Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1901
- Issue
- Aus der Kille. Innerjüdisches Gemeindeleben und damit Zusammenhängendes.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 41 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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41 von einem Kenner der Verhältnisse höchst wahrscheinlich zutreffend geschildert! D. Vers.) . . . . Die Kultusbeamten müssen noch mehr Selbstbeherrschung besitzen, als die Nationalliberalen. Diese wurden an die Wand gedrückt und dursten wenigstensquietschen; der Kultusbeamte wird an die Wand gedrückt, ja er wird zuweilen getreten, aber quietschen darf er nicht, er darf nicht mucksen bei Strafe der Brotlosigkeit.". .... „Unsere Glaubensgenossen von heute räumen einem andern Glaubensgenossen nur dann eine Stellung ein, wenn er zum mindestens über eins der folgenden drer Momente verfügt: erstens Geld, zweitens Titel, drittens eine angesehene Stellung in nichtjüdischen Kreisen. Nun, Geld hat den Kultusbeamte nicht, das giebt ihm also keine Stellung; Titel? das Prädikat Kantor — oder auch Oberkantor — diskreditiert nur. Es bleibt nur das Dritte übrig, und das ist wirklich ein probates Mittel. Denn vor niemandem haben unsere Glaubensgenossen einen so ungeheuren Respekt, wie vor denen, die in besseren nichtjüdischer Gesellschaft verkehren. Und in dieser Gesellschaft sich Eingang zn schaffen, fällt einem einigermaßen gebildeten Beamten tatsächlich gar nicht schwer- Diesen Weg haben auch viele Kollegen betreten und dadurch ihre ganze Position innerhalb der Gemeinde mit oder gegen den Willen der maßgebenden Kreise befestigt und gesichert." Diese Schilderung, mag sie auch hie und da die Farben etwas dick auftragen, scheint uns im allgemeinen doch der Wahrheit zu entsprechen. Soweit Win Juden haben beobachten können, schien wirklich ihr Respekt vor Schächtern und Rabbinern recht gering zu sein. — Daß die Juden vor nichts Anderem eine so unbegrenzte Hochachtung haben, als vor dem Geldbesitzer, ist eine unleugbare Thatsache. Nicht weniger ist es bekannt, daß jeder Jude, dem es glückt, in höheren. Kreisen zu verkehren, von seinen SLammesgenossen mit außerordentlicher Wertschätzung beehrt wird. Zwar prahlen Juden und Judengenossen gern mit ihrem Männerstolz vor Königsthronen; zwar versteigt sich wohl auch ein Jude in seiner angeborenen Frechheit bei gegebener Gelegenheit zu einer Unverschämtheit und Taktlosigkeit, wie dereinst Jakoby gegenüber Friedrich Wilhelm IV. Aber in gewöhnlichen Zeitläuften schmachtet die Mehrzahl der Juden geradezu nach Beachtung vorr hoher Stelle, nach Auszeichnung durch Titel und Orden. Es ist ergötzlich daraufhin. die Rabbinerblätter anzusehen. Erhält irgendwo in Europa ein jüdischer Rechtsanwalt den Titel Justizrat oder dergleichen, bekommt ein jüdischer Finanzmann den Orden eines exotischen Duodezstaates, nimmt ein hoher Beamter, eine hochgeborene Persönlichkeit an der Einweihung einer Synagoge teil, spricht ein Fürst mit einem Rabbiner ein freundliches Wort — sofort wird das große Ereignis mit Wonne berichtet, nach Umständen aufgebauscht, durch frei erfundene Zusätze ausgeschmückt und' wenn nötig zu Gunsten der Juden verdreht. — Das nebenbei. Wie wenig manchen Gemeinden daran gelegen ist, einen Geistlichen zu erlangen, das zeigt sehr deutlich der Verlauf der letzten Rabbinerwahl in Berlin. Im Juni 1899 schrieb die „Israelitische Wochenschrift" (Nr. 25) darüber ganz erbost: „Nachdem die Repräsentanten in die Sommerferien gegangen, ohne eine Rabbinerwahl vorgenommen zu haben, bleibt die Erledigung dieser Angelegenheit wieder aufeinige Monate vertagt. Vorausgesetzt, daß sie nach den Ferien ihren endgiltigen Abschluß findet, wird sie dann gerade vier volle Jahre in Anspruch genommen und ein schwer bestreitbares Anrecht darauf gewonnen haben, gut zu werden. Dem Außenstehenden ist es nicht leicht verständlich zu machen, wie viele Arbeit nötig ist,, damit nichts zustande komme, wie viel Schweiß es kostet, daß nichts geschehe, wie