Mannheim
Compact Memory

Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1901-01-01 · Aus der Kille. Innerjüdisches Gemeindeleben und damit Zusammenhängendes. · p. Seite 38

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1901
Issue
Aus der Kille. Innerjüdisches Gemeindeleben und damit Zusammenhängendes.
Date
1901-01-01
Page
Seite 38 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/9038025-9038028-423318--298-185271
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

38 Ein Herr Rahmer berichtet: Seit einigen Jahren besteht in seiner Religionsschule eine bestimmte Vorbereitungsstunde für die Einsegnung. Der Barmizwatag wird beibehalten und die Knaben legen in der Synagoge — das Gesicht der Gemeinde zugewendet — ein deutsches Glaubensbekenntnis ab. Bei der Abstimmung wird der Antrag Vogelsteins mit einem Amendement Rahmer „Ansprache des Rabbiners mit deutschem Glaubensbekenntnis der Knaben" angenommen. — Man sieht, daß die liberalen Rabbiner sich in der That bemüht haben, unsere Konfirmation in möglichst ähnlicher Weise in die Synagoge eiuzuführen. Orgelfrage. Bereits im vorjährigen Jahrbuche wiesen wir darauf hin, eine wie große Rolle bei den Juden die Frage spielt: soll es in den Synagogen Orgeln geben oder nicht? Während die Liberalen den Gesang durch Orgelbegleitung zu verschönern streben, kämpfen die Konservativen gegen diese Neuerung mit einer Erbitterung, als hinge die ganze jüdische Religion davon ab, daß die Synagogen ohne Orgel bleiben. Sehr bezeichnend ist folgende Korrespondenz in der „Israelitischen Wochenschrift" (1899 Nr. 24): „Auf unsere Bemerkung über die wunderliche Bewerbung des Herrn Or. David aus Düsseldorf um die Stelle eines konservativen Berliner Rabbiners, teilt uns der Vorstand der jüdischen Gemeinde in Düsseldorf — natürlich ganz spontan — mit, daß Herr Or. David zum größten Bedauern des Vorstandes und bloß deshalb aus seinem Düsseldorfer Wirkungskreis zu scheiden sich entschlossen habe, weil man in Düsseldorf „mit dem Plan umgeht, eine Orgel in den Gottesdienst einzusühren, und er wegen seines konservativen Standpunktes dieser Neuerung seine Zustimmung nicht geben will". Der Vorstand fügt hinzu, daß er es mit Freuden begrüßen würde, wenn Herr vr. David sich entschließen könnte, „sein erwähntes Bedenken fallen zu lassen und auch nach Einführung der Orgel uns seine Dienste zu weihen". ... Es ist vielleicht für weitere Kreise von Interesse, daß schon wiederholt Fälle vorgekommen find, in denen der „Plan" der Einführung einer Orgel in den Gottesdienst die freundschaftliche Trennung einer Gemeinde von ihrem Rabbiner in den gefälligsten Formen vorbereitete." Freier Shnagogenbesuch. Es ist in den Berliner Synagogen gebräuchlich, die Plätze zu vermieten. Da aus diesem Grunde vielen ärmeren Gemeinde-Mitgliedern die Synagogen so gut wie ganz verschlossen sind, regte sich eine Anzahl von Männern, um diesem Uebelstande abzuhelfen. Im Dezember 1899 (s. „Israelitische Wochenschrift", 1899, Nr. 52) fand in der Repräsentanten - Versammlung der Berliner jüdischen Gemeinde eine Verhandlung über den Antrag des Professors Lewin (Mediziner, Professor an der Universität) statt, der die Forderung enthielt, im kommenden Jahre sollten in jeder Synagoge 200 Plätze, in den übrigen Gotteshäusern je 100 Plätze nicht vermietet, sondern den Gemeindemitgliedern unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden. Der Referent, Herr L. Sachs, glaubt, „daß der Wunsch des Antragstellers wohl allgemein geteilt werde. Zur Durchführung völlig unentgeltlichen Gottesdienstes aber würden weder die Schätze der Berliner Gemeinde (!), noch die vieler anderer großen Gemeinden ausreichen. (Das ist eine wunderliche Uebertreibung. Die Redaktion.) Deswegen habe der Antragsteller wohl selbst sich die Beschränkung auf bestimmte Zahlen auferlegt. Er sei der Ansicht, daß der Antrag für die Gemeinde nicht annehmbar sei. Aus seiner zwanzigjährigen Erfahrung könne er berichten, daß unausgesetzt die größten Schwierigkeiten beständen, den Wünschen der Steuerzahler bei Anweisung der Plätze Rechnung zu tragen. Jetzt, sollen die Schwierigkeiten noch vermehrt werden, indem man 1700 bis 1800 Plätze denen fortnehme, die sie zur Zeit inne hätten. Man müsse Mittel finden, die das.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.