Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1901
- Issue
- Beiträge zu einer Geschichte der Juden in Spanien und Portugal.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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28 Arbeit suchten mb daß deren Frauen und Töchter (in Abwesenheit ihrer Männer oder Väter auf dem Felde) der Verführung ausgesetzt wären. — Ist das nicht, als ob es heute wäre? Der Dominikaner Torquemada (vergl. früher) soll den Hatz des Volkes und der Fürsten gegen sie geschürt haben. Er, der selbst Judenabkömmling war, mutzte ja sie und ihre Charaktereigenschaften am besten kennen. Dieser „Haß" richtete sich jedenfalls besonders gegen die Rückfälligen, deren Zahl sich natürlich immer häufte und die unliebsam auffielen, so daß König Johann auch eine Inquisitions-Kommission ernannte, die viele verurteilte. So wurde schon 1481 eine große Anzahl von ihnen wegen allerlei verdächtiger Gebräuche und Handlungen durch die Inquisition verurteilt und hingerichtet. Die Flüchtlinge hatten auch — wie bei solchem, schmutzigen Haufen natürlich — allerhand Krankheiten und sogar die Pest eingeschleppt und machten sich dadurch beim Volke nicht beliebter. Dieses murrte daher gegen den König, der sich dadurch mit veranlaßt sah, darauf zu halten, daß die gegebenen 8 Monate Aufenthaltsfrist nicht überschritten wurden, nach deren Ablauf siedann zum größten Teile zu Schiff ausgeführt wurden. Viele aber blieben trotzdem zurück, in der Hoffnung, daß der König sie in Portugal dulden werde. Aber Johann war standhaft. Die Zurückgebliebenen wurden wirklich zu Sklaven gemacht, verschenkt oder verkauft (1493); ihre Kinder führte man zwangsweise dem Christentum zu. Und dabei hatte auch König Johann jüdische Günstlinge! „Er wurde durch Gift aus der Welt geschafft" — sagt Kayserling S. 119. Sein Nachfolger, der gütige Emanuel, sah die zurückgebliebenen Juden zu Anfang seiner Regierung so gnädig an, daß er ihnen, die doch Sklaven geworden waren, sämtlich die Freiheit schenkte — „und sie schützte, soweit er immer konnte". (Kahserling.) Allein er hatte die Absicht, der Schwiegersohn Ferdinands des Katholischen zu werden, und dieser und seine Gemahlin Jsabella sollen ihn veranlaßt haben, gegen die Juden scharf vorzugehen.56) Die Hauptursache seines scharfen Vorgehens war aber jedenfalls der allgemeine Unwille, den es erregte, daß immer wieder getaufte Juden ins Judentum zurückstelen. Das wußte ja allerdings auch König Ferdinand aus eigener Erfahrung, und darum mag er wohl den König Emanuel zu seinem Vorgehen mit veranlaßt haben. So wurde denn im Jahre 1495 von Emanuel die Ausweisung aller Juden aus Portugal beschlossen und 1496 ausgeführt. Alle Juden sollten getauft werden oder (in längerer Frist), das Land verlassen. Aber der Jude, auch wenn er Anstalten macht, ein Haus oder ein Volk zu verlassen, geht nie von selbst — er muß stets hinausgeworfen werden. So beeilten sich denn auch diese Juden nicht,, sondern überschritten die Frist. Da wurde denn Emanuel böse, ließ sie vielfach zwangsweise taufen und die Synagogen schließen. Alle Kinder unter 14 Jahren wurden ihnen genommen und zwangsweise im christlichen Glauben erzogen. Viele ertränkten ihre Kinder, andere brachten sich selbst um, viele aber ließen sich taufen und wurden äußerlich Christen. Die Mehrzahl der Juden verließ das Land, unter ihnen der schon erwähnte Zakuth (vergl. über ihn S. 31). Diese Austreibung war für Portugal um so einschneidender, als auch hier die zahlreichen Juden, wie schon erwähnt, — trotz aller Antipathien des Volkes und gesellschaftlicher Zurücksetzung, trotz der Judenquartiere in größeren Städten und der so) Holberg: „Man meint, daß Ferdinand den Wohlstand mit neidischen Augen ansah, in den Portugal durch so viele reiche Juden gebracht war." — Da hätte er sie doch behalten können.