Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1901
- Issue
- Beiträge zu einer Geschichte der Juden in Spanien und Portugal.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 26)
- Language
- German
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26 den Neid, ihre Wucherkünste und Erpressungen den Hatz der Andersgläubigen (nicht bloß Christen) erregt haben. Von ihren Schuldnern gefürchtet,- vom Volke gehaßt und angefeindet, waren sie schon früher einzelnen „Verfolgungen" ausgesetzt. Vor solchen schützte sie auch die Annahme des Christentums nicht, weil man (genau wie in Spanien) stets die Aufrichtigkeit der Glaubensänderung beargwöhnte, da sie ja nur unter Drohungen oder in der Gefahr den Glauben wechselten. Dennoch gab es eine Menge solcher „Bekehrten" in allen Städten. Sie. waren vielfach im Besitze städtischer Aemter und viele Adlige hatten (ebenso wie in Spanien und tout comme chez nous!) ihre gesunkenen Vermögensverhältnisse durch Ehebündnisse mit Gliedern dieser getauften Juden zu heben gesucht. Kaum gab es auch hier — wie ein portugiesischer Geschichtschreiber klagt — eine vornehme Familie im Lande, deren Blut nicht zu irgend einer Zeit mit dem „mala san^ro" des Hauses Juda verunreinigt worden wäre. — Auch hier (wie in Castilien) durften die Juden 3.. B. am Sabbat und an jüdischen Festtagen nicht vor Gericht geladen werden. Ihre Justiz und ihre Polizei wurde von eigenen Behörden verwaltet; sie hatten sowohl in Civil-'wie in Kriminalsachen ihre eigene Rechtsprechung nach ihren eigenen Rechtskodices. So waren sie also im Genüsse ansehnlicher Rechte und sogar eines privilegierten Gerichtsstandes. Ja, „sie waren vor den Christen bevorzugt, da sie einiger Lasten enthoben waren, die die Christen zu tragen hatten" — heitzt es in einem ihnen verliehenen königlichen Privilegium. Mit dem Landvolke besonders standen sie in stetem Geldverkehr, wobei sie unverschämte Wucherzinsen nahmen. Schon unter Alfons III. (1248—1279) liefen vielfach Klagen wegen Wuchers gegen sie ein, so datz der König sich genötigt sah, die Gesetze über den Wucher zu verschärfen und die Bestimmung zu treffen, daß die Zinsen das Kapital nicht übersteigen durften. (!) „Nichtsdestoweniger — sagt Kayserling — hatten 'sie allen Grund, mit ihrer Lage zufrieden zu sein; denn sie lebten im Vergleich zu ihren Brüdern in Castilien in ungestörter Ruhe und konnten ungehindert ihrem geschäftlichen Verkehre obliegen." Na, und das war doch die Hauptsache und mehrte natürlich' ihren Reichtum gewaltig; denn „reich waren sie in Portugal nicht minder wie ihre Glaubensgenossen in Castilien — sagt derselbe Kayserling — und in keinem anderen Staate lebten sie damals glücklicher." Unter Ferdinand '(1367—1388) hatten bk Juden in Portugal eine außerordentlich günstige Stellung erlangt, wie sie denn überhaupt in diesem Lande bis zu ihrer Vertreibung keine wirklich nachhaltige „Verfolgung" erlitten haben. Denn auch dieser König hatte zwei jüdische Günstlinge, die seine Geldangelegenheiten leiteten: Juda und David Negro. — Die Regierung des Königs Alfons V. (Mitte des 15. Jahrhunderts) war — nach Graetz — bk letzte goldene Zeit für die Juden. Sie brauchten keine Judenabzeichen zu tragen, sondern zeigten im Gegenteil ein sehr protziges Auftreten. Graetz preist diese Zeit in seiner übertreibenden, stets über das Ziel hinausschießenden Art so: „Sie waren durch nichts (na, na! Der Verf.) von den Christen zu unterscheiden." — Einige Beschränkungen hielt man aber doch für nötig. So war es ihnen streng verboten, Christen in Dienst zu nehmen; ebenso durften sie bei strenger Strafe nicht die Wohnungen einzeln lebender Frauen, Witwen oder Jungfrauen oder auch verheirateter Frauen, deren Männer abwesend waren, betreten. Ebenso war es christlichen Frauen untersagt, ohne Begleitung eines bärtigen (d. h. erwachsenen) Christen jüdische Kaufläden zu betreten. Wir heilsam wären doch heute noch solche Bestimmungen!. Mit Juden fleischlichen Umgang zu pflegen, war den Christinnen bei Todesstrafe verboten. „Es wurde aber — sagt Kayserling — dieses Gesetz in dieser Strenge ebensowenig gehandhabt wie andere, denn sie waren