Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1901
- Issue
- Beiträge zu einer Geschichte der Juden in Spanien und Portugal.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 25)
- Language
- German
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25 große Zahl Juden aber ließ sich Laufen. Doch erbitterten diese das Volk immer wieder durch ihre Rückfälle ins Judentum. . Vielen wurden die Kinder, unter sieben Jahren genommen und in die Klöster gesteckt. Als die Gefahr der Austreibung ihnen schon drohte^), hatten die Juden in gewohnter Weise noch einmal versucht, durch das oft mit Erfolg angewandte Mittel der Bestechung den Sturm zu beschwören. Sie boten Ferdinand (zur Fortführung des Krieges gegen Granada) ein Geschenk von 30000 Dukaten, dieser aber lehnte es ab. Wegen der Austreibung der Juden erhielt Ferdinand vom Papste den Titel „Catholicus", den die spanischen Könige heute noch führen. Daß die Juden in Spanien diese (für sie ja allerdings harte) Maßregel verdient hatten, geben selbst wohlwollende Beurteiler zu, da sie nach wahrheitsgemäßen Berichten durch ihren Wucher fast den dritten Teil der Einnahmen des Reiches an sich gezogen hatten. — Von den Vertriebenen rühmt Abarbanel besonders, daß sie der Regierung treu geblieben (!) wären und nicht die Waffen ergriffen hätten, um ihr Bleiben zu erzwingen. — Das wäre allerdings die Frechheit bis auf die Spitze getrieben gewesen. — Von den Ausgetriebenen gingen die meisten nach Afrika, viele auch nach Holland (vergl. darüber später) und anderen Ländern, meist natürlich nach solchen, die Seehandel trieben, weil ihnen das ihres Handels wegen am meisten zusagte; 83000 Juden aber begaben sich nach Portugal.- Die Juden in Portugal. Das Königreich Portugal, das ursprünglich ein Lehen von Castilien gewesen war, entstand als selbständiges Reich im Jahre 1109, erweiterte sich durch Kämpfe mit den Mauren (1147 wurde Lissabon erobert) und erlangte bald hohe Bedeutung für den Welthandel. Das erklärt denn auch das Zuströmen der Juden. Das glänzendste Zeitalter des Landes begann 1383 unter Johann I. Juden in Portugal werden schon im'elften Jahrhundert erwähnt. Ihre bürgerliche Stellung war offenbar eine sehr günstige, denn sie brauchten keine Zehnten an die Geistlichkeit zu zahlen, wie das meistens in Spanien der Fall war, brauchten keine Judenabzeichen zu tragen und erlangten sogar öfters höhere Aemter, z. B. als Schatzmeister, wie auch in Spanien. Im zwölften Jahrhundert war sogar ein Jude (namens Salomon) Feldherr des Königs und stand bei diesem in hoher Gunst. Trotzdem soll er nach einigen Berichten seinen Glaubensgenossen scharf auf die Finger gesehen haben. Die Juden wären unter einem Großrabbiner in sieben Distrikte geteilt. Graetz berichtet darüber: „Seit 1274 hatte hier das jüdische Gemeinwesen überaus günstige Einrichtungen wie nirgend in Europa: An der Spitze stand ein Großrabbiner, der fast fürstliche (! Der. Vers.) Befugnisse hatte und vom Könige ernannt wurde; er führte ein eigenes Siegel, übte die höhere Rechtspflege und erließ Verordnungen im Namen des Königs. Unter ihm standen Provinzial-Rabbiner in den sieben Provinzen, die von ihm angestellt wurden. Sie hatten nicht nur die bürgerliche, sondern auch die peinliche Gerichtsbarkeit." Und Kayserling: „Sie bildeten, ähnlich ihren Glaubensgenossen in Castilien, einen Staat im Staate." (!!) Wir wissen, wie die Juden auch in Portugal der maurischen Herrschaft Vorschub geleistet, wie sehr aber auch ihre Reichtümer, ihr Luxus und ihr Wohlleben 53) „Als Fehler haben viele bezeichnet, daß Ferdinand durch die Vertreibung seinem Reiche so viel reiche Leute entzogen, da man seit der Zeit stets einen großen Mangel an Einwohnern wahrgenommen." Holberg.