Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1901
- Issue
- Beiträge zu einer Geschichte der Juden in Spanien und Portugal.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
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17 Graetz meint dazu: „Das Christentum fürchtete den Einfluß. des jüdischen Geistes auf die christliche Bevölkerung durch allzu vertrauten Verkehr," —. und das mit vollem Rechte! Weiter wurde verordnet, daß jede Gemeinde nur eine einzige Synagoge besitzen dürfe, daß ste keine eigene Gerichtsbarkeit haben, daß, sie nicht als Aerzte oder Apotheker praktizieren dürften; daß sie durch ein äußeres Abzeichen von den Christen unterschieden werden sollten, welches die Männer auf der Brust, die Weiber an der Stirne zu tragen hätten; daß ihr Wucher eingeschränkt werden sollte, daß die Getauften ihr Erbrecht behalten sollten; daß sie jährlich dreimal christliche Predigten anzuhören verpflichtet sein, dagegen nicht mit Gewalt zur Taufe gezwungen werden sollten. Da aber dieser Papst bald abgesetzt wurde, so bekamen die Juden keine besonderen Wirkungen all dieser Bestimmungen zu spüren. Papst Martin V. erließ dann (bestochen durch die reichen Gaben, die jüdische Abgesandte ihm brachten) eine den Juden günstige Bulle. Besonders muß wohl ihr Wucher durchaus nicht unterdrückt worden sein, denn es fanden auch in diesem Jahrhunderte mehrere Aufstände der ausgesogenen und empörten Christen gegen die Juden statt. Auch Benedicts Beichtvater, Vincenz Ferrer, soll (nach christlichen Geschichtschreibern) 30- bis 35 000 Juden bekehrt haben — die jüdischen Berichter setzen die Zahl der von ihm bekehrten noch höher, bis 200 000; Vincenz verwandelte auch die uralte Synagoge zu Toledo in eine Kirche, die den Namen Maria Bianca erhielt. Doch an der Aufrichtigkeit aller dieser zum christlichen Glauben bekehrten Juden wurde christlicherseits wieder gezweifelt — und mit Recht. Denn Graetz bezeugt: „Nicht bloß die weltlichen Neuchristen, sondern auch die, welche in den geistlichen Stand getreten waren, beobachteten meistens die jüdischen Religionsgesetze."— Und an anderer Stelle giebt er zu: „Ganz ersonnen werden die Beschwerden gegen den Glauben der Neuchristen Wohl nicht gewesen sein." Die meisten von ihnen warfen in der That bei erster Gelegenheit die christliche Maske ab, sobald sie es nicht länger für nötig hielten, sich zu verstellen. Jüdische Geschichtschreiber entschuldigen diesen Rückfall damit, daß jener Vincenz ein gar zu harter Verfolger ihrer Nation gewesen sei. Allein die Unaufrichtigkeit der getauften Juden sollte doch, wie wir bald sehen werden, böse Folgen für sie haben. Was die sonstigen „Bedrückungen" der Indem betrifft, so erholten sie sich in Spanien immer wieder sehr schnell davon, so auch zu dieser Zeit (etwa um 1430)??) Sehr bald wieder wurden sie die Finanzminister und Steuereinnehmer und konnten als solche für ihre Glaubensgenossen manches thun. So kamen diese denn bald wieder in Aemter, pachteten die Zölle und Steuern, wurden Aerzte und Advokaten. Auch ihre eigene Gerichtsbarkeit wußten sie sich bald wieder zu verschaffen. Daß sie übrigens in dieser Zeit im höchsten Grade verwahrlost waren, giebt selbst Graetz zu. 38) „Ihre Unentbehrlichkeit als Güterverwalter, Steuer- und Zollpächter, Schatzmeister machte sich geltend." Graetz. Im Jahre 1435 erhob sich auf der Insel Mallorca — Hauptjudengemeinde in Palma —, wo Lie Juden schon 50 Jahre vorher einmal ausgeräuchert waren, die Beschuldigung, die Juden hätten in der Charwoche einen Sklaven gekreuzigt. Ein Jude wurde Mitankläger seiner Glaubensgenossen; viele Juden -flohen, wodurch sie natürlich den Verdacht der Christen bestärkten, die meisten ließen sich aus Angst taufen. „So endete — sagt Graetz — die Gemeinde von Palma, die so viel zur Blüte der Insel beigetragen chatte; mit ihr schwand auch der Wohlstand deses fruchtbaren und günstig gelegenen (d. h. für den jüdischen Handel! der Verf.) Eilandes. Am härtesten wurde die Insel Mallorca für das Judengemetzel Ladurch bestraft (! der Verf.), daß die Handelsblüte, die einen schönen Anlauf genommen (hübsches Bild! Ler Verf.), seit der Zeit geknickt wurde und sich bis auf den heutigen Tag nicht wieder erhob." Unter den auf Mallorea zurückgebliebenen Marranos hat trotzdem schon 50 Jahre später die Inquisition noch einmal aufräumen müssen. 2