Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1901
- Issue
- Aus der Kille. Innerjüdisches Gemeindeleben und damit Zusammenhängendes.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 51 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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51 merkwürdige Erscheinung zu verzeichnen, daß die Wahl der Vertretung des Judentums jenem Teile der Judenheit obliegt, der dem Judentum am wenigsten anhängt." „Die Welt", 1899, Nr. 4, bringt eine Korrespondenz aus Brünn, die die Nachricht enthält, Herr Jul. -R. von Gomperz stehe wieder an der Spitze des neugewählten Kultusvorstandes. „Er ist, wie bekannt, vielfacher Millionär und Großindustrieller, nebenbei Präsident der Brünner Handels- und Gewerbekammer, Landtagsabgeordneter, Herrenhausmitglied, selbstverständlich Verwaltungsrat etlicher Aktiengesellschaften, Brünner Gemeinderat u. s. w. Den Herren Wahlmachern jedoch scheint es nebensächlich zu sein, ob Herr Gomperz unter solchen Umständen genug Zeit findet, sich auch um Kultusangelegenheiten ein kleinwenig zu bekümmern. Von einer intensiven Betätigung kann bei ihm ohnehin keine Rede sein. Was kümmert denn diese Leute die notorische Gleichgiltigkeit, mit der Herr Gomperz alle jüdischen Kulmsangelegenheiten behandelt? Was kümmern sie sich darum, daß Herr Gomperz eine Sitzung nur in den äußersten Fällen besucht, in den Tempel auch dann nicht geht, wenn er es seinem Amte schuldig ist? Wahrlich, es gehört viel Mut, viel Verachtung der jüdischen Bevölkerung und ihres Willens dazu, einem Manne das Amt des Kultusvorstehers zu übertragen, der alles, nur kein Jude ist.' In der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" 1899, Nr. 20 heißt es ganz wehmütig: „Es mehrt sich der Abfall vom Judentum gerade in den Reihen der Studierten." Und in demselben Blatte wird beklagt, daß in Berlin W. die Mode aufkomme, jüdische Kinder taufen zu lassen. „Angeblich will man dem Sprößling Kränkungen wegen seiner angestammten Religion, an der er ja unschuldig sei, ersparen. Ob diese wohl wegen des Taufwassers allein ausbleiben? ... Wo vollständiger religiöser Jndifferentismus vorliegt, da können wir es allenfalls auch begreifen, wenn Eltern aus Bequemlichkeit im angestammten jüdischen Glauben verharren, da für sie kein stichhaltiger Grund zum Uebertritt vorliegt, ihren Kindern aber aus dem oben erwähnten Beweggründe die Segnungen der Staatsreligion zu teil werden lassen wollen. Wo aber dieser Schritt aus offenbarem inneren Widerstreben geschieht, da sollten sich doch jüdische Eltern lieber tausendmal die Frage vorlegen, ob zu einer Zeit, wo der christliche Staat durch Einführung des jüdischen Religionsunterrichts an fast allen höheren Lehranstalten wenigstens in gewiffer Hinsicht die Gleichberechtigung der jüdischen Religion anerkannt hat, eine Maßregel gerechtfertigt ist, die vom ethischen Standpunkt einer Herabwürdigung der eigenen Person gleichkommt, und deren materieller Preis noch dazu äußerst zweifelhaft ist." Uebertritt zum Judentum. Es kommen aber nicht nur Uebertritte von Juden zum Christentum, sondern auch, so unglaublich es klingen mag, umgekehrt Uebertritte von Deutschen zum Judentum vor. Diese sind zwar weit geringer an Zahl als jene; doch berichtete in der ersten Hauptversammlung liberaler Rabbiner Deutschlands am 25. Mai 1899 (Allgemeine Zeitung des Judentums 1899, Nr. 27) ein Herr Maybaum, er nehme in Berlin jährlich etwa 20 Frauen und 5 Männer (!) in das Judentum auf. „Er verlangt zunächst einen Austrittsschein vom Amtsgericht, in welchem aber die Absicht des Uebertritts zum Judentum nicht ausgedrückt zu sein braucht. Dann läßt er den Unterricht durch junge Theologen erteilen. Zehn bis zwölf Stunden genügen in der Regel um das Schema und die Grundsätze der Glaubenslehre einzuprägen. Sobald die Proselytin ein Zeugnis über den Unterricht beibringt, verabfolgt ihr Maybaum einen Zettel an die Verwaltung der Mikwa, *) der in hebräischer Schrift die Worte enthalt: „Fräulein N. N. soll ein Proselyteni) Mikwa — Reinigungs-Bad der Weiber. 4*