Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1900
- Issue
- Der Bund der Landwirte bei den Wahlen.
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 169 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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- Kamenz 1× ep/1047971
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169 genossen und Parteifreunde auf, am 24. Juni Herrn Fritz Schade-Altenburg ihre Stimme zu geben." Das Tollste aber ist an der Sache, daß Herr Fritz Schade noch heute Kreisvorsitzender des Bundes der Landwirte ist! Wenn der Bund noch recht viele solche Kreisvorstände hat, wäre es nicht ausgeschlossen, daß eines Tages Eugen Richter oder Paul Singer zum Nachfolger des Vater Plötz gewählt und im Zirkus Busch der Beschluß gefaßt wird, ein Caprivi-Denkmal zu errichten. Einen ähnlichen Versuch, einen Abgeordneten der Deutsch-sozialen Reformpartei zu verdrängen, scheint man in Bautzen-Kamenz geplant zu haben. Die „Staatsbg.-Ztg." (23. Dzbr. 97) berichtet hierüber: „In einer Vertrauensmänner- Versammlung des Bundes der Landwirte in Kamenz machte der Vorsitzende die Mitteilung, daß von Mitgliedern des Bundes für die nächste Reichstagswahl im dritten sächsischen Wahlkreis der (konservative) Rittergutsbesitzer Steiger auf Klein-Bautzen in Vorschlag gebracht werde. Die Mehrheit der Versammlung erklärte sich jedoch für den bisherigen antisemitischen Vertreter Gräfe." Herr Steiger hat übrigens trotzdem „kandidiert", das Stimmenverhältnis war folgendes, Gräfe 10 026, Steiger — 71 Stimmen! Ueber das Verhalten der leitenden Männer des Bundes des Landwirte in Baden bei den Landtagswahlen im Herbst 1899 (Wahlmänner-Wahl 4. November! giebt den besten Aufschluß das Beschwerdeschreiben des badischen Gesamtvorstandes der Deutsch-sozialen Neformpartei an den Hauptvorstand des Bundes der Landwirte vom 16. September 99. Es lautet: „Bei der letzten Reichstagswahl war von unserer Seite Herr vr. Rudolf Vogel, Oberweiler, als Kandidat für den 13.-badischen Reichstagswahlkreis Bretten-Sinsheim-Wiesloch ausgestellt. Von Seiten des Bundes der Landwirte wurde an uns am 18. April v. I. durch Herrn Neureuther das Ansuchen gestellt, Vogels Kandidatur zu Gunsten Ihres Hauptvorstands-Mitgliedes, des Herrn Lucke zurückzuziehen. Wir traten Ihrem Vorschlag mit unfern Zeilen vorn 19. April näher, in welchen wir die Unterstützung unserer Partei durch den Bund im Heidelberger und Mannheimer Reichstags- Wahlkreise sowie in sämtlichen Landtagswahlkreisen, in denen wir bei den diesjährigen Landtagswahlen mit eigenen Kandidaten Vorgehen, bei einer event. Zurückziehung der Kandidatur Vogels zur Bedingung machten. Mit seinen Zeilen vom 21. April erklärte uns Herr- Lucke: „er würde unsere Vorschläge dem engeren Vorstand in Berlin unterbreiten und befürworten, ebenso später, falls der engere Vorstand zustimmt, bei den Vertrauensmännern in den von uns angeführten Wahlkreisen." — Dasselbe bestätigte er uns mündlich in der Sitzung vom 24. April 1898 in unserem Parteibureau in Heidelberg. Ferner betonte derselbe noch ausdrücklich: „daß der Bund zur Zeit kein Interesse habe, eigene Landtags-Kandidaten aufzustellen, auch habe der Bund als solcher die Auffassung, daß gegen die Kandidaten der Deutsch-sozialen Reformpartei eigene Kandidaten nicht aurzustellen seien." — In der Vertrauensmänner-Sitzung vom 8. Mai 1898 für den Mannheimer Wahlkreis beschloß der Bund allerdings die Unterstützung des Kandidaten unserer Partei, Herrn Konsul Köster; während des offiziellen Wahlkampfes aber arbeiteten die Herren Professor Treiber und Hengsthalter Müller, ersterer Wahlkreis-Vorsitzender, letzterer Vertrauensmann des Bundes, gegen unfern Kandidaten für den nationalliberalen Freihändler Abgeordneten Bassermann in der denkbar schärfsten Weise. — Auch im 12. Wahlkreise, Heidelberg-Eberbach-Mosbach wurden unsere Bedingungen nicht erfüllt, indem Stimmenfreigabe zwischen unserm Kandidaten und dem der nationalliberalen Partei von Seiten des Bundes als Parole ausgegeben wurde. — Trotz alledem verstanden wir uns zur Zurückziehung der Kandidatur Vogels zu Gunsten Luckes, rechnend auf die Kulanz des Bundes. — Vor der Stichwahl erklärte Herr Dontänendirekror H o ff m an n, Mitglied des Landesvorstandes in Baden, schriftlich unterm 20. Juni bezüglich der diesjährigen Landtagswahlen: „Es ist gewissermaßen Gesetz des Bun-