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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1901-01-01 · Aus der Kille. Innerjüdisches Gemeindeleben und damit Zusammenhängendes. · p. Seite 50

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1901
Issue
Aus der Kille. Innerjüdisches Gemeindeleben und damit Zusammenhängendes.
Date
1901-01-01
Page
Seite 50 (sequence 18)
Language
German
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50 Rechte zwingt der Staat seine nichtjüdischen Bürger ihre Kinder mit jüdischen Kinderm in dieselben Schulen zu schicken? Jüdisches Konsistorium. Unter den deutschen Juden macht sich eine Bewegung bemerkbar, — die bis jetzt Wohl noch in ihren ersten Anfängen ist — sich eine Instanz zu schaffen, die in den Angelegenheiten der Kille *) über den Rabbinern, steht. Es sind Juden liberaler Richtung, die auf diese Weise die orthodoxe Rabbinerherrschaft abschütteln möchten. In der „Allgemeinen Zeitung des Judentums", 1900,. Nr. 10 findet sich eine Korrespondenz, die bitter über das starre Testhalten der- Rabbiner an der Sabbatfeier klagt. Der Staat verbiete durch die sogenannte- Sonntagsruhe die Arbeit am ersten Wochentage; die Rabbiner, das alte jüdische Gesetz starr befolgend, die Thätigkeit am letzten Tage der Woche. Wie solle derr Jude in fünf Tagen seinen Unterhalt gewinnen, wozu ein anderer sechs Tage gebrauche? Daher komme es, daß heute kein Geschäft am Sabbat geschlossen seft während vor zehn Jahren nur wenige geöffnet gewesen seien. Der Gottesdienst, werde sehr wenig besucht. „Was bietet ein solcher Gottesdienst? Herzlich wenige für den empfindenden Menschen. Das Hebräische nimmt den ganzen Raum ein,, die Thora- und Hafta-Vorlesungen dauern so lange, daß man sich der Unter-" Haltung hingiebt." Der Jndifferentismus mache daher Riesenschritte. „Es wird im der That die höchste Zeit, daß stch die deutschen Juden auf sich selbst besinnen, denn, an allen Orten wird gekämpft (gegen die Rabbiner-Orthodoxie). Es fehlt unsnicht allein an einer zielbewußten Organisation, sondern es fehlt uns vor allem Dingen ein Konsistorium in Preußen. Glücklich ist das Großherzogtum Baden unk könnte so leicht als Vorbild dienen." In einer späteren Nummer derselben Wochenschrift (1900, Nr. 20) wird dieser Ansicht widersprochen. Ein Professor Deutsch meint in'einer Zuschrift, das sei nicht das rechte Wanzenmittel. „Hat uns die Komödie der französischen Notabelnversammlung mit dem aus ihr hervorgegangenen Synedrion nicht eines besseren belehrt? Beinahe ein Jahrhundert ist seither verflossen, aber Drumonts schmähliche Pamphlete finden reißenden Absatz. Dabei hat sich eine günstige Wirkung auf das innere Leben nicht gezeigt. Arthur Meyer und Madame Porges find durch das- Konsistorium nicht zu besserem Selbstbewußtsein erzogen worden. Man will ja auch, in Berlin staatlichen Zwang für den jü^schen Religionsunterricht erreichen. Er-- wartet man davon eine bessere Stellung des Judentums?" Abfall. In allen Rabbinerblättern wiederholen sich außerordentlich oft die Klagen über die Gleichgiltigkeit der jüdischen Religion gegenüber und über den. vielfachen Abfall vom Glauben der Väter. Oft wird gar beweglich darüber gejammert, daß sich beides gerade in den höher gestellten Kreisen am meisten zeige.. In der oben erwähnten Rede Marmorecks („Die Welt", 1898, Nr. 42) heißt esr „Die Vertreter des jüdischen Volkes sind doch nur eigentlich Vertreter eines kleinem Teiles desselben. Nur wer 10 Gulden Kultussteuer zahlt, ist für die Wahl der Vertretung der Judenschaft wahlberechtigt. So kommt es, daß von den 140000- Juden in Wien nur 12 000 stimmberechtigt sind, nur die in den besten gesellschaftlichen und finanziellen Verhältnissen lebenden. Und da es eine der traurigen Erscheinungen im Judentum ist, daß, wenn ein Jude zu einer gesellschaftlichen Stellung, oder Vermögen gelangt, er es dieser Stellung oder diesem Vermögen schuldig zm sein glaubt, wenn schon nicht das Judentum ganz abzuschütteln (was ja häufig, genug vorkomnu) so doch den geringsten Gebrauch davon zu machen — so ist dieser *) Kille —Gemeinde.

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