Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1900
- Issue
- Aus der Statistik.
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 187 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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187 schästigt ist. Uns kommt es aber hier nicht darauf an, die einzelnen Gewerbearten sondern die einzelnen selbständigen gewerblichen Unternehmungen als wirtschaftliche Einheiten zu erfassen. Nun hat freilich eine ähnliche Zerlegung auch im Jahre 1882 stattgefunden. Damals aber ist die Teilung nicht soweit getrieben worden, denn es wurden nur 248 Gewerbearten unterschieden, gegen 320 im Jahre 95. Außerdem hat die Tendenz, verschiedenartige Gewerbe unter gemeinsamer Leitung zu betreiben, zugenommen. Daher stehen bei der 1895 er Betriebszählung weit mehr Betriebe auf dem Papier als bei der 1882 er. Von diesen in Wirklichkeit als wirtschaftliche Einheiten nicht vorhandenen Betrieben gehören allein 78 921 zu Kleinbetrieben mit Gehilfen. Das ist aber immer noch nicht Alles. Das Filialenw esen hat bekanntlich im kaufmännischen Gewerbe in letzter Zeit einen großen Umfang erreicht. Es wurden nun bei der Gewerbezählung die Filialen als selbständige Betriebe gerechnet, und es ist nach dem Wortlaute der benutzten Fragebogen außerordentlich unwahrscheinlich, daß überall kenntlich gemacht worden ist, welche Filialen zu einem Gesamtbetriebe gehörten. Der Fragebogen sagte nämlich darüber unter Nr. 14: „Wenn Sie Gewerbebogen für verschiedene Gewerbszweige ausfüllen, so wollen Sie angeben, ob diese Gewerbszweige sämtlich oder ob mehrere derselben einen Gesamtbetrieb bilden". Da nun die verschiedenen Filialen eines kaufmännischen Geschäftes nicht zu verschiedenen Gewerbszweigen gehören, so dürfte ihre Zusammengehörigkeit in den meisten Fällen nicht kenntlich gemacht worden sein und demgemäß dürften die Angaben der Betriebsstatistik, was die Anzahl der selbständigen Betriebe anbetrifft, auch dann immer noch viel zu hoch sein, wenn man diejenigen Betriebe in Abzug bringt, die die Statistik jelbst als Teile von Gesamtbetrieben in Ansatz bringt. Außerdem giebt es auf den: Gebiete des Handels und besonders des Gastwirtsgewerbes auch neben den Filialen noch sehr viele abhängige Gewerbetreibende, die durch alle Abstufungen hindurch mehr oder weniger in den Händen von Großunternehmern sind und nur äußerlich emen gewissen Schein der Selbstständigkeit bewahren, sodaß auch in dieser Beziehung viele von den Kleinbetrieben nicht für voll gerechnet werden dürfen. Ganz besonders gilt das von den Kleinbetrieben mit Gehilfen im Gastwirtsgewerbe, die sich in höchst auffälligem Maße von 75 760 auf 162 435 vermehrt haben. Die Zahl der Betriebe und beschäftigten Personen ist überhaupt in diesem Gewerbe überstark gewachsen, von 169 844 Betrieben mit 314 246 Personen auf 234 437 Betriebe mit 579 958 Personen. Auch das hängt mit der Zerreibung des Mittelstandes und der wachsenden Proletarisierung zusammen, die eine zunehmende Zerrüttung des häuslichen Lebens im Gefolge hat. Was das Haus nicht mehr bietet, sucht man in der Kneipe: Nahrung und Zerstreuung. Ein weiterer Umstand, den die Statistik bei der Art, wie die Erhebungen angestellt worden sind, nicht berücksichtigen konnte, ist der, daß vielfach mehrere der gezählten Betriebe in einer und derselben Hand gewesen sein dürften, und daß daher die Zahl und Bedeutung besonders der größeren wirtschaftlichen Existenzen, der persönlichen und der rein rechtlichen (z. B. Aktiengesellschaften) eine andere und noch mehr zum Großbetriebe neigende ist als die in der Statistik aufgeführte. Um nur ein Beispiel anzuführen, so wurde im Anfänge des vorigen Jahres bekannt, daß der Berliner Stadtverordnete Leopold Jacobi, der durch einen sehr taktlosen Brief an seine dänische Kundschaft über die Ausweisungen dänischer Agitatoren aus Nordschleswig die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich gelenkt hatte, gleichzeitig drei verschiedene Geschäfte betreibt. In der Sebastianstraße 14 firmiert er als „Gesell-