Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1901
- Issue
- Beiträge zu einer Geschichte der Juden in Spanien und Portugal.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9038025-9038028-423317--272-185246- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
13 immerhin noch hoch genug, nämlich 33 pCt., und entsetzte seinen Schatzmeister seines Amtes. Später verbot er auf dringende Vorstellungen den Juden den Wucher überhaupt, gestattete ihnen aber, Ländereien zu erwerben. — Dagegen erhielt sein Leibarzt das Privileg, die Münzen des Landes zu einem niedrigeren Münzwerte prägen zu dürfen.^) Durch die Münzentwertung entstand Teuerung der Lebensmittel, was das Volk noch mehr erbitterte. Zu weiterer Erbitterung des Volkes trugen auch andere Umstände bei. Als nämlich im Jahre 1821 eine Pest ausbrach, beschuldigte man die Juden, das Wasser in den Brunnen vergiftet zu haben. Ferner trat ein getaufter Jude. Abner aus Burgos, gegen seine ehemaligen Glaubensgenossen mit bitterem Hasse auf, wobei er umsomehr Erfolg und Zustimmung hatte, als er selbst in der jüdischen Litteratur sehr bewandert und so in der Lage war, dieselbe gegen das Judentum recht auszunutzen. So z. B. bewies er dem Könige, daß die Juden in ihren Geboten eine Verwünschungsformel gegen den Christengott und seine Anhänger hätten. Die befragten Vertreter der jüdischen Gemeinden bestritten das nun zwar, aber Alfons war mißtrauisch geworden: er verbot einfach das Gebet mit der Formel. Zu derselben Zeit erhob man auch gegen die Juden Beschuldigungen wegen Beschimpfung des heiligen Sakraments; es scheint ihnen aber unter königlichem Schutze nichts geschehen zu sein. Kurz darauf erhob sich in Toledo ein Aufstand der Christen, die wahrscheinlich unmenschlich bewuchert worden waren33), gegen die Juden, wobei eine sehr große Zahl derselben umgekommen sein soll; viele Juden sollen sich aus Angst vor der Wut der Christen, die also offenbar sehr aufgebracht waren, selbst den Tod gegeben haben. „Alfons mußte, — sagt Bastholm — obgleich er Gönner der Juden war, allen diesen Unruhen durch die Finger sehen, da er sich nicht im stände fühlte, sie zu stillen. König Alfons XI. starb an der Pest. „Auch nicht eine leise Stimme klagte die Juden als Urheber dieses Todes an" — sagt Graetz. (Weshalb konstatiert er hier etwas, was kein Mensch behauptet?) Unter Alfons' Sohn und Nachfolger Peter (1360—1369) stieg der jüdische Einfluß zu einer Höhe wie nie zuvor; natürlich hatte er wieder jüdische Vertraute und Günstlinge, besonders einen jüdischen Leibarzt und einen jüdischen Finanzminister, namens Samuel. Graetz schildert die Umgebung des Königs mit folgenden Worten: „Er war überhaupt so sehr von Juden umgeben, daß sein Hof von seinen Feinden (worunter natürlich jüdischerseits diejenigen verstanden werden, die es gut mit ihm meinten! Der Verf.) als ein jüdischer verschrieen wurde." Die günstigen Folgen des Einflusses dieser beiden Juden für die ganze Judenschaft kann man sich leicht vorstellen. Die Königin aber mochte die Juden nicht leiden. Ein Grund für diese Abneigung der Königin wird aus dem weiter unten Folgenden klar. Deshalb intriguierten diese gegen sie beim Könige durch dessen Vertraute, und es gelang ihnen, denselben mit der Königin zu verfeinden; um so eher, als sie ihm eine Maitreffe — von der selbst jüdische Geschichtschreiber behaupten, daß sie Jüdin gewesen sei, was allerdings andere bestreiten — in die Hände spielten, bei der sie sich dann beliebt zu machen wußten. Unterdessen stieg der Jude Samuel immer höher in der Gunst des Königs, hatte (nach Graetz) mehr Später verfiel auch dieser in Ungnade, Kerker und Vermögensverlust. Ein so milder Beurteiler der Juden wie Bastholm muß doch zugeben, daß „dies besondere Lolk niemals hat Ruhe ertragen können, ohne sie zu mißbrauchen. Durch den Schutz, den sie genossen, stieg ihr Wucher und ihre Unverschämtheit immer höher."