Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1901
- Issue
- Beiträge zu einer Geschichte der Juden in Spanien und Portugal.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 Die Juden in Spanien im 13. Jahrhundert. Im Jahre 1215 beschloß das Lateranische Konzil unter Jnnocenz III., daß alle Juden ein sie von den Christen unterscheidendes Abzeichen tragen sollten (den sogenannten Judenflecken), eine Bestimmung, gegen welche die spanischen Juden sich sehr sträubten; und es gelang ihnen denn auch, durch ihre Verbindungen an den Höfen (Leibärzte, Minister) vielfach vom Tragen des Abzeichens befreit zu werden. Im Anfänge dieses Jahrhunderts wurden die Juden wieder beschuldigt, die Stadt Toledo an die Mauren verraten zu haben, was ihnen eine harte Verfolgung zuzog, bei der sich (nach jüdischen Berichten) besonders der Bischof von Toledo hervorgethan haben soll. Bei dieser Stadt versammelten sich damals die Kreuzfahrer, und die Vermutung liegt nahe, daß sie ihren Zug gegen die Ungläubigen damit eröffneten, zunächst unter den verräterischen Juden etwas aufzuräumen. Diese „Verfolgung", die vom Könige Ferdinand unterstützt worden sein soll, nennt Abarbanel eine der vier härtesten, die sie in Spanien zu bestehen gehabt hätten, und fügt hinzu, daß bei derselben mehr Juden aus Spanien fortgezogen seien, als Moses' aus Aegypten geführt hätte. (!)23) In dieselbe Zeit 1250 fällt auch die Beschuldigung, daß die Juden einen jungen Chorsänger an der Kathedrale in Saragossa, Dominikus mit Namen, weggeführt (d. h. geraubt) und gekreuzigt hätten. Zum Glücke für sie hatte diese Beschuldigung keine weiteren Folgen, was allerdings verwunderlich ist. Da werden sie also Wohl Mittel und Wege gefunden haben, solchen Folgen vorzubeugen. Unter allen diesen Umständen sollen wieder viele Juden scheinbar zum Christenglauben übergetreten sein. In Castilien 24) fanden die Juden (Mitte dieses Jahrhunderts) viel Gunst bei dem Könige Alfons X (1252—1284), dessen Vater Ferdinand ihnen nicht besonders hold gewesen war. Alfons aber räumte nach der Eroberung von Sevilla den dortigen Juden — die seiner Eroberung wahrscheinlich Vorschub; leisteten — drei Moscheen ein, die sie in Synagogen verwandeln durften. Dieser König, der sich der Astronomie befleißigte, bediente sich bei diesem Studium jüdischer Astronomen. Sein Leibarzt Juda übersetzte auf seinen Befehl die astronomischen Werke des Avicenna und schuf eine neue Einteilung der Sterne. — Alfons hatte auch einen jüdischen Naturforscher, Samuel Halevi, an seinem Hofe und vertraute Juden wichtige Staatsämter an; so z. B. ernannte er den Juden Me'ir zu seinem Schatzmeister, dessen Nachfolger später sein Lohn Isaak wurde. Es blieb nun in Castilien eine geraume Zeit hindurch Sitte, dieses bedeutende und einflußreiche Amt Juden anzuvertrauen, die das natürlich gut auszunutzen verstanden. Als dann der Papst herrenlos" und „wer sie zuerst ergreift, hat das Verdienst". Dasselbe lehrt der Talmud und Schulchan aruch; vergl. dazu Th. Fritsch, Antisemiten-Katechismus, und R. Andree, Zur Volkskunde der Juden, in beiden auch die Abschnitte über den „Kahal". — 23) II. Mos. 12,37 werden beim Auszuge aus Aegypten in runder Zahl KOOOOOMann abgegeben. Als man das Volk 13 Monate später genauer zählte, fand man (nach IV. Mos. 4,46) 603 550 Männer zwischen 20 und 60 Jahren, ohne die Leviten. Rechnet man dazu die Jünglinge bis 20 und die Greise über 60 Jahre, ferner die vielen Weiber (da sie ja in Polygamie lebten) und die große Menge, die' mit ihnen zog (II. Mos. 12, 38), worunter viele Knechte und Mägde gewesen sein mögen, so werden wir mit Einschluß der Leviten wenigstens 3 Millionen Köpfe annehmen müssen. — Ob diese Angaben der biblischen Ueberlieserung der Wahrheit entsprechen, mag dahingestellt bleiben (vergleiche Antisem. Jahrbuch 97, S. 53), wir führen sie nur an, um zu erläutern, welche Judenmassen nach Abarbanels Zeugnis damals in Spanien vorhanden gewesen sein müßten. 2i) Auch hier soll um 1250 ein Stabbin er in seinem eigenen Hause ein Christenkind geopfert haben. Vergl. H. Desportes, Le mystöre du sang.