Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1901
- Issue
- Beiträge zu einer Geschichte der Juden in Spanien und Portugal.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
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14 Macht als die Granden des Reiches und besaß fürstliche Reichtümer; 80 schwarze Sklaven dienten in seinem Hause. Natürlich war er dabei der Schützer seiner Volksgenossen, beförderte viele Juden zu AemLern und gab ihnen Gelegenheit, sich, zu bereichern. Aber die Juden haben offenbar noch mehr von ihm verlangt, denn Graetz ist mit seiner Sorge für die Zukunft seines Stammes und seiner Religion nicht sehr zufrieden. Samuel baute im Jahre 1357 eine, große und Pächtige Synagoge in Toledo, und viele Juden sahen in seiner hohen Machtstellung und in der anderer Glaubensgenossen schon das neue Reich Juda sich verwirklichen. Er häufte seinen Reichtum immer mehr und machte sich dadurch beim (christlichen) Volke immer verhaßter, wie es auch die von ihm angestellten Steuerpächter thaten. Das wurde denn endlich selbst dem Könige zu toll und er ließ Samuels ganzes Vermögen, das erstaunlich groß und größtenteils unter den Kellern seines Hauses versteckt gewesen sein soll, einziehen, den Juden selbst aber verhaften und foltern, damit er den Bewahrungsort Weiterer Schätze angebe (1360). Das that dieser aber nicht, sondern ließ sein Leben auf der Folter. Im übrigen blieb Peter weiter ein Gönner und Schützer der Juden. Als seine Gemahlin plötzlich starb, trat die Behauptung auf, er habe sie von. einem Juden durch Gift aus der Welt schaffen lassen; andere behaupteten, Juden hätten sie im Einverständnisse mit Peter nachts überfallen und erwürgt. Schließlich erregte die Judenwirtschaft Peters, der übrigens, wie sich aus dem folgenden ergeben wird, von einigen Geschichtschreibern selbst für einen jüdischen Bastard erklärt wird, den äußersten Unwillen des Volkes und sein Halbbruder Heinrich unternahm einen Feldzug gegen ihn, wobei die Juden, weil sie sich auf Peters Seite stellten, stark zu leiden hatten. Heinrich siegte über Peter und ließ sich zum Könige ausrufem Da behandelte, er die Juden als seine Gegner natürlich nicht sehr glimpflich. Das ganze Reich fiel ihm zu, auch die Thore der Hauptstadt Toledo öffneten sich ihm. Peters letzte Zufluchtsstätte, die Stadt Sevilla, soll durch Verrat der Juden an Heinrich gefallen und Peter selbst nur durch eine jüdische Geliebte — noch eine! — gerettet worden sein, worauf er über die Pyrenäen flüchtete. Es gelang ihm zwar, noch einmal gegen Heinrich zu Felde zu ziehen, er mußte aber bald wieder vor demselben fliehen (1367). Unter allen diesen Wechselfällen hatten erklärlicherweise die Juden bejonders zu leiden, — und mit Recht, denn sie waren ja die eigentlichen. Veranlasser der Wirrnisse. Heinrich scheint sie tüchtig herangenommen zu haben, denn viele traten aus Angst zum christlichen Glauben über, andere wanderten aus. Am meisten traf das Gericht die jüdische Gemeinde in Toledo — nach jüdischen Angaben sollen dort (1368) 8- bis 10000 Juden bei der Belagerung durch Heinrich umgekommen sein. Endlich siegte Heinrich (1369) völlig über Peter. Beim Zusammentreffen der Brüder im Kampfe soll jener diesen niedergestochen haben mit den Worten: „Wo ist dieser Jude, Sohn einer Dirne, der sich König von Castilien nennt?" Heinrich war nun König von Castilien, nachdem der Bruderkrieg unter den Juden tüchtig aufgeräumt hatte. Aber auch er scheint die Juden nicht mehr haben entbehren zu können, namentlich zur Bezahlung der durch den Krieg entstandenen Schulden. So zog denn auch er sie wieder in den Staats- und besonders Finanzdienst. Einen derselben, Joseph Pichon aus Sevilla, machte er zum Obersteuereinnehmer und Schatzmeister (vergl. dessen Schicksale im Folgenden!) und einen anderen, Meir, zu seinem Leibarzte (vergl. auch dessen Schicksal später!). Ersterer namentlich gewann sehr bald bedeutenden Einfluß bei Hofe und zog wieder andere reiche Juden und solche, die es werden wollten, an den Hof. Die feindselige Ge-