Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1901
- Issue
- Aus der Kille. Innerjüdisches Gemeindeleben und damit Zusammenhängendes.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 17)
- Language
- German
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49 Jüdische Sonderschulen. In Wien hat man-1898 angefangen, in diesem Sinne vorzugehen, indem beschlossen wurde, in den Volksschulen nach „Konfessionen" -getrennte Klassen einzuführen. Darob natürlich große Entrüstung bei den Juden. wurde eine Protestversammlung einberufen, in der scharfe Worte gegen derlei rückschrittliche Maßregelung der jüdischen Kinder-fielen, wodurch zu der bereits vorhandenen, verderblich wirkenden religiösen (!) Verhetzung geradezu erzogen werde. Aber es erhob sich gegen diese Auffassung ein sehr kräftiger Widerspruch aus der Versammlung heraus. Der Zionist Marmoreck legte dar (,;Die Welt", 1898,' Nr. 42): D>ie interkonfessionelle Volksschule sei schon längst nur'mehr ein leerer Schall, aber 3>ie Juden wollten die Fiktion nicht aufgeben, als ob sie noch bestände. >,Das christliche Volk will heute einmal von der interkonfessionellen (internationalen. D). Verf.) Schule nichts wissen. .-. . Nur nicht jüdisch! das ist das Losungswort. Man empfindet das Judesein förmlich als Schmach. . . . Ich und viele meiner Gesinnungsgenossen sind Gegner der konfessionellen Schule, wenn man darunter versteht, was man - richtig verstehen soll, der klerikal-antisemitischen Schule. Aber wenn man unter konfessioneller Schule eine Schule versteht, in der die -jüdischen Kinder von den christlichen oder richtiger arischen (bravo! D. Verf.) getrennt Pnd, also die nationale Schule, dann sehen wir darin nichts weniger, als ein Anglück, und um so weniger, als dies jedenfalls eine Besserung des durch den Be- .Zirksschulratserlaß geschaffenen Status bedeutet. Die gegenwärtig faktisch existierende, .wenn auch noch nicht gesetzliche konfessionelle Schule-bringt den Juden nur alle möglichen Unannehmlichkeiten. Die wirkliche sogenannte konfessionelle Schule aber würde wenigstens das Gute haben, daß an Stelle der gegenwärtig in den Juden- Llaffen beschäftigten, den Schülern übelgesinnten antisemitischen Lehrer, den Schülern wohlwollende Lehrer ihres eigenen Stammes treten würden." Auch in Deutschland besteht unter den Juden eine Strömung zu Gunsten jüdischer Volksschulen. Auf dem im Dezember 1898 zu Berlin tagenden „ersten Delegiertentage der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reich" wurde unter anderm mber die Verhältnisse der jüdischen Schulen verhandelt. Der Referent sprach aus („Allgemeine Zeitung des Judentums", 1899, Nr. 1): „In einigen Teilen des Vaterlandes wisse man die jüdischen Schulen sehr zu schätzen, in Ostelbien und auch in größeren Städten wolle man von ihnen nichts wissen. Für die Einrichtung eigener Volksschulen spreche die nicht unbegründete Befürchtung, daß die jüdischen -Kinder in großem Umfange religiösen Gefahren ausgesetzt seien. Fast der ganze Anterrichtsstoff diene der Pflege der christlich-religiösen Ausbildung. In der einklassigen Schule sei selbst die Dispensation vom christlichen Religionsunterricht micht durchzuführen. In den höheren Schulen sei der konfessionelle Charakter nicht so sehr ausgeprägt; in der jüdischen Volksschule aber stehe der Religionsunterricht im Mittelpunkt des gesamten Unterrichts. Eine weitere Gefahr bestehe darin, daß die Kinder, da sie in christlichen Schulen nicht an Sabbaten vom Anterricht dispensiert werden, nicht am öffentlichen Gottesdienst teilnehmen können. Alle diese Gefahren ließen sich durch die Errichtung eigener Volksschulen .beseitigen." In der „Israelitischen Wochenschrift" 1899 Nr. 36 wird mit großem Bedauern berichtet, daß in Laasphe eine jüdische Schule aufgelöst sei, die jüdischen Kinder der evangelischen Schule zugewiesen seien. Es wird von dem Einsender die Frage aufgeworfen: „Mit welchem Recht kann die Regierung beziehungsweise der Minister die evangelische Gemeinde veranlassen, die jüdische Schule zu übernehmen?" Dem können wir nur zustimmen und wir ergänzen die Frage durch den Zusatz: Mit welchem