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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1900-01-01 · Der Bund der Landwirte bei den Wahlen. · p. Seite 176

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1900
Issue
Der Bund der Landwirte bei den Wahlen.
Date
1900-01-01
Page
Seite 176 (sequence 27)
Language
German
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176 Die „Deutsche Tageszeitung" aber schrieb <20. November 99): „Wie uns mitgeteilt wird, hat der Bund der Landwirte bei den hessischen Landtagswahlen einen schönen Erfolg errungen."^) — Nun, wir wünschen Glück! Man weiß wirklich nicht, ob man zu weit geht, wenn man aus diesen so übereinstimmenden Vorgängen die Absicht planmäßiger Bekämpfung der Deutschsozialen Reformpartei schließt; es sind andernfalls Entgleisungen, die eine erschreckende innere Schwäche und Zerfahrenheit des Bundes beweisen. Der Bund glaubt zu schieben, und er wird geschoben. Und das thatsüchliche Ergebnis ist, daß das Geld der deutschen Bauern verwendet wird, um die zuverlässigsten Freunde der Landwirtschaft zu bekämpfen unter dem Beifall und der Beihilfe von Juden und Sozialdemokraten. Wo kein Antisemit zu bekämpfen ist, wendet sich diese unnatürliche Koalition gelegentlich auch einmal gegen einen Konservativen, der es sein könnte. So wurde bei den preußischen Landtagswahlen (nach „Deutsch- Soziale Bl." 10. und 17. November 98) im Kreise Minden-Lübbecke der im ersten Wahlgang in der Minderheit gebliebene Kandidat des Bundes Rehling mit Hilfe selbst freisinniger Wahlmänner gegen den konservativen Major a. D. Strosser gewählt; und hier klagten, wie wir oben sahen, die Konservativen über Vertragsbrüchigkeit des Bundes.-) Und „ein eigenartiges Schauspiel war es", witzelt dazu die „Franks. Ztg.", „wie sich der Führer des Bundes der Landwirte bei den Führern der nationalliberalen und freisinnigen Partei bedankte, die ja seinem Kandidaten zwei Drittel Stimmen von allen geliefert hatten." Wird dem Bundesvorstände vor solchen „Bundeskandidaten" nicht bange? Man hat schließlich den Eindruck, als seien vielfach entweder die berufenen Vertreter der Landwirtschaft gar nicht im Bunde, sodaß dieser sich bei Kandidaten-Aufstellungen nach außerhalb Stehenden Umsehen müsse, oder als spielten Unberufene im Bunde eine Rolle, ohne daß die Zentral-Leitung die Kraft habe, sie abzuschütteln. Um dies zu illustrieren, genügt ein Blick auf die Kandidatenliste der 98er Reichstags-Wahlen: In Westprignitz war der Kandidat der Deutsch-sozialen Reformpartei, Rechtsanwalt Wohlfarth, Bundesmitglied; der „Bundeskandidat", Gutspächter Stubbendorf-Zapel, war (nach „Kreisbl. f. d. Westprignitz", 24. März 98) nicht Bundesmitglied und gehörte zur freikonservativen Partei; über seine Stellung zu den Forderungen des Bundes war bisher nichts bekannt. Er erklärte auch, er werde dem Bunde nicht beitreten und wolle sich „als ehrlicher Politiker nicht auf ein Programm festnageln lassen", er würde ja auch, wenn gewählt, alle Stände zu vertreten haben. Trotz alledem wurde er zum großen Teil durch die eifrige Agitation des Bundes in den Reichstag geschickt. In Ruppin-Templin kandidierten zwei Vundesmitglieder gegen einander: Kaufmann Schükerk (Deutsch-soz. Reformpartei) und Rechtsanwalt Dietrich (konservativ); Dietrich wurde selbstverständlich zum „Bundeskandidaten" gemacht, die Art l) Höchst bezeichnend für die „Deutsche Tageszeitung" war auch die Form, in der sie den Tieg Wolfs für den Bund ausnutzte, fie meldete am l9. November: „Wie uns mügeteilt wird, ist der Kandidat des Bundes der Landwirte, Wolf-Stadecken, gegen den freisinnigen Kandidaten Christ gewählt worden." — Daß Wolf in erster Linie Mitglied der Deutsch-sozialen Reformpartei ist, brauchten die Leser ja nicht zu wissen. -) Daß gegen Herrn Strosser nichts vorlag, geht wohl am besten daraus hervor, daß die „Tusche. Tagesztg." für ihn, als er bei der Reichstagsersatzivahl in Schaumburg-Lippe (5. November 98) kandidierte, eifrig eintrat und von den Antisemiten verlangte, sie sollten für ihn (in der Stichwahl) „ihre Schuldigkeit thun". Den Herren vom Bunde hingegen steht es frei, „ihre Schuldigkeit" zu thun oder nicht.

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