Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1901
- Issue
- Beiträge zu einer Geschichte der Juden in Spanien und Portugal.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 30)
- Language
- German
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30 daß die Inquisition sie angreifen dürste. Dieses bedenkliche Anerbieten hatte König Johann von der Hand gewiesen. Nun machte ihnen der Erzbischof (aus freien Stücken) dasselbe Anerbieten, ja er versprach ihnen sogar (in des Königs von Spanien Namen) eine öffentliche Synagoge im Reiche, wenn sie sich an der Verschwörung beteiligen wollten.^) Am 5. August 1641 sollten die Juden den königlichen Palast an allen vier Ecken anzünden, auch in der Stadt an verschiedenen Stellen Feuer anlegen, damit das Volk etwas zu thun hätte. Dann sollten die Verschworenen den Palast angreifen, den König erstechen u. s. w. Allein die Verschwörung wurde entdeckt und die Häupter derselben schwer — zum Teil mit dem Tode — bestraft; von einer Bestrafung der Juden wird wenig erzählt. Einige sollen verbrannt, einige gehängt, einige zur Galeerenstrafe verurteilt worden sein.— Der letzte Jude wurde 1739 in Lissabon verbrannt, nachdem alle, die .nicht ausgewandert waren, hatten das Christentum annehmen müssen. Aber noch immer feierten die „Neuchristen" heimlich die jüdischen Hauptfeste, namentlich den Versöhnungstag, und lasen jüdische Gebete (mit Vorliebe wahrscheinlich das Kol-Nidre), und „heiraten noch jetzt meist untereinander", sagt Kayserling II, 335. Schluß. Trotz aller blutigen Verfolgungen in Spanien und Portugal haben, die Juden immer wieder Versuche gemacht, dorthin zurückzukommen; die Reichtümer, die sie aus dem Handel gewannen, und andere Vorteile überwogen alle Bedenken und alle Drangsale. Das läßt sich erklären, wenn man an den Handel der Königreiche mit ihren Kolonien denkt. So schickten z. B. im Jahre 1673 die Juden aus der Levante Gesandte an den portugiesischen Hof, mit dem Anerbieten, sie wollten 30 Fregatten auf ihre Kosten erbauen und zwei Millionen zu deren Unterhaltung geben, wenn man ihnen den Aufenthalt in der Nähe von Lissabon und freie Religionsübung gestatten wollte. Ungefähr um dieselbe Zeit boten hier die getauften Juden 500 000 Krusaden, wenn man sie vor der Inquisition schützen und ihnen Gewissensfreiheit (!) gestatten wollte, — alles vergebens. Das Anerbieten hätte beinahe einen Aufstand in Lissabon hervorgerufen, „denn leine Nation haßt die Juden mehr als die Portugiesen" — sagt ein zeitgenössischer Schriftsteller. Ebenso vergebens waren ihre Bemühungen, wieder nach Spanien zurückzukommen. An Carl V. (1516—1558) schickten die getauften Juden Gesandte mit der Bitte, ihnen Gewissensfreiheit (!) zu verstatten; die Gesandten überbrachten gleichzeitig 800 000 Gulden. Carl war geneigt, auf den Handel einzugehen, aber der Kardinal Ximenes wußte ihm das auszureden, und so wies er die Gesandtschaft ab. Auch von den in Spanien zurückgebliebenen getauften Juden waren im Jahre 1603 unter Philipp III. einige Tausende Vertrieben worden. „Allein die Juden sind wie gewisse Insekten, die sich niemals vollkommen ausrotten lassen" — sagt Holberg. Ihre Zahl wuchs beständig; im Jahre 1680 wurden gegen 500, die man entweder von ihrer Verstellung als Christen überführt hatte oder die wenigstens verdächtig waren, teils verbrannt, teils gehängt.- Ein sehr großer Teil der geflüchteten spanischen und portugiesischen Juden ging in der Aussicht auf den dortigen.lukrativen Handel nach Holland. Kahserling berichtet über die Folgen: „Amsterdam war in verhältnismäßig kurzer Zeit ein zweites Jerusalem geworden, so viele geheime Juden hatten sich dorthin begeben. 59) „Es war eine artliche — d. h. nette, liebliche, wie wir zu sagen pflegen — Gesellschaft: der Primas von Portugal, der Großinquisitor und die Judenschast!" Gebauer.