Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1901
- Issue
- Beiträge zu einer Geschichte der Juden in Spanien und Portugal.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 29 (sequence 29)
- Language
- German
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29 Kleiderabzeichen — Reichtümer gesammelt, ben Geldhandel in ihre Hände gebracht und stch eine bürgerliche Verfassung mit eigenen Gemeindevorstehern' und eigenen Richtern, sowie mancherlei Vorrechte und Freiheiten zu verschaffen gewußt hatten. Die zurückbleibenden getauften Juden steckten sich wieder einmal hinter den Papst (Alexander VI.),57) richteten indessen nichts aus. Aber Emanuel wurde wieder milde gesinnt (1497) und gab ihnen durch ein Dekret 20 Jahre Zeit, sich als Christen einzuleben. Mehr kann man doch eigentlich nicht verlangen. — Graetz legt das mit echt jüdischer Bescheidenheit und Loyalität so aus: „Es war damit den Zwangschristen bewilligt und gestattet, im Geheimen ohne Furcht vor Strafe als Juden leben zu dürfen." Unverschämt ist seine Bemerkung: „Ihre (bex Getauften) Seele war, wie der Dichter Samuel Usque sie schildert, von der empfangenen Taufe nicht befleckt worden." — Kayserling dagegen meint: „Es hat den Anschein, als wollte Emanuel die gewaltsam getauften Juden durch Liebe und Milde für den christlichen Glauben erziehen." Die Frist sollte sich aber nur auf die in Portugal geborenen, nicht auf die eingewanderten Marranos beziehen. Trotz alledem waren noch immer ungetanste Juden zurückgeblieben, — man sieht, sie sind eben unausrottbar! Abgewirtschaftet aber hatten sie in Portugal, und auch ihre Stunde sollte schlagen. Im Jahre 1503 entstand im ganzen Lande eine so große Teuerung, daß alle Bewohner, nicht bloß die ärmere Klasse, die Steigerung der Lebensmittelpreise aufs empfindlichste wahrnahmen. Natürlich hatten die Juden, getaufte und ungetaufte, die ja den Kornhandel ausschließlich betrieben, die Getreidepreise gewaltsam in die Höhe getrieben, was die Volkserbitterung steigerte. Die Aeußerung eines getauften Juden bei Gelegenheit eines angeblichen Wunders am Ostersonntage des Jahres 1506 führte zu einem furchtbaren Aufstande der Christen in Lissabon, bei welchem über 2000 „Neubekehrte", an deren aufrichtiges Christentum man nicht glaubte, umgekommen sein sollen. Der König suchte sich zwar ins Mittel zu legen, indem er verbot, die sogenannten neuen Christen anders zu behandeln als die übrigen, aber das alte Mißtrauen gegen sie pflanzte sich fort, und noch wiederholt mußten sie gegen die Volkswut in Schutz genommen werden. Nach wie vor blieben sie die Reichen im Lande und nach wie vor blieben Handel und Industrie ganz in ihren Händen, was sie aufs empörendste ausnutzten. Es liefen wieder fortwährend Beschwerden ein, daß sie das Getreide aufkausten und aufspeicherten, um es in den Jahren des Mißwachses, wie es gerade die letzten gewesen waren, zu exorbitanten Preisen zu verkaufen. So brach denn wiederholt die Volksempörung durch, befreite aber das Land nicht gänzlich von den Blutsaugern. — Im folgenden Jahrhunderte (1641) spielte eine Verschwörung des Erzbischofs von Braga, des General-Inquisitors, Franz von Castro, Bischofs von Guarda und anderer Großen des Reiches gegen Johann IV. Der Erzbischof, als Seele der Verschwörung, gewann eine Anzahl Mitverschworener und besonders die sämtlichen Juden. Diese hatten dem Könige Johann gleich nach seiner Thronbesteigung (1640) eine große Summe Geldes angeboten für die Erlaubnis, im Königreiche als äußerliche Christen wohnen und werben (d. h. ihre Geschäfte machen) zu dürfen^), ohne 57) „Sie vergaßen natürlich den Beutel mit Geld nicht." Graetz. ®®) „Die Juden, die allezeit bereit gewesen sind, Gewissen und Tugend zu opfern für die Freiheit, ihre Religion und ihren Handel zu üben; denn diese zwei Dinge find für sie ungefähr ebendasselbe?' Holberg. (Vergl. dazu: Chamberlain S. 237: „Außer materiellem Besitz war dem Juden (durch sein Gesetz) eigentlich alles verboten; auf Besitz allein war daher sein Sinnen gerichtet, und Gott (d. h. Jahwe) «ar es, von dem er den Besitz zu erhoffen hatte." —