Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1900
- Issue
- Aus der Statistik.
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 206 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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206 Die Juden behaupten nun mit großer Beharrlichkeit, daß die durch unsere Zahlen so überzeugend beleuchtete Einseitigkeit in der Berufswahl bei ihnen lediglich Folge der angeblichen Unterdrückungen sein soll, denen sie Jahrhunderte lang aus- -gesetzt gewesen wären. Nun lehrt zwar schon eine oberflächliche Betrachtung, daß sich ihre Vorliebe für einzelne Berufsarten im Laufe des letzten Jahrhunderts, in dem ihnen doch jeder Beruf mit Einschluß des landwirtschaftlichen, zugänglich war, nicht wesentlich geändert hat. Dennoch wollen wir an die Statistik die Frage richten, ob im Laufe der letzten Zeit irgend eine merkliche Verschiebung in der Berufsthätigkeit der Juden wahrnehmbar sei. Die Reichsstatistik bleibt uns, ihrer Art -getreu, auch hier die Antwort schuldig, denn sie hat sich bei der Berufszählung im Jahre 82 nicht herbeigelassen, Angaben über die jüdische Bevölkerung zu machen. Die preußische Statistik hat das aber gethan, und so können wir die Berufsthätigkeit der Juden in Preußen für die Jahre 1882 und 95 in Vergleich stellen, wie es die Tafel VII thut. Tafel VH. Die erwerbsthätigen Juden in Preußen 1882 und 1895 tiadj dem Geschlecht und derBerufsstelluug für die Haudt-Berufsabteilungen. Berufsabteilung Män Erwerb 1882 nliche sthätige 1895 Wei Erwerb 1882 bliche sthätige 1895 a. j B. . . j S-M-ZZ 0. E. Hof- und Staatsdienst usw. (ohne Armee). F. Berufslose Selbständige .... 2. 651 638 14 029 8 499 43 913 25 649 4 676 8 840 3. 623 488 13 609 12 013 44 413 29 016 6 890 11262 4. 176 243 4154 1 865 4 903 3 731 749 9 106 5. 215 324 3 306 4318 5159 7 987 1239 13 470 Erläuterungen: Die Berufsabteilungen A, B, C u. s. iv. haben dieselbe Bedeutung wie in 'Tafel IV. — Die d-Gehilfen und e-Gehilsen mußten für diesen Vergleich zusammengefaßt werden, weil die „konfessionelle" Berufsstatistik für 1882 zwischen beiden keine Unterscheidung macht. — Bei der Berufsabteilung E sind die im Heere dienenden Juden ausgeschlossen worden, weil diese Thätigkeit nicht als Ausfluß Ihrer Neigungen, sondern als Folge der allgemeinen Wehrpflicht zu betrachten ist. — Die jüdische Bevölkerung Preußens belief sich bei der Berufszählung von 1882. aui 357 554 Personen, bei der Berufszählung won 1895 ergiebt die Interpolation mit Hilfe der für den Dezember bei der Volkszählung ermittelten Zahl 376 855. Die Tafel ergiebt ja allerdings gewisse leichte Veränderungen in der Berussstellung der Juden, insbesondere zeigt sie, daß im Jahre 1882 die Juden verhältnismäßig noch mehr in den selbständigen Stellungen vorherrschten als im Jahre 1895. Daß die proletarisierenden Wirkungen unserer verkehrten Wirtschaftsordnung auch an ihnen nicht spurlos vorübergegangen sind, spricht sich darin aus, daß sie jetzt verhältnismäßig häufiger in abhängigen Stellungen (als Gehilfen) Vorkommen und daß sich die Zahl der weiblichen Erwerbsthätigen bei den Juden recht erheblich gesteigert hat. Aber eine Aenderung ihrer Neigungen für die einzelnen Berufe läßt sich durchaus nicht Nachweisen. Unverkennbar wird auch jetzt noch der Handel und demnächst die Industrie bevorzugt. Nichts aber läßt sich davon wahrnehmen, -Laß sich die Juden anschickten, ihren Anteil an der landwirtschaftlichen