Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1901
- Issue
- Aus der Kille. Innerjüdisches Gemeindeleben und damit Zusammenhängendes.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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45 ventionieren, und die „Ausgeschiedenen" sparen noch die Steuern zur Gemeinde — denn innerhalb ihrer sogenannten Gemeinden haben sie gar kein Besteuerungsrecht! — und was etwa noch mangelt, das gewinnt man aus der Synagoge, deren Plätze man gerne gegen gutes Geld an jeden abgiebt, der sich melden will. Der Zuzug aus dem Osten, auf den der Name der Orthodoxie faszinierend - wirkt, sorgt für Rekruten, die „sammelnde" Geschäftigkeit bringt Kontributionen, und am Ende aller Enden wird Vorkehrung getroffen, daß der Ruhm der „opferwilligen Frömmigkeit" nach Rußland dringt und dort die Beutel mehr noch als die Herzen öffnet. Diese Beutelzüge nach dem Osten sind regelmäßig angetreten worden und ertraglos sind sie nie gewesen." Die „Jüdische Presse" (1900, Nr. 7) des edlen Hirsch Hildesheimer stellt sich dagegen auf die Seite der Ausgeschiedenen und sucht ihr Verhalten zu rechtfertigen: „Es ist tieftraurig, daß all die trüben Erfahrungen, die das Judentum in seiner eigenen Mitte hat machen müssen, daß die Gefahren, welche von außen seinen Bestand bedrohen, sich noch immer nicht überall stark genug erweisen, um die Schürung der inneren Gegensätze zu verhindern und die neuerungssüchtigen Bestrebungen niederzuhalten. Das kann doch auch der begeistertste Wortführer der Orgel nicht bestreiten, daß durch sie der Unfrieden und die Zersetzung in die Gemeinden hineingetragen wurden; hat ihre Einführung etwa den mit diesem alleinseligmachenden Erbauungsmittel Beglückten die Achtung der nichtjüdischen Welt eingebracht?" Herr Hildesheimer sagt dann über den Anlaß zu der Spaltung: „Das Einzige, was sie (die „Gesetzestreuen") — borriblls äietu! — zu fordern die ungeheure Anmaßung hatten, war die Unterstellung der Schechitah*) (wie immer wieder betont sei: auch diese nur soweit sie ihren eigenen Bedarf betrifft) unter die Beaufsichtigung des Mannes ihres Vertrauens und der Gewährung eines Zuschusses zu den damit verbundenen Kosten — nichts sonst! Dieses, wie man zugeben wird, riesenhafte Zugeständnis schien den Verwaltungs-Kollegien mit der Würde der Gemeinde unvereinbar, so wenig vereinbar, daß seine Verweigerung ihnen mit einer Verkümmerung der Rechtsgleichheit aller Gemeinde-Zugehörigen, ja, mit einer Sprengung der Gemeinde-Einheit zu teuer nicht erkauft galt." Herr Klausner fährt nun in seinem Blatte („Israelitische Wochenschrift", 1900, Nr. 8) höchst unwirsch auf den Verteidiger der Königsberger Trennung los: „In dem Berliner Organ der patentierten Orthodoxie — das Patent hat sie sich selbst ausgestellt — wird das Königsberger Schisma mit Eifer verteidigt. Das ist nur natürlich, denn diese Verteidigung gilt den eigenen Mauern zugleich. Man ckann für Königsberg nicht tadeln, was man für Berlin gut gefunden hat. Nicht ebenso natürlich — im objektiven Sinne — ist es, daß bei der Verteidigung die Wahrheit Schiffbruch leidet, die Vorgänge falsch dargestellt werden den Aussagen entgegen, die die Königsberger Schismatiker selbst in ihrer Flugschrift gemacht Haben." Und weiterhin bekommt sein Gegner folgende Schmeicheleien zu hören: „Ich bin zu oft in der Lage gewesen, den Widerstreit zwischen der Wahrheit und den Behauptungen des Herrn vr. Hirsch-Hildesheimer festzustellen, als daß die Versicherung bieses Herrn, irgend etwas sei nicht wahr, für mich beweisende Kraft hätte." Herr Klausner ist ein Freund drastischer, um nicht zu sagen klobiger Ausbrücke. In seiner Verteidigung der Königsberger Gemeinde-Behörden sagt er: „Sie haben sich redlich bemüht, die 25 Deklaranten vom Austritt zurückzuhalten. Dafür Opfer zu bringen, waren sie bereit. Aber die A. I. (Adas-Jisroel. Der Verf.) *) Schechitah — Schächten.