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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1900-01-01 · Der Bund der Landwirte bei den Wahlen. · p. Seite 174

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1900
Issue
Der Bund der Landwirte bei den Wahlen.
Date
1900-01-01
Page
Seite 174 (sequence 25)
Language
German
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174 Konsul Köster und den bisherigen Abgeordneten NeuwirL*) in der Verlrauensmänner-Versammlung verhandelt worden ist. Auch hier wurde einstimmig beschlossen, Neuwirt wieder zu wählen, wenn er sich auf das Programm des Bundes stelle, und von Herrn Konsul Köster abzusehen, trotzdem gerade dort für diesen Herrn sich sowohl das süddeutsche Bundesvorstandsmitglied wie - unseres Wissens auch der Wahlkreisvorsitzende auf das entschiedenste verwandt haben.-) Es ist eben trotz aller Mühe nicht gelungen, die Stimmung der Vertrauensleute für Herrn Konsul Köster zu gewinnen. Wenn Herr Lucke oder Herr Direktor Hoffmann — und Herr Lucke bestreitet dies 2) — versprochen haben sollten, daß die Kandidaten der deutsch-sozialen Reformpartei in jedem .Falle von seiten des Bundes zu unterstützen seien, so hätten beide Herren dieses Versprechen direkt gegen die Wahlordnung abgegeben. Aber aus den Mitteilungen des verehrlichen Vorstandes geht auch gar nicht hervor, daß diese beiden Herren sich in solcher Weise festgclegt haben. Wir zweifeln nicht daran, daß beide Herren freundliche Gesinnung für die Bestrebungen der deutsch-sozialen Reform- Jn Uebereinstimmung mit dem Empfänger dieses Schreibens bin ich der Ansicht, daß dem Wunsche, diesen Brief als vertraulich zu behandeln, natürlich nicht nachgekommen werden kann; denn ein solches Verlangen ist, nachdem alle diese Streitpunkte öffentlich erörtert waren und das größte Aufsehen erregt hatten, sachlich ganz unberechtigt. Der Bundesvorstand ist auf bündlerischer Seite die oberste, entscheidende Instanz in diesen Streitfragen und somit verpflichtet, seine Stellungnahme in dieser Sache, die sich nun einmal nicht aus der Welt schaffen läßt, vor der Oeffentlichkeit zu vertreten. Oder könnte vergleichsweise nach Ansicht der Herren Rösicke und Genossen das Reichsgericht sagen: Hier habt ihr euern Bescheid, aber macht um Himmelswillen keinen Gebrauch davon in der Oeffentlichkeit? Es mag ja sein, daß den Herren Veröffentlichung dieses Schreibens unangenehm ist, denn sie haben sicherlich selbst das Gefühl, daß sie durch dasselbe ihre ganze Rat- und Hilflosigkeit enthüllen: sie wollen den Liberalismus „einschränken" und müssen ihm dabei, ob sie wollen oder nicht, Gefolgschaft leisten selbst unter Verleugnung ihrer hochgepriesenen Wahlordnung! Ja, selbst unter Ableugnung früher gegebener Partei haben und auch gewillt sind, soweit ihre Kompetenzen reichen, Unterstützung zu leihen. Aber die Protokolle über die Beschlüsse der einzelnen Wahlkreisbezirke weisen eben aus, daß solche Beeinflussung keinerlei Früchte getragen hat. Wir bedauern das, aber die deutsch-soziale Reformpartei wird vom Bunde nicht verlangen, daß er Zwang anzulegen sucht.* 2 3 4) — Schließlich bitten wir deshalb den sehr verehrlichen Parteivorstand der deutschsozialen Reformpartei in Baden mit der Entwicklung, wie sie jetzt als gegeben vorliegt, sich einverstanden zu erklären und kräftig diejenigen Kandidaten, die die Vertrauensmänner des Bundes aufzustellen für gut gefunden haben, zu unterstützen, um so zu ermöglichen, daß eine Stärkung uns feindlicher Parteien verhindert wird, namentlich der in Baden herrschende Linksliberalismus eingeschränkt werde. — Wir bitten, dieses Schreiben als ein vertrauliches zu behandeln und zeichnen in vorzüglicher Hochachtung im Aufträge des Hauptvorstandes des Bundes der Landwirte der engere Vorstand: Dr. Rosicke, Vorsitzender. Direktor in Vertretung Plaskuda." 1) Herr Neuwirth wird mir als „liberal" bezeichnet, ob „rechtsnationalliberal", „nationalliberal", „linksnationalliberal" oder „linksliberal", weiß ich freilich nicht; jedenfalls liegt auch hier der Fall vor, daß ein Kandidat, über dessen Stellung zum Bunde nichts bekannt war, einem Bundesmitgliede vorgezogen wurde. 2) „Unrichtig" bemerkt hierzu mein Gewährsmann. 3) s. weiter unten. 4) Kann man die sich überhebende Selbsttäuschung weiter treiben? Oben wird zugegeben, daß man nicht einmal Zuwiderhandlungen gegen die Wahlordnung und den ausdrücklich kundgegebenen Willen des Bundesvorstandes habe verhindern können; und hier spricht man von „Zwang anlegen"! Als ob der Bundesvorstand das überhaupt könnte! Und diese Herren laden dann andere ein, „ihre" Kandidaten zu unterstützen!

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