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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1901-01-01 · Aus der Kille. Innerjüdisches Gemeindeleben und damit Zusammenhängendes. · p. Seite 37

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1901
Issue
Aus der Kille. Innerjüdisches Gemeindeleben und damit Zusammenhängendes.
Date
1901-01-01
Page
Seite 37 (sequence 5)
Language
German
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37 dienst sehr unzweckmäßig sei. Sie wünscht daher, daß mit Ausnahme des Schma- und Kaddisch-Gebetes alle Gebete ins Französische übersetzt werden und daß alle die Gebete, deren Inhalt nicht mehr mit unseren Ansichten in Einklang stehen (gehört dazu auch das Kol-nidre-Gebet? Anmerkung d. Vers.) gestrichen werden. Barmizwa. Orthodoxe und liberale Juden stehen einander auch in der Frage der Barmizwa — einer Art jüdischer Konfirmation — schroff gegenüber. In der orthodoxen „Israelitischen Wochenschrift" (1899,Nr. 22)findet sich eine Korrespondenz aus Berlin: „Hier und anderwärts ist der Brauch eingeführt, die jungen Mädchen zu „konfirmieren". Daß hier fremder Brauch nachgeahmt wird, ist offenbar. Wir haben für solche Nachahmungen nichts übrig, sie sind uns unsympathisch. Doch der Brauch ist. da, und wir erkennen an, daß Gutes mit ihm verknüpft ist: der voraufgehende Religionsunterricht, auf den wir großen Wert legen. Der Wert wäre größer, ohne die abschließende geräuschvolle Feier, weil diese zu leicht Selbstzweck wird. In diesem Falle aber hat die Feier nur einen dekorativen Charakter, bleibt ihr die innere Einwirkung auf das Gemüt versagt. Die Konfirmationspredigten verhallen ohne sich dem Herzen und dem Geist der Hörerinnen einzuprägen. Daran tragen nicht die Prediger Schuld, die thun, was in ihren Kräften steht, daran trägt das Haus Schuld, das den Kindern kein religiöses Leben zeigt und vor ihren Augen — um ein treffendes Wort des Herrn Rabbiner Or. Maybaum zu gebrauchen — dem „verfeinerten Götzendienst" eines angeblich „aufgeklärten" Materialismus huldigt, den in seiner gröberen Form unsere Vorfahren überwunden haben. Der der weiblichen Jugend erteilte Religionsunterricht ist gut, aber er ist nicht ausreichend. Da er der häuslichen Unterstützung vielfach ermangelt, müßte ihm vermehrte Sorgfalt zugewendet, mehr Zeit gewidmet werden. Sonst könnte es unseren konfirmierenden Rabbinern recht oft begegnen, daß sie ihre Zöglinge nicht lange nach erteilter „Konfirmation" am Taufbecken wiederfinden." Ganz anders klang es auf der ersten Hauptversammlung der liberalen. Rabbiner Deutschlands im Mai 1899. Dort referierte ein Herr Vogelstein über die zeitgemäße Umgestaltung der Barmizwa-Feier („Allgemeine Zeitung des Judentums", 1899, Nr. 27): „Es sei allgemein anerkannt, daß die heutige Form nicht genüge, zumal die diesbezüglichen Einrichtungen der Gemeinden eine bunte Verschiedenheit aufwiesen. Bemühungen, auch die Knaben nach Art der Mädchenkonfirmationen einzusegnen, seien gescheitert. Redner befürwortet die Einführung einer Ansprache des Rabbiners am Barmizwatage, damit Eltern und Kinder die Erinnerung an eine weihevolle Stunde mitnehmen. Die Ansprache soll nur wenige Minuten dauern, damit die unbeteiligten Gemeindemitglieder nicht ermüden und der Gottesdienst nicht zu sehr in die Länge gezogen werde. Redner empfiehlt, ein Rundschreiben an alle liberalen Rabbiner Deutschlands zu senden und sie um Berücksichtigung seines Vorschlages zu bitten. — Maybaum tritt den Ausführungen Vogelsteins entgegen, indem er die Möglichkeit der Durchführung seines Vorschlages bezweifelt. Das Berliner Rabbinat hat bereits im negativen Sinne entschieden- Wenn eine Ansprache in kleineren Gemeinden möglich ist, weil der Rabbiner den Barmizwa persönlich kennt, so fällt in Berlin, wo an jedem Sabbat acht bis zehn Knaben eingesegnet werden, diese Möglichkeit fort; hier genügt der seit vielen Jahren eingeführte, vom Rabbiner gespendete Segensspruch, weil er alles zu Sagende enthält. Zudem würde eine besondere Ansprache allsabbatlich vor der eigentlichen Predigt die Arbeitskraft des Rabbiners absorbieren. Auf eine textgemäße Rede sei auch schon deshalb zu verzichten, weil die Knaben zu wenig Hebräisch verstehen."

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