Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1901
- Issue
- Beiträge zu einer Geschichte der Juden in Spanien und Portugal.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 Unter der maurischen Herrschaft nun feierten die Juden in Spanien ihr goldenes Zeitalter; sie erhielten — nach Graetz — völlige Religionsfreiheit, durften die Gerichtsbarkeit über Glaubensgenossen üben und hatten nur eine Kopfsteuer zu zahlen» In dieser Zeit trieben sie auch bedeutenden Sklavenhandel^). Während in dem christlichen Staaten Spaniens das Mißtrauen der Kirche und die Abneigung dev christlichen Bewohner — die Gründe für beides, Mißtrauen und Abneigung, kennen wir ja schon! — die Juden bisher noch niederhielten, genossen sie unter den Chaliferr nicht nur höchste Duldung, sondern stiegen sogar öfters zu höheren Staatsämtern, auf. Sie übernahmen (nach Bloch) gewöhnlich „die Bewachung der (von den Mauren) eroberten Städte (nachdem sie dieselben durch Verrat in die Hände dev Feinde gespielt hatten! Der Verf.) und machten das Besatzungsheer überflüssig." Da konnten sie denn natürlich nach Belieben sauber wirtschaften! Unter dem Chalifen Abderrhaman III. (im 10. Jahrhundert) leitete ein Jude^ mit Namen Chasdai, die auswärtigen Angelegenheiten. Er trat u. a. mit dem Könige der Chazaren am Kaukasus in Verbindung» In diesem Reiche lebten bekanntlich viele Juden, die sich am Schwarzen Meere immer weiter ausbreiteten und später auch nach Polen zogen. (Vergl. hierzu meine „Beiträge zu einer Geschichte der Juden in Polen", Seite 6.) Dieser Chazarenkönig soll sogar zum Judentum übergetreten sein. Natürlich war Chasdai zugleich Handels- und Finanzminister und machte — wie Graetz sagt — seine hohe Stellung für seine Glaubensgenossen „nutzbar". Die fortwährenden Kriege zwischen Mauren und Christen (vergl. dazu S. 7) boten den Juden erwünschte Gelegenheit, ganz, im Stillen ihre Charaktereigentümlichketten weiter zu entwickeln und auszubilden; sie wurden während dieser Zeit noch zahlreicher und immer vermögender! Die Jude» in Spanien im 11. und 13. Jahrhundert. Im 11. Jahrhundert zogen die Juden aus den fortgesetzten Kriegen weiten ihre Vorteile. In dieser Zeit war wieder ein Jude, Samuel Levi, genannt Ha-Nagid' (der Fürst), (f 1055), Minister (beim Fürsten von Granada) und wußte diese einflußreiche Stellung natürlich im Interesse seiner Glaubensgenossen auszunutzen. In keinem Lande der Welt genossen überhaupt — nach Graetz— die Juden damals eine so durchgreifende Gleichstellung wie in Granada. Dort wollte in jener Zeit ein Rabbi alle Muhamedaner zum Judentume bekehren, wurde aber dafür hingerichtet (1066), und nun erfolgte eine kleine Judenverfolgung, beider — nach Bloch — 1500 Judenfamilien (!) umgekommen sein sollen, die sich jedoch zu ihrem Glücke nicht weiter ausdehnte. Schärferen Angriffen seitens der bedrängten Christen waren sie etwa zu derselben Zeit in Castilien ausgesetzt, wußten dieselben aber durch ihv Geld zu besänftigen und erlangten noch mehr Rechte und Freiheiten, als sie schon besaßen. ' ' Im folgenden (12.) Jahrhunderte verursachten die Kreuzzüge, daß viele Juden aus den östlichen Ländern nach Spanien, Frankreich und anderen westlichen Ländern flüchteten. Besonders in Spanien aber war ihr Schicksal um diese Zeit „Schon in den frühesten westgotischen Zeiten verstanden es die.Juden, als Sklavenhändler und Geldvermittler sich Einfluß und Macht zu verschaffen. Waren sie auch nicht allerorten, wie bei dem spanischen Mauren, mächtige Staatsminister, die, dem Beispiele Mardochais folgend, die einträglichstem Aemter mit „der Menge ihrer Brüder" füllten, brachten sie es auch nicht überall, wie im katholischen Spanien, zum Bischof und Erzbischof, so war doch ihr Einfluß überall und immer ein großer . . . . . Wer befähigt wäre, Geschichte mit dem einen Zwecke zu studieren, den jüdischen Einfluß genau zu entwirren^ würde, glaube ich, unerwartete Ergebnisie zu Tage fördern." Chamberlain S. 333. —