Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1901
- Issue
- Beiträge zu einer Geschichte der Juden in Spanien und Portugal.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 31)
- Language
- German
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— 31 — Die reichen Handelsstädte Rotterdam, Antwerpen, Amsterdam boten ihnen nicht nur einen Zufluchtsort gegen die Intoleranz, sondern räumten ihnen auch ein weites Feld für ihre industrielle Thätigkeit (! Der Verf.) ein." Auch hier erwarben sie wieder große Reichtümer. In Holland unterschied man dann deutsche und portugiesische Juden, die meist nicht sehr gemütlich miteinander lebten, weil die letzteren auf die ersteren, die ärmer waren, hochmütig herabsahen;60) auch hatten beide Parteien ihre eigenen Synagogen und Begräbnisplätze. Zu den bekannteren dort eingewanderten Juden gehört Uriel Acosta, der in Portugal von jüdischen Eltern geboren war, die aber zwangsweise das Christentum angenommen hatten. Er war als Christ erzogen worden, wurde, aber in Holland selbstverständlich wieder Jude.sl) Doch wurde er wegen „Irrlehren" von den Juden in der Synagoge gegeißelt und mit Füßen getreten, was ihm so an die Ehre ging, daß er sich das Leben nahm. Er ist der Held des Trauerspiels Uriel Acosta von Karl Gutzkow. Ein anderer dieser eingewanderten Juden war der Arzt Zakuth (vergl. S. 28), der sich, nachdem man ihn 30 Jahre lang in Spanien für einen Christen gehalten hatte, 1625 nach Amsterdam begab, um den Judenglauben wieder öffentlich zu bekennen. Unter diese Juden kann man auch den Philosophen Spinoza rechnen, im Jahre 1632 zu Amsterdam von portugiesischen (jüdischen) Eltern geboren, dem die Juden wegen seiner philosophischen Ansichten und Lehren nach dem Leben trachteten. Sein Hauptgegner war. ein Arzt Orobio, ein Abkömmling von sogenannten bekehrten spanischen Juden, der sogar auf der Folter in Spanien sein Christentum .standhaft behauptet hatte, aber später in Amsterdam sich nicht nur (wie Acosta und Zakuth) beschneiden ließ, sondern auch den-Namen Isaak annahm; er starb 1687 und hinterließ verschiedene heftige Streitschriften gegen die Christen. Von den im Jahre 1603 unter Philipp III. qus Spanien vertriebenen Juden flohen viele nach Hamburg, wohin sich schon früher Flüchtlinge aus Spanien und Portugal gewandt hatten, — der dortige Handel lockte natürlich! — Schudt giebt seinem Unmute darüber mit folgenden Worten Ausdruck: „Weil die Handelschaft zu Wasser und zu Lande hier so groß, zieht sich eine ungeheure Menge Juden, wie die Raubvögel nach einem Aas und die Fliegen nachdem Zucker zuthun pflegen, an diesen Ort." Und sehr bald hieß es nun dort, wie jüdische Schriftsteller stolz betonen: Hamburg sei halb jüdisch, halb christlich. Ein Sprichwort besagte, Amsterdam sei das große, Hamburg das kleine Jerusalem. — . Mit den zuletzt erwähnten, fehlgeschlagenen Versuchen, die Rückkehr nach Spanien und Portugal durch rotes Gold zu erkaufen, schließt die Geschichte der Juden auf der Pyrenäischen Halbinsel. Sie ware.n durch die Austreibungen und durch das Eingreifen der Inquisition endgiltig vertilgt in Spanien wie in Portugal und noch heute zählen beide Länder zu den judenreinsten der ganzen Erde. Nur hat natürlich der starke Bruchteil jüdischen Blules, mit dem besonders die oberen Bevölkerungsschichten versetzt worden waren, nicht wieder getilgt werden können. (Vergl. S. 18 und 26). Gegen das Ende des 15. Jahrhunderts bietet kaum irgend ein anderes europäisches Land ein solches Bild der Zerrissenheit und Auflösung als die pyrenäische Halbinsel — nach der Erlösung von den Juden überragt Spanien im Beginne des 16. Jahrhunderts alle Reiche Europas an fester Ge- ®°) Von dem jüdischen Hochmute ist schon die Rede gewesen. Vergl. dazu auch: Schudt, an verschiedenen Stellen. 61) Uriel Acosta schreibt,': die Juden hätten in Amsterdam so übermäßige Freiheiten genossen, daß, wenn Christus nach Amsterdam käme und die Juden wollten ihn kreuzigen, sie das ungescheut thun dürften.