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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1901-01-01 · Beiträge zu einer Geschichte der Juden in Spanien und Portugal. · p. Seite 24

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1901
Issue
Beiträge zu einer Geschichte der Juden in Spanien und Portugal.
Date
1901-01-01
Page
Seite 24 (sequence 24)
Language
German
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24 Dieser Abarbanel war im Jahre 1437 in Lissabon geboren. König Alfons V. von Portugal (wir werden von ihm später noch hören!) vertraute ihm das Finanzwesen an, wobei Abarbanel selbst riesige Schätze gesammelt haben soll. Daneben sorgte er natürlich auch für seine Glaubensgenossen. Allein er mußte aus Portugal flüchten, weil er in den Verdacht geriet, daß er das Reich an den König von Castilien verraten wolle, und begab sich nach Castilien. Die Wahl seines Zufluchtsortes spricht dafür, daß der Verdacht begründet war. Abarbanels Vermögen wurde eingezogen. Er ließ sich in Toledo nieder und der Obersteuerpächter Abraham machte ihn zum Teilnehmer an der Steuerpacht. Ja, er wurde sogar vom Könige Ferdinand als Finanzminister berufen, in welchem Amte er sich (wie er selbst erzählt) wieder Reichtümer erwarb. Nun stiegen auch wieder die Aktien der Juden in diesem Lande. Sie durften es wieder wagen, die Judenabzeichen abzulegen, sie hielten wieder christliche Diener und Ammen, jüdische Aerzte praktizierten wieder, sie pachteten wieder weltliche und geistliche Aemter und pflegten wieder unverwehrt Verkehr mit Christen, so daß der Papst sich wieder ins Mittel legen müßte. Doch war trotzdem sein Schutz für die Juden so groß, daß alle Beschuldigungen, die sich immer wiederholten, ihnen nicht viel anhatten. Der König Ferdinand aber wollte sein Land einmal gründlich von den Judenplage säubern, womit er — nach jüdischen Berichten — wegen der Vorteile, die der Staat von ihnen hatte (I), immer gezögert hatte. Ferdinand und Jsabella hatten zunächst 'den Papst Jnnocenz VIII. um die Erlaubnis gebeten, die Juden vertreiben zu dürfen. Aber der Papst ließ sich von Juden bestechen, und so beschlossen Ferdinand und Jsabella, auf eigene Faust vorzugehen, besonders da sich die Beschuldigungen wegen Hostienschändung u. s. w. häuften. Ferdinand befahl deshalb — besonders auf Torquemadas (feit 1483 Großinquisitor) Drängen — nachdem er durch die Eroberung von Granada und Vernichtung der letzten Maurenherrschaft in Spanien?*) freie Hand für die inneren Angelegenheiten des Staates bekommen hatte und nachdem damit nach fast acht Jahrhunderten die ganze Halbinsel wie zuu Zeit der Westgoten wieder in christlichen Besitz gelangt war — im Jahre 1492, dast alle Juden Spanien innerhalb vier Monaten verlassen^) sollten, ohne ihr Gold unb sonstige Wertgegenstände mit sich nehmen zu dürfen. Das letztere scheint jedoch nicht so genau genommen worden zu sein, denn es wird berichtet, daß die auswandernden Juden Gelegenheit gefunden haben, fast 30000 Millionen Dukaten (!) mit sich zu nehmen. Daraus kann man schließen, was für Reichtümer sie in Spanien zusammengebracht haben müssen, wenn sie allein in barem Gelde soviel besitzen konnten^ und was für Schaden sie im Laufe der Zeit dem armen Lande zugefügt haben. 800000 Juden sollen damals ausgewandert sein. (Nach Mariana, hist. de reb. Hisp. Andere melden von 300000, noch andere nur von 160000 Vertriebenen. Vergl. dazu Anm. 27.) Große Summen wurden (besonders durch Abraham und Abarbanel) für Aufhebung des Edikts geboten; es half aber alles nichts. — Der Großrabbiner Abraham ließ sich taufen. Niemand wurde von dieser Ausweisung verschont, selbst Abarbanel nicht, der nach Neapel auswanderte (vergl. später); eine 51) Bemerkenswert ist ein Punkt, den sich der letzte granadische Maurenkönig bei den Uebergabe- Verhandlungen ausbedungen: Kein Jude sollte als Steuereinnehmer oder Kommissar oder zur Ausübung, der Gerichtsbarkeit für die unterworfenen Mauren beordert werden. Der muß sie gut gekannt haben L Deshalb suchte er noch im letzten Augenblicke seine unglücklichen Unterthanen vor den Juden so viel als möglich zu schützen. 52) Graetz: „Wenn die Inquisition nicht so unbarmherzig gegen die Marranos gewütet hätte, sr> hätten diese den Spaniern mit ihrem Blute auch den geweckten jüdischen Geist eingeflößt und die der Entartung entgegengehende Rasse mit gesunden Säften erfrischen können." (!)

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