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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1901-01-01 · Beiträge zu einer Geschichte der Juden in Spanien und Portugal. · p. Seite 9

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1901
Issue
Beiträge zu einer Geschichte der Juden in Spanien und Portugal.
Date
1901-01-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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— 9 viel erträglicher, als in Deutschland, England und Frankreich. „Sie lebten hier wie im Paradiese," sagt Graetz in seiner Geschichte der Juden. Namentlich unter Alfons VIII. (1158—1214), unter dessen Regierung wieder ein Jude, Joseph mit Namen, Minister war, der erklärlicherweise für den Vorteil seiner Glaubensgenossen sorgte, wenn sie auch (wie von einigen berichtet wird) dafür tüchtig zahlen mußten — machten sich doch dergleichen Abgaben bald und gut bezahlt. Von diesem Haus- und Finanzminister wird berichtet, daß er einen fast königlichen Hofhalt führte und die Söhne der vornehmsten spanischen Familien in seinen Diensten standen. Wenn er sich öffentlich sehen ließ, begleiteten ihn 50 Trabanten und er fuhr in einer Karosse, was damals als etwas Unerhörtes galt und allgemeines Aufsehen erregte; und als er starb, mußte das ganze Kriegsheer auf königlichen Befehl seine Leiche nach Cordova begleiten. Auch einen jüdischen Leibarzt hatte Alfons; denn da die Arzneikunde damals meist von Juden ausgeübt wurde, so hatten fast überall die Fürsten solche zu Leibärzten, die dann natürlich ihren Einfluß zu benutzen verstanden. Unter Alfons' Regierung sollen in Toledo, der größten und reichsten Judengemeinde in Spanien, nicht weniger als 12000 jüdische Familien, d. h. ungefähr 60000 Seelen gelebt haben, und alle wurden immer wohlhabender.^) Und welches war die Hauptursache, daß Alfons die Juden so sehr begünstigte? Er hatte eine jüdische Maitresse (Namens Rahel), und diese seine Schwäche wußte sich selbstverständlich die Judenschaft zu Nutze zu machen, so daß schließlich der Uebermut unter ihnen unerträglich wurde. Um die daraus entstehenden Unordnungen zu hemmen und unterdrücken, mußte man zu dem Mittel greifen, jene Jüdin aus der Welt zu schaffen.^) Unfug trieben die Juden übrigens damals, wie in mehreren anderen Ländern, auch in Spanien mit dem Auftreten eines falschen Messias (1157). Dieser falsche Messias, von dem Maimonides, der selbst im Jahre 1148 Spanien verlassen mußte, berichtet^), sollte in Cordova geboren sein, und die-Juden wurden zu dem Glauben an ihn durch eine Schrift verleitet, die einer ihrer Rabbiner verfaßte und in der er aus der Bewegung der Sterne darzuthun suchte, daß die Ankunft des Messias nahe bevorstehe. Zehn Jahre darauf meldete ein anderer die Ankunft des Messias, der innerhalb eines Jahres erscheinen werde. Aber mit den Weissagungen war es nichts, sie erweckten höchstens den Spott des Volkes. 20) Im Jahre 1282 sollen es nach jüdischen Angaben schon gegen 70 000 gewesen sein. — Diese riesigen Zahlen werden einigermaßen" verständlich, wenn man bedenkt, daß sich bei den in der Zerstreuung in Europa lebenden Juden noch bis tief in das Mittelalter hinein und wohl darüber hinaus die Vielweiberei erhalten hat. In Navarra z. B. ist sie noch im 13. Jahrhundert nachgewiesen. Bis in das 19. Jahrhundert hinein wirft die Polygamie der europäischen Juden ihren Schatten, denn noch 1806 wurde der von Napoleon nach Paris einberufenen jüdischen Notabelnversammlung die Frage vorgelegt, ob die Juden mehrere Frauen heiraten dürften. Die Versammlung entschied sich damals für Monogamie. Vergl. Andree, Zur Volkskunde der Juden. S. 147/148. 2*) Nach Mariana, Inst, de reb. Hispan. Der Stoff ist behandelt von Franz Grillparzer: Die Jüdin von Toledo, historisches Trauerspiel. 22) Derselbe Maimonides, der mit schamloser Frechheit erklärt, daß zwischen Christen und Götzendienern kein Unterschied sei. Er schreibt nämlich Aboda Zara 78,3 wörtlich: „Wisse, daß dieses Volk der Nazarener, welche Jesu nachirren, wiewohl ihre Dogmen verschieden sind, dennoch alle Götzendiener sind und man mit ihnen verfahren muß, wie man mit Götzendienern verfährt." Was er darunter versteht, erfahren wir an anderer Stelle, wo er wörtlich sagt: „Und die Leugner, nämlich die Anhänger des Nazareners, welche die mündliche Lehre (d. i. den Talmud) leugnen, ist es ein gutes Werk zu töten: wenn dies aber nicht möglich ist, dann verursache man ihnen den Tod." Aboda Zara Perek 5. An noch anderer Stelle erklärt dieser von seinen Stammesgenossen hochgefeierte Jude: „Alle Güter der Nichtjuden sind

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