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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1900-01-01 · Der Bund der Landwirte bei den Wahlen. · p. Seite 172

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1900
Issue
Der Bund der Landwirte bei den Wahlen.
Date
1900-01-01
Page
Seite 172 (sequence 23)
Language
German
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172 Partei als Hospitant beitreten"^.— Also auch hier Quertreibereien von Seiten des Bundes und so fast auf der ganzen Linie in den der Bundesleitung bereits unterm 18. Januar bekannt gegebenen Landtags-Wahlkreisen. — Auf Grund unserer Abmachungen richten wir daher an den verehrlichen Hauptvorstand das Ersuchen: — 1. Die Bundesmitgliedcr im Weinheimer Bezirk aufzufordern, für ihren bisherigen bewährten Vertreter, den Mitbegründer der badischen Abteilung j und Vertrauensmann des Bundes der! Landwirte, Pfisterer, einzutreten. — 2. Die Kandidatur Burkards zu Gunsten; Spechts im Eppinger Bezirk zurückzuziehen. — 3. Ueberhaupt für die Einhaltung unserer Abmachungen seitens der badischen Bundesmitglieder nach jeder! Richtung hin Sorge zu tragen. Hochj achtungsvoll Im Aufträge des Gesamtvorstandes der deutsch-sozialen Reform- Partei in Baden. Köster." Die Antwort auf dies Ersuchen ist datiert vom 23. Oktober, kam also nicht gerade allzulange vor Schluß des Wahlkampfes an Herrn Köster; sie lautet: „An den Gesamtvorstand der deutschsozialen Reformpartei in Baden z. H. des Herrn Konsul Köster, Heidelberg. Auf die Vorstellung des verehrlichen Gesamt-; Vorstandes der deutsch-sozialen Reform-! Partei in Baden vom 16. September d. I. : beehrt st cd der Unterzeichnete Hauptvor-; srand des Bundes der Landwirte folgendes ' zu erwidern: Es steht fest, daß die deutsch-! soziale Reformpartei Herrn Dr. Rudolf; Vogel als Kandidaten des 13. badischen j Wahlkreises zurückgezogen hat und daß; dadurch der Sieg unseres Bundeskandi- : baten mit erfochten worden ist. Doch : steht es ebenso fest, daß, wäre diese Kan-! didatur nicht zurückgezogen, sondern als; weitere Konkurrenz in jenen! Wahlkreise ' belassen worden, der Sieg des links-! liberalen Kandidaten erfolgt und die? deutsch-soziale Reformpartei sogar in die! Lage gekommen wäre, für diesen in der! Stichwahl stimmen zu müssen-). Nach : unseren Alten hat der Bund in durchaus loyaler Weise die Kandidatur Vogels! und Ihres Reichstagskandidaten im Ni a n n h e i m e r Bezirk unterstützt 3) und,; trenn er gezwungenermaßen indem : Heidelberger Kreise die Abstiminung der; Bundesmitglieder freigeben mutzte, weil i der Kandidat der nationalliberalen Partei; sich ebenfalls auf das Programm des? Bundes der Landwirte mit seinen Er-! tiärungen gestellt hatte, so entsprach das! der Wahlordnung des Bundes. Es ist , ferner richtig, daß der Bund für die einzelnen Landtage in den süddeutschen Abteilungen, also auch in Baden, ein besonderes Interesse, eigene Kandidaten aufzustellen, nicht hat. Nur dort pflegen die Vertrauensmänner zu dem Aushilfsmittel zu greifen, eigene Kandidaten in ihrem Wahlkreise aufzustellen, wo die Möglichkeit gegeben ist, dadurch trotz der Schwäche der einzelnen uns freundlich gesinnten Parteien die Stimmen parteipolitisch verschieden gesinnter Wähler mit Erfolg auf einen Kandidaten des Bundes zu vereinigen. Dieser Fall liegt nach unseren Erhebungen im Wahlkreise Eppingen vor. — Was nun die Kandidatur des Herrn Pfisterer, der ja selbst unser Bundesmitglied ist, anbetrifft, so ist nach unseren Feststellungen sowohl von der Geschäftsstelle in Frankfurt, wie auch von dem Laudesvorstande in Karlsruhe alles Mögliche gethan worden, um keine Gegenkandidatur, welche bündlerischerseits zu umerstützen wäre, aufkommen zu lassen. Leider — zu unserem aufrichtigen Bedauern und entgegen auch der Wahlordnung — haben die Vertrauensniänner in jenen: Wahlkreise einstimmig beschlossen, den Herrn Müller- Heiligkreuz zu unterstützen. Sie motivieren ihren Beschluß damit, daß Herr Pfisterer s. Zt. im Landtage mit deni Zentrum gestimmt habe, und dadurch des Vertrauens unserer Mitglieder, m i t jüdischen Rednern in den Wahlkampf. Inzwischen hat sich dann auch richtig der frühere „Nanonalliberale" und später „nationalliberale Antisemit'" zum „Bündler" durchgemausert. v) Herr Sänger hat nachträglich eine Kandidatur abgelehnt. 2) Die Bundesleitung scheint hier nicht gut unterrichtet gewesen zu sein: nach der amtlichen Statistik hat ein „Linksliberaler" in diesem Kreise gar nicht kandidiert. Es erhielten im ersten Wahlgange: Frhr. v. Mentzingen (Zentrum) 6239, Lucke (Bd. d. L.) 4847, Major a. D. Köhnhorn (Ratlib.) 4031, Sommer (Sozd.) 1311 Stimmen. Die Reformpartei brachte es 1893 auf 3573 Stimmen, es wäre somit nicht ausgeschlossen gewesen, daß ihr Kandidat in die Stichwahl gcko inmen wäre. 2) Hierzu macht mein Gewährsmann an den Rand zwei Fragezeichen!

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