Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1900
- Issue
- Der Bund der Landwirte bei den Wahlen.
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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168 ernannt. Und als man dann acht Tage später nochmals einen Putsch versuchte und eine Versammlung von Baumbach- Leuten, unter der Firma „General-Versammlung des Bundes behufs Beschlußfassung über die Kandidatur" zusammengetrommelt hatte, gelang es wieder dem persönlichen Eingreifen des Abg. von Liebermann, den Plan der Gegner zu zerstören und selber den Erfolg davonzutragen. Trotzdem der dort auch erschienene Provinzial - Vorsitzende des Bundes, Herr von Gilsa, mehre Lanzen für die konservative Partei brach, trotzdem Herr von Baumbach in großer Erregung und wenig höflichen Formen seine Sache führte, erhoben sich bei einer improvisirten Abstimmung für ihn wieder nur zwei Hände, und das Ende war, daß der Homberger Beschluß als maßgebend anerkannt wurdet) Leider hat der Bund aber im Kreise Homberg-Ziegenhain noch nicht den Einfluß und das Ansehen, die er haben könnte, wenn er treu Hand in Hand mit der dort herrschenden Deutschsozialen Reformpartei ginge." Und sein Einfluß und Ansehen sind durch diese Wirren, bei denen der Bund ein Spielball in den Händen der Parteiführer war, offenbar nicht gewachsen, denn deroffizielle Bundeskandidat, Herr von Liebermann, ist unterlegen. Besonders interessant aber ist, daß die Hauptleitung des Bundes weder von Gilsa noch von Baumbach, der auch Bundesmitglied ist, ge maßregelt hat, trotzdem sie doch durch ihre Agitation gegen den Bundeskandidaten dessen Niederlage verschuldet haben. Aber alle diese Vorgänge werden bei weitem übertrumpft durch das Vorgehen des Bundes in den großherzoglich-hessischen Wahlkreisen Alsfeld-Lauterbach- Schotten und Bens heim-Erb ach. Hierüber wird von einem der Beteiligten folgendes mitgeteilt: Etwa zwei Jahre vor den 98er Reichstagswahlen gingen den antisemitischen Abgeordneten dieser Kreise, Bindewald und Hirschel, Anerkennungsschreiben der betr. Vundesorganisationen zu. Das an Abg. Hirschel gerichtete hatte folgenden Wortlaut: „Frankfurt a. M., d. 27. April 1896. Ew. Hochwohlgeboren! Die Hauptversammlung des Bundes der Landwirte für die Prov. Starkenburg, Abt. Hessen, welche gestern in Darmstadt (? Name in der vorliegenden Abschrift schwer leserlich) tagte, hat in Anerkennung Ihres Verhaltens im Reichstage, zum Wohle dev deutschen Landwirte, Euer Hochwohlgeboren durch Erheben von den Sitzen geehrt. Wir erfüllen eine angenehme Pflicht, in Ausführung des Beschlusses der Versammlung, Euer Hochwohlgeboren dieses zur gefälligen Kenntnis zu bringen und haben die Ehre zu zeichnen mit vorzüglicher Hochachtung das in Südwestdeutschland die Geschäfte leitende Hauptvorstandsmitglied Carl Lucke." Um so befremdlicher war es, daß 1898 die Bündler in Bensheim den nationalliberalen Geheimrat Haas unterstützten, während in Alsfeld der Kreis Vorsitzende des Bundes der Landwirte, Gutsbesitzer Schade«Alteuburg als Gegenkandidat gegen den Abg. Bindewald auftrat. In Bensheim gelang es in der That den Nationalliberalen mit Hilfe des Bundes, Hirschel zu stürzen; in Alsfeld dagegen blieb Bindewald in der Mehrheit. Da gab Herr Schade vor der Stichwahl, um sich die Stimmen der Freisinnigen zu sichern, Erklärungen ab, die diesen allerdings genügen konnten. Und so hatte man das Schauspiel, daß der Vorstand des Freisinnigen Vereins in Alsfeld für den Bundeskandidaten folgenden Aufruf erließ: „Nachdem Herr Fritz Schade-Altenburg uns schriftlich erklärt hat, für das Neichswahlrecht, für Freizügigkeit, für freies Vereins- und Versammlungsrecht, für Diäten, für Goldwährung und generell für Handels-Verträge und gegen Verstaatlichung der Getreide-Einfuhr einzutreten, fordern wir unsere Partei- 1) Trotzdem wurde (nach DeutscknSoz. Bl. 27. Oktober 98) „in einem in letzter Stunde für den konservativen Kandidaten verbreiteten Flugblatte, das am letzten Sonntag in der Druckerei des Kreisblattes zu Ziegenhain hergestellt wurde, behauptet, der Bund der Landwirte habe sich für beu konservativen Kandidaten erklärt."