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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1900-01-01 · Der Bund der Landwirte bei den Wahlen. · p. Seite 170

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1900
Issue
Der Bund der Landwirte bei den Wahlen.
Date
1900-01-01
Page
Seite 170 (sequence 21)
Language
German
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170 des, nur da mit eigenen Kandidaten vorzugehen, wo die betreffenden parteipolitischen Kandidaten das Bundesprogramm nicht anerkennen wollen. Da nun das wirtschaftliche Parteiprogramm derDeutschsozialen sich mit dem Wirtschafts-Programm des Bundes der Landwirte deckt, so ist, so lange eine Abweichung hierin nicht eintritt, ausgeschlossen, daß der Bund mit eigenen Kandidaturen vorgeht. —Auf dieses Diktum können Sie sich eben so verlassen, wie wenn der Bundesvorstand selbst gesprochen hätte." Ferner teilte uns Herr vr. Purpus, Sulzfeld, unterm 22. Juni mit: „Herr Direktor Hoffmann erklärte ihm im Aufträge des Vorstandes des Bundes der Landwirte, daß der Bund im ganzen 13. Wahlkreise für die Landtagswahlen keine eigenen Kandidaturen aufstellt, da ja die Deutsch-soziale Reformpartei ganz auf dem Standpunkt des Bundes der Landwirte steht." — Daß Herr Domänen- Direktor Hoffmann diese hochwichtige Mitteilung unserm Vertreter Herrn vr. Purpus gemacht hat, dafür steht letzterer Herr mit seinem Ehrenwort voll und ganz ein, was er uns mit seinen feilen vom 11. August d. I. auf unsere Anfrage hin mitteilte. — Herr Lucke erklärte uns mit Brief vom 22. Juni: „Der Bund der Landwirte ist nicht parteipolitisch und stellt nur dann notweise eigene Kandidaturen auf, wenn ihm weder rechtzeitig noch überhaupt von Parteien Kandidaten präsentiert werden, welche sich auf das Programm des Bundes stellen, event. Wahlhilfe von ihm beantragen." Ferner bemerkt er noch zum Schluffe in diesem Briefe ausdrücklich: „Bei den kommenden Landtagswahlen werden Ihrer Partei meine guten Dienste gewidmet sein." —Auf diese Versprechungen verließen wir uns, Lucke wurde wie schon in der Hauptwahl auch in der Stichwahl von unseren Gesinnungs-Genossen aufs Kräftigste unterstützt und kam in den Reichstag. — Nur der Zurückziehung der Kandidatur Vogels, dessen Sieg absolut nicht ausgeschlossen war, da unsere Partei ja schon das letzte Mal 3600 Stimmen auf ihren Kandidaten Franz Schmidt vereinigtes und seither aus Anlaß der vorigen Landtagswahlen rührig weiter agitierte, hat Lucke seinen Sieg zu verdanken, was er auch wiederholt anerkannt hat. — Wie sieht es aber mit der Einhaltung obiger Versprechungen seitens des Bundes aus? — Bereits unterm 15. Januar d. I. bezeichneten wir der Geschäftsstelle des Bundes der Landwirte in Frankfurt a. M. die Wahlkreise, in denen unsere Partei laut Parteitagsbeschluß vom 8. Januar d. I. bei den diesjährigen Landtagswahlen vorgeht, nämlich: Weinheim, Eppingen, Kehl, Sinsheim, Schwetzingen, Mosbach, Eberbach, Müllheim und Bretten, auch teilten wir damals schon die Kandidaten für den 27. Landtagsbezirk Kehl, Molkereibesitzer Sänger; 46. Landtagsbezirk Weinheim, den bisherigen Vertreter Pfisterer; 50. Landtagsbezirk Eppingen, Pfarrer Specht-Zell; 51. Landtagsbezirk Sinsheim-Neckarbischofsheim, Konsul Köster, mit. — Herr Lucke ließ uns mit einem Schreiben vom 30. Januar 1899 durch die Geschäftsstelle in Frankfurt a. M. bitten, „für die von uns in den einzelnen Wahlkreisen nominierten Kandidaten bei dem Bunde der Landwirte um Wahlunterstützung anzufragen." — Dies thaten wir rechtzeitig mit unfern Schreiben vom 5., 16. und 19. Februar für den 46., 50. und 51. Wahlbezirk, also gewiß früh genug. — Aber zum Dank für die Zurückziehung der Kandidatur Vogels zu Gunsten Luckes und der Wahl desselben, die er ja, wie bekannt, unseren Gesinnungsgenossen zu verdanken, hat, beschlossen 1) die Vertrauensmänner des Bundes der Landwirte im Weinheimer Bezirk die Unterstützung des nationalliberalen Kandidaten, Hengsthalters Val. Müller, Heiligkreuz, der wie schon oben erwähnt, bei der letzten Reichstagswahl unter den schlimmsten Umständen der Bundesparole Heeresfolge verweigerte, obgleich unser Kandidat, Stabhalter Pfisterer, ein Anerkennungsschreiben von seiten des Bundes in der Hand hat, worin der Landesvorsitzende des Bundes der Landwirte in Baden, GrafW.Douglas sowie die Herren H. Wießner, Professor G. Treiber, H. Schuh und Hoffmann: „in seinem mutigen Vorgehen im badischen Landtage einen kräftigen Ansporn zur Fortsetzung ihres Ringens und Strebens für die Landwirtschaft als der hervorragendsten Grundlage national-wirtschaftlicher Wohlfahrt in Deutschland er- 0 Die Abtretung dieses Kreises war ein großes Opfer für die Antisemiten, denn es war der- Kreis, der 1893 die meisten antisemitischen Stimmen in Baden aufbrachte. Durch seinen Ausfall ergab ■ sich ein erheblicher Rückgang der antisemitischen Stimmen (um etwa 1200) in Baden.

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