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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1900-01-01 · Aus der Statistik. · p. Seite 193

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1900
Issue
Aus der Statistik.
Date
1900-01-01
Page
Seite 193 (sequence 10)
Language
German
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Angelegenheiten, insbesondere auch um die wirtschaftliche Gesundheit der Gesellschaften kümmern sich die Verwaltungsräte sehr wenig, sie betrachten dieselben vielmehr als Ausbeutungsobjekt für diejenigen Bankunternehmen, bei denen sie selbst in erster Linie beteiligt sind, und ihren Einfluß wenden sie nur soweit an, als es nötig ist, um diese Ausbeutung zu betreiben. Hiernach ist zu beurteilen, was die Aktionäre an diesen Auffichtsräten für eine Vertretung haben; hieraus ergiebt sich ferner, daß die Anlage von Kapital in Aktien ein äußerst gewagtes Unternehmen ist und daß somit die Bildung von Aktiengesellschaften überhaupt und die Ueberführung des Erwerbslebens in die Form von Aktiengesellschaften auch nicht einmal im Interesse des Kapital besitzenden Publikums wünschenswert ist. Einen wertvollen Beitrag zur Entwicklung unseres gewerblichen Lebens enthält die Statistik in ihren Angaben über das Lehrlingswesen: Wir sehen da, daß die Großbetriebe unfähig sind, die Arbeitskräfte zu erziehen, deren sie bedürfen. Von allen gewerblichen Lehrlingen nämlich wurden 401 982 (57 unter Hundert) in Kleinbetrieben, 171 769 (25 unter Hundert) in Betrieben mit 6—20 Personen und nur 127 282 (18 unter Hundert) in Betrieben mit mehr als 20 Personen gehalten. Von einem besonderen Nachweise für die verschiedenen Berufsabteilungen: a) Gärtnerei usw., b) Industrie usw., c) Handel, Verkehr usw., sehe ich ab, weil die Erscheinung in allen drei Abteilungen genau dieselbe ist. Der Großbetrieb kann wegen seiner weit fortgeschrittenen Arbeitsteilung den Lehrlingen keine umfassende Ausbildung geben. Deshalb mutz hier nach wie vor der Kleinmeister eintreten. Mit Recht sagt die amtliche Statistik, daß „kleinere Handwerksmeister in der Regel mehr Gelegenheit bieten, um ein Gewerbe mit seinen Eigenarten und in allen seinen Teilen gründlich zu erlernen". Aber nicht nur die gewerbliche Ausbildung, sondern auch die persönliche Erziehung derjenigen Lehrlinge, die sie angenommen haben, lassen sich die kleinen Gewerbetreibenden in weit höherem Maße angelegen sein, als die Großbetriebe. Von den gehaltenen Lehrlingen wohnten im Haushalte ihres Lehrherrn bei den Betrieben bis zu 5 Personen 77 unter Hundert, bei den Betrieben von 6—20 Personen nur noch 46, bei Betrieben mit über 20 Personen nur noch 6 unter Hundert. Wer sich vergegenwärtigt, wie sehr jugendliche Personen in diesem Alter noch der häuslichen Erziehung und Anleitung bedürfen, der wird leicht ermessen können, wie verderblich es ist, daß von den Lehrlingen der größeren Betriebe nur noch ein so kleiner Bruchteil der persönlichen Erziehung durch den Lehrherrn teilhaftig wird. An und für sich aber ist es völlig begreiflich, daß die Besitzer von Großbetrieben ihre Lehrlinge nicht in ihren Haushalt aufnehmen können, steht dieser doch in der Regel überhaupt in keiner Verbindung mehr mit dem gewerblichen Betriebe, wie das beim Kleinmeister zum Heile aller Beteiligten der Fall ist. II. Aus der Kriminalstatistik. Die Wirkungen unserer gedankenlosen Wirtschaftspolitik zeigen sich in erschreckendem Maße auch in den Zahlen der Kriminalstatistik. Die Kriminalität des deutschen Volkes ist seit dem Jahre 1882, in dem der erste Band der amtlichen Kriminalstatistik erschien, ganz erheblich gewachsen und das Wachstum würde sogar noch viel größer sein, als es uns aus der folgenden Tabelle entgegentritt, wenn nicht gerade in den letzten Jahren, dank der augenblicklich so günstigen wirtschaftlichen Lage eine erhebliche Verminderung der Verurteilungen wegen Diebstahls erfolgt wäre. Das wird aber in dem Augenblick in sein Gegenteil Umschlägen, wo infolge

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