinung sind, ist die, ob eine Talmud-Uebersetzung nützlich oder schädlich, möglich oder unmöglich sei. Ein B. Jacobs Unterzeichneter Aufsatz in der „Welt" (1900 Nr. 15)-spricht aus:; „Mehr als je ist die Uebersetzung des Talmud heute eine dringende Notwendigkeit, da das Studium des Talmud in entschiedener Abnahme begriffen und die Befürchtung nicht von der Hand zu weisen ist, daß ihm keine Renaissance mehr erblühen wird. Wahr, leider nur allzu wahr sagt Erich Bischoff in seiner „Kritischen Geschichte der Talmud-Uebersetzungen aller Zeiten und Zungen" (Frankfurt a. M., I. Kaufmann 1899): „Mit der Verflachung der Theologie ging auch das Talmudstudium zurück, die seichte Aufklärung (bei Christen übrigens und Juden) vertrug sich mit dem „Meere des Talmud" nicht. Wo sind heute die Spezialprofessoren für Literatura talmudica? Ganze drei deutsche Universitätsprofessoren lesen heute noch ab und zu über den oder jenen Mischnah-Traktat, aber doch nur sozusagen im Nebenamte. Wie wenige Theologie-Studierende wissen etwas vom Talmud,, wie wenige christliche Gelehrte haben wohl einen ganzen Traktat durchgearbeitet? Wie wenige Juden auch, die in Deutschland geboren und erzogen sind, haben noch profunde Talmud-Kenntnis. Rußland, Galizien, Ungarn, Böhmen sind zumeist die Geburtsländer der noch vorhandenen jüdischen wirklichen Talmudisten, und wenn man die Arbeiten des jüngeren Nachwuchses ansieht, so bieten sie zumeist auch schon das Bild des Niederganges." „Bischoff kommt zu dem Resultate, daß wir eine allen wissenschaftlichen Forderungen genügende Uebersetzung noch nicht haben und füglich auch noch nicht haben können, weil die vornehmlichste Voraussetzung einer wissenschaftlichen Talmud-Uebersetzung, ein kritischer Text, fehlt." Bischoff schließt seine von Jacobs angeführte Schrift mit den Worten: „Wir stehen daher, trotz fast vierhundertjähriger Uebersetzungs-Bemühungen, erst am Beginn streng wissenschaftlicher Uebersetzungsarbeit. Nur auf deutschem Boden, durch eine Vereinigung deutscher Gelehrter zur Arbeit nach einheitlichem Plane ist die große Aufgabe lösbar. Die zu den Vorarbeiten, der Ausarbeitung und der Drucklegung etwa erforderliche eine Million Mark ist für das Reich eine Bagatelle. Schon oft ist der gleiche Betrag unnützlicheren Zwecken geopfert worden; hier würden die Kosten zum großen Teile durch den Verkauf des Werkes gedeckt werden. Vielleicht bringt das neue Jahrhundert die Erfüllung dieses nützlichen Wunsches. Oder wird ein Reicher das Reich beschämen durch eine Stiftung für wissenschaftliche Talmud- Uebersetzung? Möge es bald geschehen!" Wir können uns diesem Wunsche nur anschließen; es ist wirklich dringend notwendig, daß auch die nichtjüdische Welt endlich einmal genau erfährt, was eigentlich im Talmud geschrieben steht. Im Gegensatz zu den Ansichten des Zionisten-Blattes lesen wir in einer Besprechung der Uebersetzung des Traktates Kethuboth in der „Jüdischen Presse" 1900, Nr. 38: „Ueber die Frage, ob eine Uebersetzung des Talmuds, die auch nur halbwegs zu befriedigen vermöchte, überhaupt denkbar ist, soll hier nicht aufs Neue verhandelt werden. Wir haben schon vor mehr als einem Jahrzehnt unseren ablehnenden Standpunkt an dieser Stelle begründet, und die seitdem hier und da erschienenen Uebersetzungen einzelner Traktate oder Abschnitte haben unser Urteil auch in den Augen vieler früher Widerstrebenden gerechtfertigt."