Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1901
- Issue
- Beiträge zu einer Geschichte der Juden in Spanien und Portugal.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 21)
- Language
- German
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21 Schatzmeister und Großrabbiner, der selbstverständlich nach Möglichkeit für. seine Glaubensgenossen sorgte. „Aber das Dekret der hermetischen Abschlietzung der Juden vermochte er nicht rückgängig zu machen," klagt Graetz. Nach Italien geflüchtete Marranos steckten-sich hinter den Papst (Sixtus IV.), womit sie ja auch sonst schon Erfolg gehabt hatten, und wußten bei. ihm durchzusetzen, daß diejenigen getauften Juden, die sich in Rom einer bestimmten Buße unterzögen, von der Inquisition nicht verfolgt werden dürften. „Natürlich waren sie nicht mit leeren Händen gekommen," fügt Graetz verständnisvoll hinzu. Der Papst widerrief übrigens bald darauf diese Vergünstigung. Aber all diese Bemühungen halfen ihnen nicht viel: Die Seuche war zu groß und man mußte Abwehr maßregeln treffen. So lud das Jnquisitionsgericht denn alle diejenigen vor, die sich irgend einer Sünde^) Wider die Religion schuldig wußten. Gegen 70 000 Personen sollen sich auf diese Aufforderung hin eingestellt haben, in der Hoffnung, einen Generalpardon zu erhalten, um dann wieder flott weiter jüdische Propaganda treiben zu können. Allein die Sache fiel anders aus: 2000 wurden verbrannt, andere wurden eingekerkert, viele flohen. -Diejenigen, welche man wieder in Freiheit setzte, wurden für unehrlich erklärt und mutzten zwei rote Kreuze auf ihrem Gewände tragen, zum Zeichen, daß sie eigentlich den Scheiterhaufen verdient hätten; außerdem wurden ihre Güter konfisziert. Infolgedessen verließen viele von ihnen das Land, viele aber trieben in Zukunft ihre Verstellung noch geschickter als früher. Indes das Volk traute ihnen hinsichtlich der Aufrichtigkeit ganz und gar nicht. Die spanischen Inquisitoren gelten nach allgemein verbreiteter Auffassung als Ausbunde von kirchlicher Unduldsamkeit und Verfolgungssucht. Wenn man das schwarze Gespenst des kirchlichen Zelotismus in den schwärzesten Farben kennzeichnen will, so spricht man von der „spanischen Inquisition", aber man vergißt dabei, daß die drakonischen Maßregeln, von denen wir eben berichtet haben, nur ergriffen wurden der Juden wegen, nur weil ihnen und ihrer frechen Heuchelei mit anderen Mitteln nicht beizukommen war. Von kirchlicher Ketzerriecherei, die eben damals im Zuge der Zeit lag, wird ja auch aus anderen Ländern berichtet. Die ganz besondere Schärfe, welche die Verfolgungen in Spanien annahmen, wurde durch die nationale Zwangslage in Spanien, durch die Notwendigkeit, ein fremdes, verderbliches und dabei ungeheuer schwer in seinen einzelnen Vertretern herauszuerkennendes Volk zu bekämpfen, hineingetragen. Es kommt aber noch eins hinzu. Weil die spanische Inquisition sich gerade gegen die Juden richtete, darum ist sie von dem ganz besonderen Hasse des gesamten jüdischen Litteratentums verfolgt worden durch alle Jahrhunderte hindurch. Denn dieses jüdische Litteratentum ist keineswegs eine Schöpfung-der Neuzeit; es hat schon lange -vor Peter Arbuez, ja lange vor Christi Geburt bestanden.^) Von jeher sind die jüdischen Macher der öffentlichen Meinung Meister darin gewesen, den anzuschwärzen, der es wagt, die Wege des auserwählten Volkes zu kreuzen. Wenn uns nun auch nach unseren heutigen Vorstellungen das schonungslose Durchgreifen der Inquisitoren, das Verbrennen der heuchlerischen getauften Juden, die heimlich die christliche Religion verspotteten, grausam erscheint, so sind doch diese Greuel unendlich zahm zu nennen, wenn man sie mit dem vergleicht, was in der ") „Sünde ist" — nach dem jüdischen Gelehrten C. G. Montefiore. — „bei den Juden jede Handlung, durch welche man sich im Unrecht befindet jemandem gegenüber, der die Macht besitzt, das Vergehen zu bestrafen." (!) 43) Vergl. Antisemitisches Jahrbuch 1897, S. 63, 64 und 1899 S. 23, Giese, Judenfrage S. 15.