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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1900-01-01 · Aus der Statistik. · p. Seite 195

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1900
Issue
Aus der Statistik.
Date
1900-01-01
Page
Seite 195 (sequence 12)
Language
German
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195 Nötigung und Bedrohung in die Augen fällt. Die Verurteilungen wegen schwerer Körperverletzung haben sich dem absoluten Betrage nach säst verdoppelt. In der zweiten Gruppe, die die Delikte aus Gewinnsucht umfaßt, tritt besonders die starke Zunahme der Kriminalität in Bezug auf Betrug, die um die Hälfte ihres Betrages gewachsen ist, und die Steigerung von Zuwiderhandlungen in Bezug auf die Konzessionspflicht hervor, in der die Kriminalität sich mehr als verdoppelt hat. Die letzte Gruppe umfaßt die falsche Anschuldigung und die Beleidigung, zwei Delikte, die am letzten Ende auf mangelhaft entwickeltes Ehrgefühl zurück- .zuführen sind. Wir werden weiter unten sehen, daß die beiden letzten Gruppen, die der Delikte aus Gewinnsucht und der Delikte mangelhaften Ehrgefühls, spezifisch jüdische sind. Daß sich bezüglich des Diebstahls die Kriminalität augenblicklich gerade günstig gestaltet hat, wurde schon erwähnt. Die Zahlen sind folgende: Im Durchschnitt der Jahre 1882—84 wurden wegen einfachen Diebstahls verurteilt 88 803 Personen (Kriminalität 278) und wegen schweren Diebstahls-10 998 Personen (Kriminalität 35); im Durchschnitt der Jahre 1895—97 aber wegen einfachen Diebstahls nur 81 000 (Kriminalität 220) und wegen schweren Diebstahls 11540 (Kriminalität 32). Das unerfreuliche Bild allgemeiner Verrohung und weit verbreiteter Abschwächung des Ehrgefühls wäre unvollständig, wenn wir nicht noch einen Blick auf die jugendlichen Verbrecher werfen wollten. Von Personen unter 18 Jahren wurden im Durchschnitt der drei Jahre 1882—84 30 673 im Reichsgebiet verurteilt, im Durchschnitt der Jahre 1895—97 aber 44 663. Die Zunahme dieser jugendlichen Verbrecher ist viel größer als dem Bevölkerungszuwachse entspricht; denn von 1880 auf 1895 wuchs die Bevölkerung nur von 45 auf 52 Millionen. Wir wollen uns auch hier an die Kriminalitäten halten, d. h. an die Zahlen, die angeben, wieviel Verurteilte auf je 100 000 Personen im Alter von 12—18 Jahren kamen. Da finden wir denn, daß wegen aller Vergehen und Verbrechen gegen Reichsgesetze überhaupt im Durchschnitt der Jahre 1882—85 die Kriminalität der jugendlichen 562 war, im Durchschnitt der Jahre 1892—94 aber 703. Wir sehen bei einem Vergleich mit Tafel II, daß bei den Jugendlichen die Zunahme bedeutend stärker als bei der Gesamtheit der Strafmündigen überhaupt ist. Eine eingehende Vergleichung bezüglich der einzelnen Deliktsarten würde umfangreiche Rechnungen erfordert haben, weil die betreffenden Übersichten der amtlichen Statistik für die verschiedenen Jahre recht planlos und nach verschiedenen, fortwährend wechselnden Gesichtspunkten angeordnet sind. Darum habe ich davon abgesehen, die Kriminalität der Jugendlichen in einer Tafel darzustellen und beschränke mich darauf, nur folgendes anzuführen: Bei der Körperverletzung ist die Kriminalität von 71 für die Jahre 1882—85 auf 114, für die Jahre 1892—94 gestiegen, bei Diebstahl und Unterschlagung von 353 auf 395, bei Beleidigung von 11 auf 18. Wir sehen also auf allen Gebieten, sogar auf dem des Diebstahls, ein Anwachsen der Kriminalität bei den Jugendlichen. Für die Jahre 1895 — 97 lassen sich die Kriminalitäten aus den amtlichen Mitteilungen bis jetzt noch nicht entnehmen, sondern nur die absoluten Zahlen. Aus ihnen ist zu ersehen, daß die Gesamtkriminalität der Jugendlichen in diesen drei Jahren nicht weiter gewachsen ist, ja daß wahrscheinlich sogar ein kleiner Rückgang zu verzeichnen sein wird: Das ist die Folge davon, daß auch bei den Jugendlichen in diesen drei Jahren infolge günstiger wirtschaftlicher Verhältnisse der Diebstahl 13*

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