Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1900
- Issue
- Aus der Statistik.
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 186 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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186 noch mehr die großen Betriebe sich in weit stärkerem Maße vermehrt hatten als die Bevölkerung, sowohl nach ihrer Anzahl wie auch ganz besonders nach ihrem Personal. Im einzelnen ist hervorzuheben, daß sich die Alleinbetriebe nicht nur relativ, sondern auch der absoluten Zahl nach vermindert haben, es wurden 1895 rund 163 000 weniger als 1882 gezählt, ja in der Industrie allein sogar 193 000 weniger. Auch die Kleinbetriebe mit Gehilfen haben sich in der. Industrie verhältnismäßig ungenügend entwickelt, denn es Hütten nach der Bevölkerungszunahme 853 00O gezählt werden sollen, es waren aber nur 752 O00 vorhanden und an in ihnen beschäftigten Personen wurden nur 1954 000 gezählt, während es 2 106 000 hätten sein sollen. Und während sich für die Berufsabteilung C: „Handel, Gastwirtschaft und Verkehr" in: allgemeinen eine aufsteigende Entwicklung bemerkbar macht, ist diejenige der Alleinbetriebe auch hier hinter der Volksvermehrung zurückgeblieben, denn dieser hätte ein Bestand von 492 000 Alleinbetrieben entsprechen müssen, während in Wirklichkeit nur 454 000 gezählt wurden. Uebrigens ist die verhältnismäßig starke Zunahme der handeltreibenden Bevölkerung, wie sie in der Tafel hervortritt, kaum als ein erfreuliches Symptom zu betrachten: Bekanntlich schwinden bei Völkern und Staaten, in denen die Handelsinteressen vorwiegen mit der Zeit die Eigenschaften, die erforderlich sind, um die nationale Selbständigkeit und Ehre zu wahren: Sie verfallen dem Fluche der Krämerpolitik. Das ist eine Regel, die keine Ausnahme duldet, und wir sehen gerade jetzt, wie sie sich an dem englischen Volke vollzieht. Alles in allem zeigt die Tafel also, daß die kleinen selbständigen Existenzen zu Hunderttausenden erdrosselt worden sind und daß die früheren Inhaber der zertrümmerten Kleinbetriebe einen Unterschlupf als Arbeiter, insbesondere als Industriearbeiter bei den Großbetrieben haben suchen müssen. Wir finden nämlich, wenn wir einen Blick auf das Personal der verschiedenen Größenklassen werfen, in den Alleinbeirieben rund 160 000 Personen weniger beschäftigt, ja in den industriellen Alleinbetrieben rund 200 000 weniger, dagegen in den Kleinbetrieben mit Gehilfen 600 000 mehr, in den sogenannten Mittelbetrieben 1 100 000 und in den Großbetrieben gar 1 400 00O mehr. Die Arbeiter der Mittel- und Großbetriebe aber sind es, die schlechterdings keine Aussicht mehr haben, jemals eine selbständige Brotstellung sich zu erringen, sie sind es, die das dankbare Feld für die sozialdemokratischen Agitatoren abgeben, und von solchen Arbeitern wurden 1895 2 500 000 mehr gezählt als im Jahre 1882. Kein Wunder, daß dieser von den Propheten der Manchesterlehre so hoch gepriesenen „glänzenden Entwicklung" unserer Industrie eine ebenso glänzende Entwicklung der Sozialdemokratie zur Seite steht. Wer es duldet, daß sich diese Brutstätten der Sozialdemokratie ins Ungemessene vermehren, muß die Folgen tragen. Mit Umsturz- und Zuchthausgesetzen ist dagegen gar nichts auszurichten: Die Sozialdemokratie bekämpft in Wahrheit nur, wer der ungesunden Entwicklung unseres wirtschaftlichen Lebens durch eine verständige Mittelstandspolitik entgegentritt, wer den Mut hat, der krankhaften Entwicklung unserer Großbetriebe entgegenzutreten. Bei gutem Willen ist das sehr wohl möglich. Das Uebel ist übrigens noch viel größer, als die bisher mitgeteilten Zahlen erkennen lassen. Von den bisher aufgeführten 3 144 977 Betrieben sind in Wahrheit nur 3 065 231 vorhanden, die übrigen 79 746 stehen nur auf dem Papiere. Das geht so zu: Die amtliche Statistik unterscheidet die Betriebe nach einzelnen Gewerbearten und zerlegt daher solche Unternehmungen, in denen unter einheitlicher Leitung und Buchführung mehrere Gewerbearten betrieben werden, in ebenso viele einzelne Betriebe, sofern in diesen wenigstens eine Person „hauptberuflich" be-