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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1900-01-01 · Der Bund der Landwirte bei den Wahlen. · p. Seite 179

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1900
Issue
Der Bund der Landwirte bei den Wahlen.
Date
1900-01-01
Page
Seite 179 (sequence 30)
Language
German
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179 von Streichungen widersetzlicher Mitglieder vorgekommen (ebda.). An Versuchen, die Antisemiten ganz aus dem Bunde zu drängen, hat es indes nicht gefehlt. So brachten Mitte Dezember 98 die „Berliner Neuesten Nachrichten" die Meldung: „Aus dem Bunde der Landwirte in der Provinz Brandenburg sind, wie verlautet, die sämtlichen antisemitischen Mitglieder ausgeschieden, bezw. zum Austritt veranlaßt worden." Der Vorstand des Brandenburgischen Provinzial-Verbandes der Deutsch-sozialen Reformpartei winkte jedoch ab, indem er durch die „Staatsbürg.- Ztg." (21. 12. 98) erklären ließ, ihm sei davon nichts bekannt. Einige Zeit darauf wurde dem Verfasser durch einen dem Bunde angehörigen Abgeordneten der Deutschsozialen Reformpartei im Aufträge einer Bundeskommission mitgeteilt, diese habe beschlossen, ihn und verschiedene andere bekannte brandenburgische Antisemiten (die oben genannten Kandidaten) zu ersuchen, freundlichst freiwillig aus dem Bunde auszuscheiden. Dies Ansinnen wurde abgelehnt, da man sich durch Eingehen auf dasselbe als schuldig bekennen würde. Der Bundesvorstand scheint nach diesem weitere Schritte nicht für ratsam gehalten zu haben. -Und gerade die vorgekommenen Ausschließungen zeigen, daß die Bundesleitung nicht unparteiisch sein will oder sein kann. Ausgeschlossen find am 12. Dezember 98 die Antisemiten Hauptmann a. D. Herter und Fabrikant Frölich, letzterer weil er im Kreise Teltow gegen den „Bundeskandidaten" Superintendenten Vorberg kandidiert und ersterer, weil er diese Kandidatur unterstützt hatte. Sie wurden, wie es im „Teltower Kreisblatte" heißt, „nach genauer Prüfung des Sachverhaltes von dem Provinzial-Vorsitzenden des Bundes in der Mark Brandenburg, Graf Finckenstein-Reitwein, sowie von dem Vorstande des Bundes energisch aufgefordert, die Kandidatur Frölich zurückzuziehen und stch aller Gegenagitation zu enthalten. Trotzdem hat Hauptmann Herter während der Reichstagswahlperiode öffentliche scharfe Angriffe gegen den Wahlkreis-Vorsitzenden Oberamtmann Ring (Düppel) gerichtet und die Kandidatur Frölich aufrecht erhalten. Infolge dieser Vorkommnisse hat Graf Finckenstein als Provinzial-Vorsitzender den Ausschluß beantragt." Die von Herter und Frölich gemachten Gegenvorstellungen, die der Bundes- Vorstand für unerheblich gehalten hat, besagen in der Hauptsache folgendes: Frölich war altes bewährtes Bundesmitglied, Vorberg gehörte dem Bunde überhaupt nicht an, seine Aufstellung als Bundeskandidat sei nur dadurch erreicht worden, daß man die Bundesmitglieder über die Lage der Sache im unklaren gelassen habe. Gerichtlich ist festgestellt, daß Frölich zuerst vorgeschlagen war und daß der Kreisvorsitzende des Bundes, Gutspächter Ring, der zugleich konservativer Wahlkreis-Vorsitzender (wie auch konservativer Landtagsabgeordneter) ist, am 26. Januar an die Vertrauensmänner des Bundes eine Anfrage mit beiliegender Antwort-Postkarte versandt hat, auf der allein Superintendent Vorberg mit dem Ersuchen um „umgehende" Entscheidung mit „ja" und „nein" zur Wahl gestellt wurde. Infolgedessen hatte Herr Ring in der Vertrauensmänner-Versammlung des Bundes am 7. Februar die, unter diesen Umständen „fast einstimmig" für Vorberg lautende Abstimmung schon vorweg in der Hand. Die Abstimmung sei deshalb ungültig, ebenso die eine Stunde später im selben Lokale vorgenommene Abstimmung der Jahres-Versammlung des Bundes, weil eine solche Beschlußfassung gar nicht auf der Tagesordnung stand, auch die in der „Wahlordnung" vorgeschriebenen Einladungsförmlichkeiten usw. nicht gewahrt seien. Herr Ring habe die Kandidatur Vorbergs den Bundesmitgliedern aufgenötigt, trotzdem Vorberg selbst erklärt habe, „daß er bisher noch nie eingehend Tagespolitik getrieben und die technische Fraktions-Beschäftigung für unvereinbar mit dem geistlichen Amte halte", und trotzdem in dem

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