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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1900-01-01 · Der Bund der Landwirte bei den Wahlen. · p. Seite 173

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1900
Issue
Der Bund der Landwirte bei den Wahlen.
Date
1900-01-01
Page
Seite 173 (sequence 24)
Language
German
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173 die doch mehr nach der nationalliberalen Seite hin üb er neigen, verlustig gegangen wäre*). Bei der offiziellen Stellungnahme in unserem Blatte, wer von den Kandidaten zu unterstützen sei, werden wir allerdings nicht umhin können, nach unserer Wahlordnung und, um denjenigen Mitgliedern unseres Bundes, welche für Pfisterer zu stimmen noch Neigung besitzen, keinen Zwang anzuthun, Freigabe der Abstimmung zu proklamieren^). — Um nochmals auf den Wahlbezirk Eppingen zurückzukommen und auf das an Herrn Pfarrer Specht gerichtete Schreiben, das Sie bemängeln, so weisen wir auch hier auf die Wahlordnung hin, welche vorschreibt, daß, wenn zwei Mitglieder des Bundes der Landwirte in einem Wahlkreise gegeneinander aufgestellt sind, derjenige, der von den Vertrauensmännern abgelehnt ist und vorher kein Landtagsniandat gehabt hat, aufzufordern ist, so lange seine Mitgliedschaft im Bunde ruhen zu lassen, bis die Wahl beendet ist, oder aber, seine Kandidatur zu Gunsten dessen, der die große Majorität der Vertrauensmänner auf sich vereinigt hatte, zurückzuziehen. Dieser Fall liegt bei ihrem Kandidaten, dem Herrn Pfarrer Specht, in zwingendster Weise vor 3) und wir können nur bitten, anstatt eine Zersplitterung herbeizuführen und dadurch die Wahl des links natio nalliberalen Wittner^) zuzulassen, sich mit der ganzen Kraft der Partei auf unseren Kandidaten Burkard mit uns zu vereinigen. — Weiter, was die Kandidatur des Landwirts Sänger im Bezirk Kehl anbetrifft, so sind unsere Vertrauensmänner nur dadurch für Herrn Sänger zu gewinnen gewesen, daß derselbe seine Parteilosigkeit erklärte und sich verpflichtete, im Badischen Landtage wild zu bleiben. Auch hier liegt derselbe Fall wie in Eppingen vor. Die Vertrauensmänner hoffen, wenn der Kandidat keine prononciert parteipolitische Stellung einnimmt, ihn gegen Linksliberale* * 3 4) bezw. Zentrum durchzubringen. — In Bezug auf den Wahlkreis Schwetzingen, wo Herr Professor Treiber aufgestellt ist, ist auch hier ein einstimmiger Beschluß der Vertrauensmänner die Ursache dieser Aufstellung. Wir müssen dem Parteivorsland der deutsch-sozialen Reformpartei in Baden dringendst zur Erwägung anheimgeben, ob es nicht opportun sein dürfte, da unsere auf den Beschlüssen aller unserer Organe beruhende, durch sehr reiche Erfahrung erprobte Wahlordnung die Vertrauensmänner bei der Aufstellung von Kandidaten oder bei der Beschlußfassung über Unterstützung der Kandidaten anderer Parteien souverän hinstellt, diesen vom Bunde aufgestellten oder zur Unterstützung empfohlenen Kandidaten nun auch ihrerseits ihre Unterstützung zu leihen. Zu unseren: Bedauern ist, nach den uns aus den verschiedenen Wahlbezirken zugegangenen Mitteilungen unserer Vertrauensmänner ein großer Teil der Bundesmitglieder nicht gewillt, Kandidaten der deuischsozialen Reformpartei mit wählen zu helfen. So z. B. auch im Bezirk Sinsheim-Neckarbischofsheim, wo auch durch unseren Wahlkreisvorsitzenden über Herrn *) Die Nationalliberalen beherrschen also in jenem Kreise den Bund so völlig, daß sie über seine Wahlordnung und die Vorstellungen der Bundesleitung einfach zur Tagesordnung übergehen! Nun wäre cs nur gilt, wenn der Bundesvorstand genau den Unterschied zwischen diesen Bundesvertrauensrnännern und den oben erwähnten „Linlsliberalen" klargelcgt hätte, für die unter Umständen eintreten zu müssen, anscheinend als etivas schreckliches angesehen wird. Der Grund, weshalb angeblich gegen Pfisterer gearbeitet wurde, beleuchtet die „Unparteilichkeit" deS Bundes vortrefflich. -) Das war übrigens inzwischen schon durch den Abteilungsvorstand in der „Deutsch. Allg. Zrg f. Landwirtsch." (Frankfurt a. M., 22. Oktbr. 99) geschehen. — Also der Bundesvorstand giebt zu, daß das Vorgehen gegen Pfisterer der Wahlordnung widerspricht, aber er beugt sich, wo die Gewalt sich regt! 3) Also hier, wo sie sich gegen die Antisemiten deuten läßt, ist die eben erst beiseite gesetzte Wahlordnung wieder „in zwingendster Weise" giltig! Man beugt sich eben vor der jedesmal zufällig vorhandenen Mehrheit der Vertrauensmänner. Wie wenig sich aber dabei der Bundesvorsrand im Recht fühlt, zeigt gerade diese Aufforderung an Specht, „so lange seine Mitgliedschaft im Bunde ruhen zu lassen". Nach der Wahlordnung (Nr. 9) mußte er „entweder auf seine Kandidatur verzichten oder seinen Austritt aus dem Bunde erklären" und falls er „nicht freiwillig fein Ausscheiden anzeigte", war „zu erwägen", ob nicht „sein Ausschluß auf Grund deS 8 5 der Satzungen zu beantragen" sei. 4) Hier bemerkt mein Gewährsmann am Rande: „soll heißen rechtsnationalliberal": der Bundes- ■ Vorstand scheint sonach wieder falsch unterrichtet zu sein. — Auch im Bezirk Kehl soll es sich nicht um „Linksliberale" handeln.

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