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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1901-01-01 · Aus der Kille. Innerjüdisches Gemeindeleben und damit Zusammenhängendes. · p. Seite 42

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1901
Issue
Aus der Kille. Innerjüdisches Gemeindeleben und damit Zusammenhängendes.
Date
1901-01-01
Page
Seite 42 (sequence 10)
Language
German
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42 Diel Witz und Eifer aufgeboten werden muß, damit die Dinge auf dem alten .Fleck bleiben." So merkwürdige Verschleppungen ereignen sich nicht nur bei den Rabbinerwahlen; ähnliche Schwierigkeiten erheben sich manchmal auch bei den Kantorenwahlen. Wir lesen darüber a. a. O.: „Die Stimmbegabten sind schütter gesäet, und nicht alle Stimmbegabten haben die erforderlichen sonstigen Qualifikationen. Zwar über das Maß des Erforderlichen kann man recht verschiedener Meinung sein; die Ansprüche wechseln, nicht bloß von Person zu Person, sondern sogar bei demselben Manne, je nachdem eine süße Stimme sein Gewissen eingeschläfert oder ein rauher Ton es zu voller Empfindlichkeit geweckt hat. Glücklicherweise bestimmen die Gemeindestatuien, daß vor der Wahl eines Chasen über diesen das Rabbinat zu hören ist. Vom Rabbinat ist anzunehmen, daß es sich nicht durch den Wohllaut einer Stimme bestechen lasse, sondern den anzustellenden Kultusbeamten auf seine Würdigkeit prüfe, die das Religionsgesetz und nicht minder der bloße Anstand verlangt. Die Berliner Gemeinde bedarf eines Chasen.' Es fanden sich Bewerber genug, und unter diesen war einer, der nach der musikalischen Seite allen Anforderungen genügte. Das Uebrige — man erzählte so mancherlei — lag jedenfalls nicht „glatt koscher". Der Betreffende hat u. a. bis vor zwei Jahren eingestandenermaßen die Speisegesetze nicht beobachtet, ist eine Mischehe eingegangen und hat sich damit begnügt, daß seine Ehehälfte durch einen Beamten der Reformgemeinde unter Erlaß der Zeremonien in den Bund Israels ausgenommen wurde, hat auch sonst noch einige Unregelmäßigkeiten auf dem Kerbholz, die seiner bürgerlichen Ehrbarkeit keinen Eintrag thun, es aber begreiflich erscheinen lassen, wenn man seine Person mit dem Theater lieber als mit der Synagoge in Verbindung sieht. Das Rabbinat prüfte und lehnte natürlich den Bewerber als ungeeignet ab. In der Begründung wurde wohl nicht alles gesagt, wurde nicht der Punkt aufs i gesetzt. Der referierende Rabbiner begnügte sich rücksichtsvoll, nur den die Speisegesetze betreffenden Punkt zu betonen. Diese Rücksichtnahme ist ihm arg verdacht worden. Der Vorstand meinte: das Rabbinat habe sich überhaupt nicht um Dinge zu kümmern, die auch ein Laie beurteilen könne; seine Aufgabe bestehe^lediglich in der Prüfung der Kenntnisse des Bewerbers, ob dieser korrekt leinen könne, das Hebräische korrekt ausspreche, das nötige liturgische Wissen besitze.. Außerdem schrieben die Gemeindestatuten wohl vor, das Rabbinat zu hören, nicht aber schrieben sie vor, dem Rabbinat zu gehorchen, feinem Gutachten sich zu fügen. Daß der Bewerber bis vor zwei Jahren trefe gegessen, störe ihn, den Vorstand nicht. . . . Der Mehrheitsbeschluß des Vorstandes ging dahin, der Repräsentantenversammlung die Ernennung des mit dem Disqualifikationsattest des Rabbinats ausgestatteten Mannes zum Chasen zn empfehlen. In der vorgestrigen geheimen Sitzung der Nepräsentantenversammlung wurde dieser Vorschlag des Vorstandes nicht gutgeheißen. Die Wahl wurde beanstandet, das Rabbinat soll nochmals befragt und um ein, ausführlicheres Gutachten ersucht werden." In einer späteren Nummer derselben Zeitschrift (42) finden sich folgende, für die Art und Weise des jüdischen Gottesdienstes sehr bezeichnende Sätze: „Nachdem gestern das Vorstandsmitglied Herr Isaak begraben worden, entbehrt die hiesige (Berliner) jüdische Gemeinde des Row und des Chasen, des Parnes und des Schammes, und es wird schwer zu entscheiden sein, welcher Mangel am schmerzlichsten empfunden wird. In fünf großen Synagogen mit vier Rabbinern auszukommen, hat man sich allmählich gewöhnt, zur Not kann sich die Gemeinde mit sechs statt der worgeschriebenen sieben Vorstandsmitglieder genügen lassen. Der fehlende Chasen

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