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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1901-01-01 · Aus der Kille. Innerjüdisches Gemeindeleben und damit Zusammenhängendes. · p. Seite 36

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1901
Issue
Aus der Kille. Innerjüdisches Gemeindeleben und damit Zusammenhängendes.
Date
1901-01-01
Page
Seite 36 (sequence 4)
Language
German
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36 Gebete mit vollem Verständnis übersetzen und zwar nicht bloß einzelne Wörter, sondern ganze Gebetstücke?" Ein orthodoxer badischer Rabbiner veröffentlichte in der „Jüdischen Presse" (1900, Nr. 20) einen erboßten Artikel gegen diese Enquete. „Ueberhaupt muß der Gedanke einer solchen Umfrage als gänzlich verfehlt bezeichnet werden, wo es sich im wesentlichen um Empfindungen handelt. (Es war z. B. auch gefragt: Welchen Eindruck macht auf Sie die Thoravorlesung, der Gottesdienst am Pessach, Wochenfest und Hüttenfest? u. s. w. Anm. d. Verf.) Unsere Gebete sind das Werk der größten Männer unseres Volkes, sie sind sowohl ihrem Wesen wie ihrer Form nach aufs Innigste verbunden mit dem geistigen Inhalt des Judentums, sie sind der Ausdruck dessen, was der von seiner Religion erfüllte Jude empfinden soll und empfindet, wenn er aus dem Getriebe des Lebens heraus- und seinem Gotte gegenübertritt, und diese Gebete, die in ihrer Einfachheit und Erhabenheit ein unschätzbares Kleinod bilden, sollen nach den Empfindungen der Durchschnittsmenschen unserer Zeit umgewandelt werden, sollen sich nach dem Eindruck richten, den sie auf Leute machen, die gewöhnlich bei ihrem ausschließlich auf das Materielle gerichteten Streben für derartige Dinge überhaupt nur ein minimales Verständnis besitzen. Und wodurch sollen diese überlieferten Gebete ersetzt werden? Jedenfalls durch Uebersetzungen. Aber abgesehen davon, daß eine treue und doch dem deutschen Sprach-, idiom sich anpassende Uebersetzung gerade bei den hebräischen Gebeten außerordentlich schwierig ist, zeigen uns die Proben deutscher Gebete, welche moderne Gebet- und Erbauungsbücher uns bieten, zur Genüge, was von derartigen Elaboraten zu erwarten ist." ' Dem nörgelnden Rabbiner antwortet in der (liberalen) „Allgemeinen Zeitung des Judentums", 1900, Nr. 23 der Geheime Regierungsrat Dr. Mayer aus Karlsruhe sehr unwirsch. Er stellt vor der breitesten Oeffentlichkeit fest, „daß der Verfasser des Artikels, soweit nach diesem zu urteilen gestattet ist, entweder des Verständnisses auch der klar st en Dinge ermangelt, oder von demselben einen schlechten Gebrauch macht.;.. In der Vorbemerkung zu den Fragebogen heißt es wörtlich: „Man betrachtet es als höchst wahrscheinlich, daß es um dieses Verständnis für die hebräischen Bestandteile des Gottesdienstes schon wenige Jahre nach Beendigung des hebräischen Unterrichts nicht gut bestellt ist. Es ist jedoch von großer Wichtigkeit, dies durch eine auf Personen jeden Alters und Standes sich erstreckende Enquete darzuthun. . . Wenn in der That, wie es den Anschein hat, das Verständnis der Erwachsenen für das Hebräische im Gottesdienst ziemlich allgemein ein geringes ist, so muß dies dem grobherzoglichen Oberrat vermehrten Anlaß bieten, durch Verbesserung der Methode für den Unterricht im Hebräischen, sowie durch Maßnahmen, die auf Ermöglichung eines besseren Verständniffes der hebräischen Liturgien im Gottesdienste selbst abzielen. Abhilfe zu schaffen." „Also durch die Erhebung soll festgestellt werden, ob die Auffassung des Oberrates, daß der Unterricht im Hebräischen wesentlicher Verbesserung bedürfe, und daß auch im Gottesdienst selbst für ein besseres Verständnis der hebräischen Liturgien etwas geschehen müsse, in den Thatsachen begründet sei." Daß die Gebetbuch-Frage die Repräsentanten der Berliner jüdischen Gemeinde beschäftigt hat, erwähnten wir bereits im Jahrbuche für 1900. Wir erfahren aus der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" (1900, Nr. 34), daß derselbe Gegenstand den Juden in Paris gleiche Sorgen macht. Die dort bestehende Union liberale israölito beklagt in ihrem Reformprogramm den ausschließlichen Gebrauch der hebräischen Sprache, die nur von einer „großen Minderheit" verstanden werde und darum für.einen Erbauungsgottes-

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