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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1900-01-01 · Der Bund der Landwirte bei den Wahlen. · p. Seite 175

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1900
Issue
Der Bund der Landwirte bei den Wahlen.
Date
1900-01-01
Page
Seite 175 (sequence 26)
Language
German
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175 Versprechungen! Denn daß solche gegeben sind, beweist schon der folgende Brief bes Herrn Lucke, des „in Südwestdeutschland die Geschäfte leitenden Hauptvorstandsmitgliedes", vom 16. Oktober an die Geschäftsstelle Oer Deutsch-sozialen Reformpartei in Heidelberg: „Auf das sehr gefällige Schreiben vom 10. Oktober 1899 beehre ich mich Ihnen sehr ergebenst zu erwidern, daß ich meinem Versprechen, meine guten Dienste bei den künftigen Landtagswahlen Ihnen zu leihen, voll und ganz nachgekommen bin, und wird Herr Neureuther, der Sie demnächst besuchen wird, Ihnen die Details darüber vortragen, da dieselben sich nicht zur schriftlichen Mitteilung eignen. Wenn diese meine guten Dienste einen Erfolg für Ihre Partei nicht gehabt haben, so sind eben die Verhältnisse in Baden stärker als der Einfluß, den ich im Namen des Bundes und persönlich auszuüben in der Lage gewesen bin." Das heißt doch, trotz aller Geheimniskrämerei, nicht mehr und nicht weniger als: Der Bund hat mit seiner „erprobten" Wahlordnung bei den badischen Wahlen völlig Bankerott gemacht. Ob der engere Vorstand oder der Bundesvertreter Lucke oder sonst irgend jemand vom Bunde sich ernstlich zu Gunsten der Deutsch-sozialen Reformpartei bemüht hat, ändert an dem praktischen Ergebnisse nichts. Und der Bund hat diejenigen, die auf die Versprechungen seiner Führer vertrauten, mit in seine Niederlage verwickelt, denn der Erfolg war, daß die antisemitischen Kandidaten, unter ihnen, der erprobte Pfisterer, unterlagen. Und dafür'wurden einige sogenannte „Bundeskandidaten" gewählt, die gegen den Wunsch des Bundesvorstandes oder gar gegen die Wahlordnung aufgestellt waren. Sollte die Bundesleitung über diese mittelparteilichen Kuckuckseier wirklich aufrichtige Freude empfinden? Ob die zugestandenermaßen gegebenen Versprechungen gar nicht hätten gemacht werden dürfen oder ob sie böswillig gebrochen sind, macht einen so großen Unterschied, auch moralisch, nicht aus; für die Zukunft jedenfalls wird man die Lehre daraus ziehen müssen, daß in Baden wenigstens der Bund überhaupt nicht bündnisfähig ist. Diese Vorgänge fanden ein würdiges Seitenstück bei den hessischen Landtagswahlen. Dort hatten die Antisemiten die besten Aussichten, eine Anzahl von Mandaten zu erobern. Aber auch hier war es der Bund der Landwirte, der durch einseitige Unterstützung der National-Liberalen einen Teil des bereits sicher scheinenden Erfolges vereitelte. In den Wahlkreisen Nidda-Ortenberg, Alsfeld-Land und Homberg a. d. O. unterlagen die antisemitischen Kandidaten Gutspächter Schuh, Landwirt Schuchard und Landwirt Zulauf gegen wenige Stimmen den vom Bund unterstützten National-Liberalen, so daß nur ein neuer antisemitischer Abgeordneter, Weinbauer Michael Wolf VI. in Stadecken als Vertreter des Kreises Wörrstadt in den Landtag einzog. Diesen hat allerdings der Bund unterstützt, weil sein Gegenkandidat der bisherige freisinnige Abgeordnete Christ war, den Bündlern also nur die Wahl zwischen ihrem Todfeind und dem Antisemiten blieb. Ueber diesen Ausgang der Wahlen urteilten die Frankfurter „Deutschen Worte" (26. November 99) wie folgt: „In Alsfeld siegte der Schützling des Kreisamtes, der National-Liberalen und des Bundes der Landwirte, Herr Gustav Korell mit Hilfe der Freisinnigen. Im Wahlkreis Homberg waren wir der von uns schon gebührend gekennzeichneten Kampfesweise des bisherigen Vertreters, der sich nur in Verdächtigungen gegen unsere Freunde erging, nicht gewachsen. Die Beamtenschaft arbeitete für ihn mit Hochdruck im Bunde mit den Bürgermeistern, und in der Stadt Homberg fanden sich Beamte, Nationalliberale, Freisinnige, Juden und Sozialdemokraten brüderlich gegen unsere Waylmänner-Kandidaten zusammen und über das Ganze breitete der Bund der Landwirte schützend seine Fittiche. Ein schönes Bild!"

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