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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1901-01-01 · Beiträge zu einer Geschichte der Juden in Spanien und Portugal. · p. Seite 15

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1901
Issue
Beiträge zu einer Geschichte der Juden in Spanien und Portugal.
Date
1901-01-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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15 sinnurig der Bevölkerung gegen die.Juden, die ja als die eigentlichen Veranlasser des Bürgerkrieges angesehen wurden, blieb indessen bestehen und die christlichen Bewohner wandten stch mit ihren Klagen an den König. Der scheint die Berechtigung solcher Klagen auch eingesehen zu haben, denn er ließ sich wenigstens zu'zwei Beschränkungen der Juden bewegen. Erstens nämlich bestimmte er, daß sie streng gehalten sein sollten, das Judenabzeichen zu tragen (das sie natürlich in der Zwischenzeit wieder weggelassen hatten), und zweitens, daß sie die christlichen Namen, die sie — ganz wie heutzutage! — angenommen hatten, abzulegen hätten. „Dadurch war ihr kastilianischer Stolz aufs tiefste verletzt" — sagt Graetz mit unfreiwilliger Selbstironie. Auch erging der Erlaß, daß christliche Schuldner nur zwei Drittel des Kapitals zu zahlen hätten, wenn sie in kurzer Frist ihre Schulden tilgten. „Die meisten Juden ließen sich deswegen keine grauen Haare wachsen," sagt Bloch. — Was den jüdischen Leibarzt Me'ir betrifft, so geriet dieser, als Heinrich nach zehnjähriger Regierung starb, in den Verdacht, den König vergiftet, zu haben, was er denn auch auf der Folter bekannte. Die Folge davon waren „Verfolgungen" der Juden, die sämtlich vertrieben werden sollten, sich aber durch Bezahlung einer großen Geldsumme loszukaufen wußten. Heinrichs Schatzmeister, Joseph Pichon, wurde schließlich des Unterschleifes angeklagt, verhaftet und zu hoher Geldbuße verurteilt, dann aber wieder freigelassen. Er war bei seinen Glaubensgenossen wunderbarerweise. so verhaßt, daß-er vom Nabbinats-Kollegium als Aufhetzer und Verräter zum Tode verurteilt und in dessen Aufträge von zwei abgesandten Juden ermordet wurde. Das aber erregte denn doch allgemeinen Unwillen. Auch der neue König, Johann I (seit 1379), war höchst aufgebracht über diesen Akt der Selbstjustiz und ließ die Vollstrecker des Urteils, sowie den Richter-Rabbiner hinrichten. Dann entzog er den Rabbinern und jüdischen Gerichtshöfen die bis dahin von ihnen ausgeübte peinliche Gerichtsbarkeit. Auch. sollte fürderhin kein Jude mehr Schatzmeister werden dürfen; ferner wurde das Verbot des Zusammenwohnens von Juden und Christen, sowie das Verbot des Haltens christlicher Ammen und andere Beschränkungen erneuert.^) In Sevilla, wo es damals 23 (!) Synagogen gab, trat um diese Zeit der Priester Martinez in seinen Predigten gegen den verstockten Unglauben, den Hochmut, die Frechheit, die Geldgier und den Wucher der Juden auf. Ihre Frechheit bewiesen sie sofort, indem sie ihn wegen Hetzerei anzuklagen wagten und es durchzusetzen wußten, daß der Erzbischof von Sevilla ihm das Predigen untersagte. Da dieser aber bald starb, fuhr Martinez mit seinen Predigten fort. Im Jahr 1391 brach bann dort infolge des angesammelten Haffes gegen die Juden eine Verfolgung aus, und von den 20- bis 30000 dortigen Juden sollen 4000 getötet worden sein; die übrigen ließen sich taufen. Die Synagogen wurden meist zerstört oder in christliche Kirchen verwandelt. Auch anderswo in Spanien empörten sich um diese Zeit die gereizten Christen gegen die jüdischen Blutsauger, so in Cordova, Toledo, Valencia, Barcelona^) wo sie überall große Reichtümer zusammengebracht hatten^) und zahlreiche Synagogen besaßen. Dazu kamen wiederholte Beschuldigungen wegen Hostien- 34) .Papst Clemens YI. erließ um diese Zeit eine Bulle: Tie Juden sollten nicht ohne richterliches Urteil gelötet, nicht gewaltsanl getauft oder ihrer Güter beraubt werden. 30 In Barcelona "sollen sich — nach Graetz — bei dieser Gelegenheit 11000 Juden gelaust haben. 3«) Bloch führt aus: „Die Thatsache, daß alle Juden reich gewesen, war keineswegs, wie vielfach behauptet wird, eine Ursache, sondern eine Wirkung aller dieser Verfolgungen. Ueberall im Mittelalter, wo der ärmere Teil der Juden, der sich nicht durch hohe Protektion und Bestechung vor Verfolgung zu schützen in der Lage gewesen, den harten Schicksalsschlägen erlegen war, — waren alle Juden reich."(!)

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