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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1901-01-01 · Beiträge zu einer Geschichte der Juden in Spanien und Portugal. · p. Seite 27

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1901
Issue
Beiträge zu einer Geschichte der Juden in Spanien und Portugal.
Date
1901-01-01
Page
Seite 27 (sequence 27)
Language
German
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27 von den Christen, mit denen sie ganz ungeniert verkehrten und zu deren Töchtern sie zuweilen in intimen Verhältnissen standen, durch nichts zu unterscheiden." — Auch hier trieben sie Handel mit Sklaven. Die meisten Finanzpächter waren Juden, selbst Kirchenfürsten stellten Juden als Einnehmer der Kirchenabgaben an, deren Verteilung sie sogar in der Kirche selbst Vornahmen (!), ja deren Einziehung sie während des Gebetes, selbst während des Hochamtes (II) betrieben (nach Kayserling). Und das sollte keinen Haß bei den Christen erregen! Dazu kam der geradezu unerhörte Aufwand, den sie nach zeitgenössischen Berichten dort trieben. Die Abneigung gegen sie wuchs demzufolge von Jahr zu Jahr und machte sich zuweiten in öffentlichen Exzessen Luft. Die Selbständigkeit der jüdischen Gemeinden und ihrer Verfassung blieb unter Alfons gewahrt. Sein' Günstling war Abarbanel (vergl. S. 24), der aber durchaus nicht der einzige jüdische Günstling am Hofe Alfons' war. König Johann. I'., der selbst jüdischer Bastard gewesen sein soll (was natürlich die portugiesischen Geschichtschreiber verschweigen), legte den Juden zwar einige Beschränkungen auf, bestimmte auch, daß die christlich Getauften, die rückfällig wurden, als Apostaten bestraft werden sollten, aber im übrigen blieb Portugal ihr Dorado, wo denn auch die aus Spanien Geflüchteten ein Asyl fanden. — Die 83 000 vertriebenen spanischen Juden nahm also König Johann H, (1481 bis 1495) gegen ein Kopfgeld von einer Krusade^a) auf. Graetz giebt übrigens nach Zakuth (vergl. über diesen später) die Zahl der Einziehenden auf 120 000 an. Doch wollte der König, der dieses Volk schon in seinem eigenen Lande und aus eigener Anschauung genugsam kennen gelernt hatte (man denke z. B. an Abarbanel!), sie nur kurze Zeit (8 Monate) behalten, dann sollten sie nach Afrika abgeschoben werden. Die Zurückbleibenden sollten das Christentum annehmen oder der Sklaverei verfallen. So ließen sich denn, als die bewilligte Aufenthaltsfrist abgelaufen war, Wohl viele taufen, blieben aber im Herzen Juden.54) Es läßt sich schwer sagen, was den klugen König Johann zu dieser Aufnahme der vertriebenen spanischen Juden in sein Land bewogen habe. Gebauer (in seiner Portugiesischen Geschichte) meint,- die 83 000 Krusaden^) könnten es nicht gewesen sein;- fremder Unterthanen sich zu erbarmen, hätte er auch keine Veranlassung gehabt und die Verantwortung der gegen sie spanischerseits geübten Strenge hätte er füglich ihren angeborenen Herren überlassen können; auch die etwa gehegte Hoffnung, sie zu ehrlichen Christen zu machen, könne keinen Grund abgeben, da sie ja unter dieser Bedingung hätten in Castilien und Aragonien bleiben - können. Jedenfalls sei es von Johann ein großer Mißgriff gewesen, den auch die portugiesischen Geschichtschreiber nicht gern weitläufig berührten. Die Eingewanderten zogen jedenfalls die Nähe vor, in dem Glauben, Ferdinand werde sie wieder zurückrufen. Die in Portugal schon ansässigen Juden waren selbst nicht für Aufnahme der Flüchtlinge — sie wußten Wohl, weshalb. So sollten sie also nur kurzen Aufenthalt finden. Aber schon sehr bald machten sie sich unliebsam und überall erhoben sich Klagen über ihr protziges Auftreten und andere angenehme Eigenschaften. Sehr interessant ist die an den König gelangte Klage, daß jüdische Handwerker in den Häusern der Landleute 53 a) Krusade (crux — Kreuz) ist eine mit einem Kreuze versehene Geldmünze von etwa 4 Mark heutigen Wertes. M) „Sie pflanzten ihren Aberglauben aus ihre Kinder und Kindeskinder derart fort, daß noch bis auf diese Stunde alles in Portugal voll heimlicher Juden ist." Gebauer. 55) Andere Quellen berichten übrigens, daß sie pro Kops 8 Dukaten hätten bezahlen müssen.

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