Mannheim
Compact Memory

Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1901-01-01 · Beiträge zu einer Geschichte der Juden in Spanien und Portugal. · p. Seite 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1901
Issue
Beiträge zu einer Geschichte der Juden in Spanien und Portugal.
Date
1901-01-01
Page
Seite 19 (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9038025-9038028-423317--278-185252
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

19 andere gehängt, andere Vertrieben. 1471 zum Charfreitage erhöb' sich eine neue BluLbeschuldigung gegen die Juden und acht Juden wurden auf Veranlassung des Bischofs Davila — der selbst Judenabkömmling war! -- verurteilt und gerichtet/ Davila scheint also doch die Sache für möglich gehalten zu haben, während Graetz meint, er hätte Wohl aus seinen jüdischen Familienerinnerungen bezeugen können, daß die Angeklagten unschuldig an dem Verbrechen waren. Im Jahre 1472 erhoben sich sehr erregte Volksaufstände, die (gegen Marranos wegen Beschimpfung einer Prozession) in Cordova begannen und sich auch nach anderen Städten des Landes zogen. Bei diesen Aufständen sollen häufig wieder Adlige, die ja durch Ehen vielfach mit Judenfamilien (wenn auch getauften) verbunden waren, die Juden in Schutz genommen haben, was die Menge noch mehr erregte. Auch im folgenden Jahre erhob sich ein Aufstand gegen die Juden, weil ein-getaufter Jude, Peter de Herrera, der aus Cordova hatte flüchten müssen, sich zum Statthalter der Provinz, dem Herzoge von Medina-Sidonia, nach Sevilla begeben und von diesem gegen das Angebot einer bedeutenden jährlichen Abgabe die Bergfestung Gibraltar für sich und feine Verwandten unter ihrem eigenen Kommando als Zufluchtsstätte erbeten hatte. Der Herzog war mit diesem Vorschläge einverstanden gewesen, aber das Volk befürchtete, die Marranos könnten die wichtige Festung, sozusagen den Schlüssel von Spanien, den Muhamedanern in die Hände liefern, und rottete sich zusammen, weil der Herzog im Begriff war, den Vertrag zu vollziehen. Die Frechheit der Juden aber war so groß^), daß sie 300 Reiter und 5000 Mann Fußvolk anwarben, unter dem Vorwände, daß der Herzog diese wegen eines Krieges, den er führte, gebrauche; dadurch schüchterten sie ihre Gegner natürlich ein, so daß sie einige Ruhe hatten. (Nach Ferreras.) Trotz aller dieser „Verfolgungen" lebten jedoch die Juden, wie verschiedene (auch jüdische) Geschichtschreiber erklären, in Spanien immer noch in verhältnismäßig guter Verfassung. In keinem Lande jedenfalls waren sie zahlreicher und nirgends - waren sie auch so angesehen^ Verwalteten doch, wie wir gesehen haben, Juden vielfach und zu verschiedenen Zeiten, die angesehensten Aemter. So sagt der italienische Jude Luzzato (Consid. 14): „Es waren damals unter den Juden große Politiker und Staatsmänner, besonders that sich Abravanello (Abarbanel) .hervor," — „der letzte jüdische Staatsmann auf der pyrenäischen Halbinsel" — wie Graetz voll Stolz sagt. Jahrhunderte lang war für das Emporkommen der spanischen Juden sehr vorteilhaft gewesen die Teilung des Landes in verschiedene Staaten, die (wie schon erwähnt) fast in fortwährenden Kriegen unter einander und mit anderen lagen, also weder Zeit noch die Macht hatten, einmal eine gründliche Säuberung von dem sie plagenden Ungeziefer vorzunehmen. Im Kleinen hatte man die Juden ja öfters abzuschütteln oder wenigstens niederzuhalten versucht — aber was wollte das bedeuten gegenüber ihrer Hartnäckigkeit, Frechheit und kaninchenhasten Vermehrung! Wenn sie auch einmal aus einem der spanischen Staaten vertrieben wurden, so flohen sie in einen anderen und setzten dort ihre segenbringende Thätigkeit mit ungeschwächten Kräften in gewohnter Weise fort. Dieser für sie so vorteilhafte Zustand hörte auf, als die beiden bedeutendsten Reiche Spaniens, Castilien und Aragonien, durch die Vermählung Ferdinands mit Jsabella vereinigt wurden und Ferdinand durch die Eroberung von Granada der 41) „Trotzig im Glück — feige im Unglück; Uebermut und Niederträchtigkeit, Hartnäckigkeit und Verdruß, Gehorsam und Ungehorsam wechselten bei den Juden beständig miteinander ab." Bastholm. 2*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.