Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1900
- Issue
- Der Bund der Landwirte bei den Wahlen.
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 171 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9038025-9038027-423309--189-185169- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
171 blicken."*) Bemerkt sei, daß von den 63 Abgeordneten des badischen Landtages nur 2 diese Anerkennung erhielten. — Vor der letzten Reichstagswahl 1898 erschien in Ihrem Frankfurter Bundesorgan ein Artikel, überschrieben: Zu den Vorbereitungen im Wahlkampfe, der wohl auch für die Landtagswahlen Geltung haben dürfte, indem es unter Absatz 2 Grundsätze im Einzelnen heißt: „Wo ein Abgeordneter bisher gewählt war. der die Bundessorderungen energisch vertreten hat, ist es Pflicht, denselben wieder zu wählen." — Wie verträgt sich nun die Unterstützung Müllers mit genannten Bun des grün dsätzen und unsern Abmachungen? — 2. Noch schlimmer steht es im Eppinger Bezirk mit den schriftlichen und mündlichen Versprechungen des Herrn Domänendirektors Hoffmann aus. Obgleich dieser in der schon oben genannten schriftlichen Erklärung zum Schluffe ausdrücklich bemerkte: „Auf dieses Diktum können Sie fich ebenso verlassen, wie wenn der Bundesvorstand selbst gesprochen hätte", wurde von der Vertrauensmänner-Versammlung in Eppingen am 9. Juli d. I. Herr Bürgermeister Burkard in Stebbach für den 50. Landtagsbezirk Eppingen nominiert, obgleich die deutsch-soziale Kandidatur Specht der Bundesleitung bereits seit dem 16. Februar d. I. bekannt war. — Domänen-Direktor Hoffmann war selbst bei der Ausstellung Burkards zugegen und hielt es nicht für nötig, seinen Versprechungen Geltung zu verschaffen, er erklärte uns persönlich sogar in der Sitzung vom 7. August auf unserm Parteibureau, der außer ihm auch der badische konservative Parteiführer, Herr von Stockhorner, beiwohnte, „erhübe sich nicht bemüßigt befunden gegen den Beschluß, Burkard aufzustellen, irgend welche Stellung zu nehmen." — Folgendes Schreiben an unsern Kandidaten für den 50. Landtagswahlbezirk, Herrn Pfarrer Specht in Zell, von der Hand Hoffmanns - herrührend, setzt der Sache noch die Krone auf: „Karlsruhe, 29. Aug. 1899. Euer - Hochwürden! Auf Veranlassung d eroberen Leitung des Bundes der Landwirte beehre ich mich Ihnen folgendes - mitzuteilen: Nachdem die Vertrauensmänner-Versammlung des Bundes im 50. Wahlkreise Herrn Bürgermeister Burkard-Stebbach als Landtagskandidaten aufgestellt. Ihre Kandidatur aber abgelehnt hat, hätte nach § 5 der Satzungen des Bundes Ihre Mitgliedschaft für die Dauer der Wahlzeit zu beruhen und sollte Ihr Ausscheiden aus dem Bunde für diese Zeit von Ihnen erklärt werden, falls Sie nicht vorziehen sollten, Ihre Kandidatur zurückzuziehen. Ihrer gefl. Rückäußerung entgegensehend Graf W. Douglas, Landesvorstand für Baden des B. d. L." — Auch hierüber ist es uns von großer Wichtigkeit, die Stellung des Hauptvor- - standes des Bundes kennen zu lernen. . — 3. Aehnlich liegen auch die Verhält- niffe im Schwetzinger Wahlkreis. Obgleich es die Geschäftsstelle in Frankfurt a. M. bereits seit dem 15. Januar in den Händen hat, daß-wir mit einem eigenen Kandidaten Vorgehen, stellten die Vertrauensmänner des Bundes einen eigenen Kandidaten auf, in der Person des schon oben genannten Herrn Prof. G. Treib er-).. — 4. Obwohl der Geschäftsstelle in Frank- - furt a. M. am 15. Jan. mitgeteilt wurde, daß in Kehl unsererseits Landwirt Sänger - aufgestellt wird, hielt dieselbe dennoch dieser Tage in diesem Bezirke eine Vertrauensmänner-Versammlung ab, nicht aber um die Unterstützung unseres Kandidaten herbeizuführen, sondern um denselben als reinen Bund es k andid aten : aufzustellen. Ter anwesende Vertreter der Frankfurter Geschäftsstelle, Grein, verwahrte sich sogar gegen den voneinem Parteigenossen gestellten Antrag, in das Protokoll den Passus einzufügen, „der Kandidat werde im Falle seiner Wahl der deutsch-sozialen Reform- Das gesamte Schreiben hat folgenden Wortlaut: „Karlsruhe, im März 1896. Ew. Hochwohlgeboren! In Uebereinstimmung mit den Mitgliedern des Bundes der Landwirte des Großherzogtums > nehmen wir Veranlassung, bezüglich Ihrer entschiedenen Stellungnahme zum Antrag Känitz bei der Agrardebatte der 2. badischen Kammer Ihnen unsern verbindlichsten Dank auszusprechen. In Ihrem. mutigen . . . (folgen die obigen Worte). In vorzüglicher Hochachtung der Landesvorsitzende des Bundes des Landwirte im Großherzogtum Baden: Graf W. Douglas. Der Stellvertreter H. Wießner. Der Vorsitzende für den Wahlkreis Mannheim: Prof. G. Treiber. Der Vorsitzende für den Wahlkreis Heidelberg:' Heinr. Schuh. Der Schriftführer für die Abteilung Baden: Hofsmann." -) Ueber diesen „Bundeskandidaten" brachte der „Deutsche Volksbote" (4. Novbr. 99) folgende Veröffentlichungen: „Als Treiber vor vier Jahren sich ausstellen ließ, bezeichnete er sich selbst als nationalliberalen Antisemit — keine vier Wochen später und der nationalliberale „Antisemit" zog zusammen .